Grundsteuererhöhung

Grundsteuer erhöhen? So reagiert der Hildesheimer Verein Haus und Grund auf die Pläne der Stadt

Hildesheim - Im Verein sind Eigentümer organisiert, die mehr als 10.000 Immobilien in Hildesheim besitzen – viele davon als Mietobjekte. Wie Haus und Grund die Belastungen einstuft – und warum die Zusammenarbeit mit dem Mieterverein so wichtig ist.

Das Hildesheimer Rathaus: Hier wird beschlossen, ob und wie hoch die Grundsteuer erhöht werden soll. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Die Grundsteuer in Hildesheim soll zum Jahresbeginn 2024 deutlich steigen. Das hat Oberbürgermeister Ingo Meyer jüngst im Finanzausschuss angekündigt. Eine Ankündigung, bei der er selbst davon ausgeht, dass sie zu einer „zusätzlichen Belastung im Grunde aller Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt sowie aller Gewerbetreibenden führt“. Doch Hildesheim bleibe keine andere Wahl, ohne diese Erhöhung würde das erwartete Defizit laut Vorabberechnungen 20 Millionen statt „nur“ 12,8 Millionen Euro betragen.

Ein Thema, das auch den Verein Haus und Grund Hildesheim beschäftigt, in dem rund 2000 Immobilienbesitzer Mitglied sind, die insgesamt über etwa 10.000 Gebäude verfügen. Viele von ihnen sind zudem gleichzeitig Vermieter. Kürzlich hat der Hildesheimer Verein sein 125-jähriges Bestehen gefeiert. Bei dem Treffen kamen auch Themen zur Sprache, mit denen sich Eigentümer derzeit beschäftigen. Am Anfang kam die Umfrage für die Finanzämter zur Neuberechnung der Grundsteuer. Und der Protest folgte. Aktuell liegen in Niedersachsen bereits 288.000 Einsprüche gegen die Bescheide vor. Dann folgte der Streit um das Gebäudeenergiegesetz (GEG). Nun will Hildesheim die Grundsteuer massiv erhöhen.

Viele Belastungen

„Keine Kostenerhöhung ist schön“, drückt es Vorstandsvorsitzender Thomas Leipner vorsichtig aus. Und er betont auch: „Das trifft Eigentümer genauso wie Mieter, auf die die Kosten dann umgelegt werden.“ Das bestätigt Geschäftsstellenleiter Sebastian Graue. Nach der Sitzung des Finanzausschusses habe ihn ein Mitglied angerufen und gefragt, wie er sich nun verhalten solle: „Seine Mieter würden die ganze Wucht der Erhöhung abbekommen.“

Leipner und Graue kennen die Geschichten von den „schwarzen Schafen“ unter den Vermietern, für die vor allem die Rendite zähle. Doch das sei nur eine Seite. „In Hildesheim geht es den Vermietern vor allem darum, das Verhältnis zu ihren Mietern zu erhalten. Wir haben keine Heuschrecken hier wie in Großstädten, wo internationale Konzerne den Wohnungsmarkt beherrschen“, sagt Leipner.

Immobilie als Altersversorgung

Viele Hausbesitzer benötigten die Mieteinnahmen, um ihre Immobilie abzubezahlen und instand zu halten: „Sie dient vielen als Altersvorsorge.“ Doch derzeit steige der Druck von allen Seiten: höhere Zinsen, Ängste vor den Folgen des GEG, die Steuererhöhung in Hildesheim und die Unsicherheit, wie sich die finanztechnische Neuberechnung der Grundsteuer insgesamt auswirken werde. „In Deutschland liegt die Eigentümerquote im Vergleich zu anderen Ländern schon immer deutlich niedrig“, sagt Leipner. Wenn nun vor allem ältere Hausbesitzer unter Druck gerieten, ihre Immobilie nicht mehr halten zu können, drohe ein „Horrorszenario“: „Dann greifen die großen Immobiliengesellschaften zu.“

Ausdrücklich klammert er dabei die gemeinnützigen unter den Gesellschaften aus – wie beispielsweise die gbg oder die Kreiswohnbaugesellschaft. Aber vor allem aktiennotierte Konzerne zielten auf alle Optionen, ihre Rendite zu erhöhen. Deswegen sei es für Hildesheim auch wichtig, den Wohnungsbestand zu sichern, um steigende Mieten zu vermeiden. Derzeit sei es aber noch schwierig, genaue Infos über eine Empfehlung an die Mitglieder zu geben, sagt Graue. „Aber wir haben durch unsere große Mitgliederschaft den großen Vorteil, dass wir zu den anstehenden Themen schnell Erfahrungen sammeln und weitergeben können.“

Stammtisch zum Austausch

Ein Instrument dafür sei der Stammtisch, der sich regelmäßig am ersten Donnerstag eines Monats um 19 Uhr in der VfV-Gaststätte An den Sportplätzen trifft. Darüber hinaus sei ein Vortrag zum GEG für jedermann am 16. November um 18 Uhr im Kulturzentrum Puls am Angoulêmeplatz geplant. Referent ist der Energieberater Hermann Arnetzl, der bereits auf der Jubiläumsfeier von Haus und Grund darüber informiert hatte.

Vor allem beim GEG herrsche große Verunsicherung, betont Leipner und nennt als Beispiel die Situation in Mehrfamilienhäusern mit Gasetagenheizungen. Bei Eigentumswohnungen gestalte sich ein Austausch der Heiztechnik kompliziert, wenn man auf gemeinschaftliche Entscheidungen angewiesen sei. „Im Moment ist es noch wie Kaffeesatzlesen, aber wir arbeiten das Thema in jedem Fall für unsere Mitglieder auf“, kündigt Leipner an.

Thema Leerstände

Und für 2024 steht noch ein weiteres Thema auf der Agenda: der Wohnungsleerstand sowie Gebäude, die als Wohnraum umgenutzt werden könnten. „Wir wollen bei diesem Thema eng mit dem Mieterverein kooperieren“, sagt Leipner. Auch wenn dieser die Interessen der anderen Seite – der Mieter – vertrete, gebe es einen Konsens, dass sich Mietverhältnisse stets in einem „redlichen Rahmen“ bewegen sollten.

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