Behinderungen

Zugeparkte Straßen und Wege: Ein wachsendes Problem in Hildesheim – nicht nur für Rettungskräfte

Hildesheim - Zugeparkte Einfahrten oder Wege – es gibt vieles, was den schnellen Einsatz der Helfer gefährden kann. Aber auch andere sind betroffen. Welche Probleme es gibt.

Zugeparkte oder enge Verkehrssituationen erschweren vor allem Rettungswagen den Einsatz. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Baustellen behindern die Arbeit der Rettungskräfte in Hildesheim zunehmend. Aber nicht, weil gebaut wird, sondern weil Anlieger im Umfeld der Baustelle oft wild parken und so wichtige Wege zustellen oder es den Fahrern vor allem größerer Einsatzfahrzeuge schwer bis unmöglich machen, den Zielort zu erreichen.

So wie derzeit zum Beispiel in Drispenstedt im Bereich der Jordanstraße. Die ist seit Mitte Februar wegen Bauarbeiten gesperrt. Der Verkehr wird über die Hermann-Seeland-Straße umgeleitet, läuft über den Panoramaweg und eine provisorische Straße von hinten in die Jordanstraße. Für Jörg Engel, dessen Mutter in der Ecke wohnt, ein Risiko. „Hier ist alles zugeparkt“, teilt er der HAZ mit. Keine Chance für Rettungswagen oder Feuerwehr, aber auch zum Beispiel für die Pflegedienste und Krankentransporte, ist er sicher. Deswegen hat er auch die Polizei informiert.

Keine Chance für große Fahrzeuge

Doch die ist nicht direkt zuständig. Bei parkenden Autos handelt es sich um den „ruhenden Verkehr“, deswegen hat der Ordnungsdienst der Stadt Hildesheim den Bereich im Visier, teilt Stadtpressesprecher Helge Miethe auf Anfrage der HAZ mit. Hier werde fast täglich kontrolliert, ob die Wege passierbar bleiben.

Jan Makowski ist Sprecher der Polizeiinspektion Hildesheim und teilt mit, dass es seitens der Polizei keine Probleme gibt. Deren Einsatzkräfte können im Notfall auch flexibel reagieren. Aber auch, wenn die Polizei eigentlich nicht direkt für den Parkverkehr zuständig ist, nimmt sie jederzeit Meldungen wie aus Drispenstedt entgegen. „Wir leiten das weiter oder stimmen mit dem Ordnungsamt Maßnahmen ab.“ Was viele Bürger dann in der Regel nicht mitbekommen.

Ordnungsdienst auf Kontrollgang

Allein in der Innenstadt haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Stadtordnungsdienst viele Bereiche oder ganze Straßenzüge, die sie im Blick behalten, um auf Verkehrsprobleme zu achten, teilt Miethe mit. Wie zum Beispiel rund um den Universitäts-Campus auf der Marienburger Höhe, wo sich vor allem Anlieger über zugeparkte Wege ärgern. Ähnliche Probleme gibt es aber auch in anderen Stadtteilen.

Werden der Stadt Probleme gemeldet, richtet sie temporäre Schwerpunktkontrollen ein. Doch auch das sei immer davon abhängig, wie das Personal verfügbar ist. Ein Schwerpunkt in jüngster Zeit war auch in der Elzer Straße, die seit Jahren zur Baustelle wurde und wo es vor allem für Rettungsfahrzeuge oft schwierig war, durchzukommen.

Engstellen für Rettungswagen

Das generelle Problem bestätigt auch Heiko Pfänder, Chef der Berufsfeuerwehr Hildesheim. „Das Thema bewegt uns gerade in jüngster Zeit sehr.“ Deswegen würde mit den neuen Auszubildenden bei der Führerscheinprüfung verstärkt trainiert, wie man mit schwierigen Situationen bei Einsätzen umgehen kann.

Einsatzleiter der Feuerwehr ist Markus Illemann. Er kennt viele neuralgische Punkte, bei denen schon im Vorfeld klar ist, dass es heikel werden kann bei einem Einsatz: „Wir kennen schon die Bereiche, in denen Anwohner die Wege so zuparken, dass unsere großen Fahrzeuge wie die Drehleiter keine Chance haben, durchzukommen.“ Das sei vor allem im Stadtteil Moritzberg so, dessen Straßen an sich schon sehr schmal sind.

Probleme auch für den ZAH

„Wir appellieren immer wieder an die Autofahrer, die Wege freizuhalten, die wir brauchen, um auch sie oder ihre Wohnungen zu retten“, sagt Illemann. Aber die Einsicht endet oft genug beim Aussteigen aus dem eigenen Auto. Und falls es tatsächlich zu einem Einsatz kommt, käme sie dann längst zu spät.

Aber auch ein anderes hiesiges Unternehmen kennt das Problem zugeparkter Wege zur Genüge: der ZAH. „Wir werden von der Stadt immer informiert, wo neue Baustellen sind, sagt der stellvertretende Verbandschef Stefan Grampe. Dann erfolgen mit den Baufirmen vor Ort Absprachen, dass die Bauleute es vor Ort organisieren, die Mülltonnen für die Abfuhr an geeigneten Stellen zu positionieren. Trotzdem gibt es immer wieder Situationen, in denen die großen Müllwagen nicht nahe genug an die Tonnen herankommen. Vor allem auch an die großen Behälter.

Wenn Tonnen nicht geleert werden

„Wir haben zwar die Pflicht, den Abfuhrort nur einmal anzufahren. Unsere Leute kehren aber trotzdem in der Regel noch einmal zurück, in der Hoffnung, dass die Zufahrt dann wieder frei ist.“ Klassiker sei der Anruf eines Kunden, dass die Tonne nicht geleert wurde. Die Müllwerker können zwar belegen, dass sie nicht herangekommen sind, aber wenn der Anruf dann später erfolgt, ist meistens die Straße wieder frei. Die Tour aber ist längst abgeschlossen.

Dann ist aber zumindest rechtlich klar, wer sich um den Müll kümmern muss oder müsste: der Verursacher. Doch der ist dann wahrscheinlich längst über alle Berge. „Das ist ein leidiges Thema“, sagt Grampe. Deswegen strebe der ZAH an, enger mit dem Ordnungsdienst der Stadt zu kooperieren, um in solchen Fällen schnell handeln zu können – und sei es wegen Bußgeldern.

Telefon des Ordnungsamtes

Während der allgemeinen Öffnungszeiten ist der Stadtordnungsdienst der Stadt Hildesheim unter der Rufnummer 301-3145 erreichbar.

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