Hildesheim - Antonia Hillberg ist beileibe kein Mensch, dem es leicht die Sprache verschlägt. Doch als die Sozialdemokratin am Sonntagabend gegen 20 Uhr auf der Bühne in der Kneipe der Kulturfabrik steht, eine Minute lang „Toni, Toni“-Rufe durch den Raum dröhnen und der Beifall für eine kurzen Moment fast den Boden beben lässt, bleibt ihr kurz die Stimme weg. „Jetzt fällt ein bisschen etwas ab“, sagt die 24-Jährige, sichtlich bewegt.
Kurz zuvor hat die Sozialdemokratin verkündet, was sich von Anfang abzeichnet, als die ersten Resultate aus den Wahllokalen über den Bildschirm in der Kufa-Kneipe flimmern: Hillberg verteidigt das Direktmandat für ihre Partei, die SPD hat zum dritten Mal in Folge bei der Landtagswahl in Hildesheim die Nase vorn – auch diesmal wieder mit deutlichem Abstand vor der CDU.
Am Ende liegt Hillberg 3,7 Prozentpunkte vor CDU-Bewerber
Knapp vier Prozentpunkte werden es am Ende sein. Das sind zwar weniger als vor fünf Jahren, aber deutlich mehr als 2013, als Hillbergs Parteifreund Bernd Lynack den Christdemokraten mit 334 Stimmen Vorsprung erstmals nach 15 Jahren das Landtagsmandat abgenommen hatte. „Diesmal wird es nicht eng“, versichert Lynack, seit Herbst 2021 Landrat, am Samstagmittag Ministerpräsident Stephan Weil, als der zum Wahlkampffinale in der Fußgängerzone vorbeischaut. „Na logisch“, erwidert Weil. Und verteilte weiter mit Hilberg Rosen.
Tatsächlich zweifelt auch am Sonntagabend in der Kulturfabrik niemand in der Hildesheimer SPD daran, dass Hillberg das Direktmandat gewinnt. Parteichef Pascal Kubat glaubt an einen eindeutigen Sieg, auch sein Vertreter Björn Siegel geht von einem solchen aus. Vielleicht ist diese Zuversicht der Grund, warum die Wahlparty der SPD ihrem Namen zunächst nicht gerecht wird, kaum Spannung aufkommt. „Schlappe Stimmung“ wundert sich Burkkard Aickele, der die vorangegangenen zwei Landtagswahlkämpfe für die Sozialdemokraten mit organisiert hatte und diesmal nur als Zuschauer dabei ist. SPD-Ratsfrau Carina Goertz prophezeit: „Wenn das Ergebnis klar ist, wird hier kräftig gefeiert.“
SPD-Wahlsiegerin zeigt sich dankbar und demütig
Antonia Hillberg selbst ist zurückhaltend – auch dann noch, als Prognose und erste Hochrechnung auf Landeseben einen klaren Vorsprung der SPD gegenüber der CDU zeigen, die ersten Ergebnisse aus den Hildesheimer Wahllokalen diesen Abstand spiegeln. „Ja, die Zahlen machen ein gutes Gefühl für die nächsten zwei Stunden“, sagt Hillberg. „Aber mehr noch nicht.“
Doch als dann 80 der 98 Wahlkreise ausgezählt sind, ist auch die 24-Jährige sicher, dass CDU-Bewerber Matthias König sie nicht mehr einholt. Ergreift ein Mikro. Und verkündet: „Das ist unser gemeinsamer Sieg, das war unser gemeinsames Projekt – ich habe nur mein Bild auf die Plakate drucken lassen“, ruft sie den etwa 60 Menschen in der Kneipe zu, bedankt sich bei ihren Wahlhelfern – und speziell bei den etwa zwölf Jusos im Raum, „ihr seid immer noch meine politische Heimat“. Hillberg war Kreisvorsitzende der SPD-Nachwuchsorganisation, bis vor einigen Monaten wirkte sie als Sprecherin des Juso-Bezirksverbandes. In ihrer Dankesrede zeigt sich Hillberg, die sonst schon mal hin und wieder flapsig auftritt, dankbar und demütig, spricht von „der ganz besonderen Verantwortung“, die mit dem Mandat und dem Regierungsauftrag an die SPD einhergeht. „Einer Verantwortung, der ich gerecht werden will.“ Doch nun gehe es erst einmal darum, zu feiern, „uns und die nächsten fünf Jahre mit einer SPD-Landesregierung.“ Und dann wird aus dem Treffen in der Kulturfabrik doch noch eine Party.
