Hildesheim - In der neuen öffentlichen Toilette an der Sporthalle neben der Tonkuhle riecht es nach frischem Fugenmaterial. Der Edelstahl ist blitzsauber, kein Kratzer und kein Filzstift-Strich an Tür oder Wand. So akkurat würde man sich jede Toilette im Stadtgebiet wünschen. Aber so ist es nun mal mit öffentlichen Örtchen: Richtig sauber und intakt sind sie nur ganz am Anfang. Das trifft wohl auch auf das Exemplar zu, das die Stadt nach jahrelangem Hin und Her gleich neben das Kanulager in die neue Sporthalle auf der Marienburger Höhe hat bauen lassen. Die Diskussion darüber hatte Politik wie Verwaltung Jahre beschäftigt. Seit einigen Tagen ist die Toilette nun geöffnet.
Kevin Naumann, Teamleiter technische Gebäudeinstandhaltung bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft gbg, dreht am Öffner und zieht die massive Tür auf. Die gbg betreibt alle öffentlichen Toiletten der Stadt – seit einigen Tagen jetzt auch das Exemplar auf der Marienburger Höhe. „Es ist die einzige Toilette, die kostenlos ist“, sagt Naumann. Sie ist auch eine Reaktion der Stadt auf die mitunter chaotischen Zustände rund um die Tonkuhle. Geöffnet ist bereits, aber hauptsächlich genutzt wird sie wohl voraussichtlich in den Sommermonaten, wenn Besucherinnen und Besucher der Tonkuhle austreten müssen.
Ein „Panikschloss“ für den Notfall
Dabei ist sie nicht durchgehend geöffnet. „Die Tür geht automatisch um 7 Uhr auf und schließt um 20 Uhr“, erklärt Naumann. Dabei verfügt sie über ein „Panikschloss“. Wer die Toilette aus Versehen nutzt, während die Automatik schließt, kommt trotzdem problemlos raus. Allerdings anschließend kein weiterer Nutzer mehr hinein.
Für die Sauberkeit ist eine Hildesheimer Reinigungsfirma zuständig, die jeden Tag zweimal anrückt und nach dem Rechten sieht, säubert, Papier und Seife nachfüllt. „Die Mitarbeiter nehmen auch die Mängel auf“, sagt Naumann. Ob es davon viele in der neuen Toilette geben wird, lässt sich im Vorfeld schwer abschätzen. Aber Naumann rechnet damit, dass gerade an dieser nicht so gut einsehbaren, im Sommer aber sicher hoch frequentierten Stellen einiges zusammenkommen könnte. „Himmelfahrt wird sicher der Härtetest“, sagt der 40-Jährige.
Alle öffentlichen Toiletten sind baugleich
Er ist so etwas wie Chef über die baugleichen Anlagen im Stadtgebiet. Allein zwei befinden sich am Platz an der Lilie, jeweils eine am Parkplatz am Hohnsensee, an der Steingrube, in der Klosterstraße und an der Küsthardtstraße. Und jetzt ganz neu das Exemplar an der neuen Turnhalle neben der Oskar-Schindler-Gesamtschule. An den anderen Anlagen soll bald die Bezahlung nicht mehr bar, sondern nur noch per Karte möglich sein. Auch hier unterscheidet sich die Toilette an der Tonkuhle von den anderen: Wer sie nutzt, muss dafür nicht bezahlen.
Wie stark der Vandalismus am Ende sein wird, kann Naumann noch nicht abschätzen. An den anderen Anlagen gibt es in dieser Hinsicht immer Probleme. An der Steingrube zerschlugen Unbekannte immer wieder das Glas an der Fassade. „Wir haben es durch Metallteile ersetzten lassen, jetzt ist es besser“, sagt der gbg-Mann. Und am Hohnsensee gebe es regelmäßig Camper, die den Inhalt ihrer Chemie-Toiletten einfach in das öffentliche Klo schütteten – und dabei auch die gesamte Anlage verschmutzten. Wie sich die neue Anlage an der Tonkuhle schlage, werde sich erst noch zeigen. Naumann hält sie aber für robust und gut gerüstet.
