Verkehr

Im Ernstfall wird es eng: Hildesheimer Feuerwehr klagt über zugeparkte Straßen

Hildesheim - Die Berufsfeuerwehr ärgert sich immer häufiger über falsch oder schlecht geparkte Autos. Ihre Auszubildenden lernen das Problem früh kennen.

Hildesheim - Die Hildesheimer Berufsfeuerwehr hat immer mehr Probleme, durch die Stadt zu kommen, weil parkende Autos die Straßen blockieren.

Das Problem beschäftigt Thorsten Beckers tagtäglich, denn er ist nicht nur Feuerwehrmann, sondern auch Fahrlehrer. In der Hildesheimer Berufsfeuerwehr bereitet er den Nachwuchs darauf vor, die tonnenschweren Einsatzfahrzeuge durch das Stadtgebiet zu steuern. Zwei Auszubildende bereiten sich aktuell auf die Prüfung vor. Einer von ihnen ist Niklas Möckel, der seit Ende April hinter dem Steuer sitzt – vor der Ausbildung hat er aber schon einmal beim Roten Kreuz gearbeitet und ist deren Rettungswagen gefahren, sagt er. „Ich wurde darum nicht ganz so sehr ins kalte Wasser geworfen.“

Man muss es können, wenn man da raus fährt

Thorsten Beckers, Feuerwehrmann und Fahrlehrer

Die Feuerwehr lässt ihren Nachwuchs so häufig üben, wie möglich, sagt Beckers. „Bei einem normalen Führerschein heißt es nach der Prüfung oft: ’Den Rest lernst du da draußen’. Nicht aber bei uns. Man muss es können, wenn man da raus fährt.“ Denn wenn der Gong läutet und die Feuerwehrmänner und -frauen mit den Wagen zum Einsatzort rasen, kann jede Minute lebensentscheidend sein. Der Feuerwehr ist es darum wichtig, sagt Beckers, dass der Nachwuchs auch in sehr stressigen Situationen einen kühlen Kopf behält. Zum Beispiel, wenn es dunkel ist. Oder eben weil der Weg zum Brand wegen parkenden Autos sehr schmal oder sogar verstopft ist. Beckers lässt seine Fahrschüler solche Orte darum gezielt ansteuern: „Es ist Teil des Trainings, sehr viele Engstellen zu fahren.“

Häufiges Ziel der Fahrstunden ist die Ottostraße in der Nordstadt. Denn die ist typisch für viele Straßen in ganz Hildesheim, sagt Beckers: „Probleme gibt es fast immer, wenn man von den Haupt- in die Nebenstraßen fährt.“ Und tatsächlich ist bei einer Probefahrt am Montagmittag kaum Platz zum Manövrieren. Fast alle Parkplätze sind besetzt, die Autos stehen dicht hintereinander. Fahrschüler Möckel steuert das Feuerwehrfahrzeug vorsichtig durch die Straße, doch auf halber Strecke ist Endstation – eines der geparkten Autos ragt leicht aus der Reihe auf die Fahrbahn. Es sind nur ein paar Zentimeter, die Möckel fehlen, aber sie reichen. Fährt er weiter, schrammt er das Auto. Also Kommando zurück: Beckers springt aus dem Wagen und dirigiert seinen Fahrschüler rückwärts aus der Straße – bis Möckel wieder Platz hat, um in die Hagemannstraße auszuweichen, ziehen mehr als fünf Minuten ins Land. Unverzichtbare Zeit im Ernstfall.

Problem wird seit Jahren schlimmer

Die Feuerwehr sorgt sich darum sehr um die Situation auf den Straßen. Zwar gab es schon immer Nadelöhre in der Stadt, sagt Beckers – in den letzten Jahren sieht er aber immer häufiger, dass Autos schlecht oder auch falsch geparkt sind und so zum Problem werden. „Die Leute denken da einfach nicht dran“, ärgert er sich. „Wenn sie ihr Auto vor der Tür abstellen wollen und jeder Meter zu lang ist, dann vergessen sie jede Regel.“ Wenn zum Beispiel auf beiden Seiten der Straße geparkt werden darf, dann müssen zwischen den Autos mindestens drei Meter Fahrbahn frei sein, damit auch große Rettungsfahrzeuge durchpassen. Und das Parken direkt in den Einmündungen von Straßen ist verboten, mahnt Beckers.

Wenn die Drehleiter nicht vor’s Haus kommt, ist es vorbei

Thorsten Beckers

Um einen Brand schnell zu löschen, legen die Einsatzkräfte die letzten Meter vom Wagen zum Feuer notfalls zu Fuß zurück, sagt Beckers. Aber um Personen aus den oberen Stockwerken zu retten, braucht es eine Drehleiter. Und damit die Feuerwehr die einsetzen kann, muss der Wagen zwingend Platz haben, um direkt vor dem brennenden Gebäude zu halten. „Wenn die Drehleiter nicht vor’s Haus kommt, ist es vorbei“, sagt Beckers. Er wünscht sich darum, dass die Hildesheimer Autofahrerinnen und Autofahrer wieder mehr darauf achten, ihre Wagen richtig zu parken – und dass sie ausreichend Platz für Rettungsfahrzeuge lassen.

Im Notfall nimmt die Feuerwehr keine Rücksicht auf Schäden

Das wünscht sich auch Möckel, der im Fahrtraining zwar schon mehrere enge Stellen kennengelernt hat, bei der Probefahrt am Montag aber zum ersten Mal den Rückwärtsgang einlegen musste. „Das war ja jetzt kein Ernstfall“, sagt er, „aber wenn es mal buchstäblich brenzlig wird und dann ist es so eng, dann steht man da.“ Wenn auch nicht in jedem Fall, sagt Beckers – wenn die Flammen schon aus dem Fenster ragen, dann sei ein Außenspiegel auch kein Hindernis mehr: „Dann geben wir Gas und fahren durch.“

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