Flüchtlingswelle

Immer mehr ukrainische Flüchtlinge im Kreis Hildesheim arbeiten

Kreis Hildesheim - Trendwende im Dezember: Obwohl immer mehr Ukrainer im Landkreis Hildesheim wohnen, geht die Zahl der Arbeitslosen unter ihnen zurück. Daten und Erklärungen.

Die Agentur für Arbeit in Hildesheim verzeichnete einen Rückgang bei der Zahl der Arbeitslosen unter den ukrainischen Flüchtlingen. Foto: Julia Moras (Archiv)

Kreis Hildesheim - Immer mehr Flüchtlinge aus der Ukraine im Landkreis Hildesheim finden offenbar Arbeit. Das geht aus aktuellen Daten der Agentur für Arbeit hervor. Im Dezember verabschiedeten sich erstmals mehr Ukrainerinnen und Ukrainer aus der Arbeitslosigkeit, als neu arbeitslos wurden – obwohl der durch den anhaltenden Zuzug die absolute Anzahl von ukrainischen Flüchtlingen weiter stieg.

Zahl stieg bis November

Die Statistik der Behörde weist für Dezember 173 Ukrainerinnen und Ukrainer als „Abgänge aus der Arbeitslosigkeit“ aus, wie es im Amtsdeutsch heißt. Gleichzeitig meldeten sich aber nur 120 ukrainische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger neu arbeitslos. Nach Einschätzung der Arbeitsagentur ist nicht in allen Fällen sicher, dass die sogenanntem „Abgänge“ auch tatsächlich Jobs gefunden haben wie zum Beispiel Stefan Weiss in Harsum – sie könnten auch in ein anderes Land gezogen oder in ihre Heimat zurückgekehrt sein. Solche Fälle gibt es gerade im Winter allerdings kaum.

Im Juni waren die ukrainischen Flüchtlinge in die Zuständigkeit des Jobcenters gewechselt, seither werden sie, wenn sie keine Beschäftigung haben und sich behördlich haben registrieren lassen, offiziell als arbeitslos geführt. Seither war die Zahl der hiervon Betroffenen von Monat zu Monat gestiegen. Im Dezember ging sie nun aber deutlich zurück, die Zahl der arbeitslos gemeldeten ukrainischen Flüchtlinge sank dabei noch unter den Wert vom September.

Frauen in der Mehrheit

Erstmals sind damit auch weniger als 50 Prozent der bei der Arbeitsagentur als erwerbsfähig registrierten Ukrainerinnen und Ukrainer arbeitslos gemeldet. „Arbeitsuchend“ sind der Statistik zufolge allerdings deutlich mehr von ihnen – dazu zählen auch Menschen, die bereits einen Job haben, aber einen anderen suchen.

Auffällig: Noch immer sind die deutliche Mehrheit der ukrainischen Flüchtlinge Frauen. Ihr Anteil an den Arbeitslosen unter ihnen sank von Juni bis Dezember von gut 80 Prozent auf etwa zwei Drittel – was dafür spricht, dass im Herbst mehr Männer im erwerbsfähigen Alter aus der Ukraine nach Deutschland gekommen sind als in den Monaten zuvor.

Verschiedene Faktoren

Ein Faktor dabei: Viele ukrainische Familien hatten sich zunächst aufgeteilt. Die Männer blieben mitunter auch dann in der Ukraine, wenn sie das Land durchaus hätten verlassen dürfen. Doch angesichts der Tatsache, das der Krieg viel länge dauert als von vielen ursprünglich erwartet, und angesichts der massiven Raketenangriffe Russlands auf die ukrainische Infrastruktur verlassen wieder mehr Menschen das Land.

Dass mehr Ukrainer in Deutschland eine Arbeit aufnehmen, dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass immer mehr von ihnen Sprachkurse absolviert haben und zudem durch den längeren Aufenthalt immer besser Deutsch sprechen. Ein weiterer Faktor ist, dass sie länger bleiben als ursprünglich geplant – unmittelbar nach Beginn des Kriegs hatten sich viele gar nicht um Sprachkurse oder Jobs bemüht, da sie nach einigen Wochen in die Heimat zurückkehren wollten. Von diesem Vorhaben haben sich die meisten längst verabschiedet. Und schließlich besuchen immer mehr ukrainische Kinder Kitas und Schulen in Deutschland – und ihre Mütter können inzwischen zumindest in Teilzeit arbeiten.

Mitte November hatten bundesweit gut 50.000 ukrainische Flüchtlinge einen Stelle angetreten, weitere 17.000 fanden immerhin eine geringfügige Beschäftigung. Rund 96.000 ukrainische Flüchtlinge besuchten zu jenem Zeitpunkt Sprach- und Integrationskurse.

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