Verschmutzte Wertstoffinseln

Immer wieder verdreckte Containerplätze in Hildesheim – woran liegt es und was kann man tun?

Hildesheim - Glasscherben, kaputte Möbel oder von Ratten aufgefressene Müllsäcke – solche Anblicke sind ausgerechnet an Sammelstellen für Altglas und Papier keine Seltenheit in Hildesheim. Ursachen und Lösungsansätze.

Immer wieder wird in Hildesheim Müll an den Wertstoffcontainern entsorgt, der dort gar nicht hingehört. Hier Frankenstraße Ecke Zeppelinstrße, neben dem Bahnübergang. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Glasscherben, kaputte Möbel oder von Ratten angefressene Müllsäcke – solche Anblicke sind ausgerechnet an manchen Sammelstellen für Altglas und Papier keine Seltenheit in Hildesheim. Wertstoffinseln werden diese Standplätze auch genannt. Allein in Hildesheim gibt es davon 92 Stück, im gesamten Landkreisgebiet sind es 278. Zuständig für die Wertstoffinseln in Hildesheim und Region ist der Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim (ZAH).

Geschäftsführer Jens Krüger sagt, in Hildesheim gebe es vier Standplätze, die als sehr problematisch anzusehen seien. Darunter fallen die Wertstoffinseln an der Rudolf-Diesel-Straße, an der Zeppelinstraße, am Ende der Ehrlicher Straße sowie am Bischofskamp. „Der an der Zeppelinstraße ist immer eine Katastrophe“, sagt Krüger. „Da gibt es auch immer wieder Rattenprobleme, weil da organische Lebensmittel mit abgeladen werden.“

Mehr Müll in sozial schwächeren Vierteln?

Die Zeppelin-Wertstoffinsel liegt am Rande der Oststadt, insgesamt zwei von vier Probleminseln befinden sich indes in der Nordstadt. Jedoch wäre es zu einfach, die Vermüllung nur auf bestimmte Wohngebiete herunterzubrechen, sagt Krüger.

Sicherlich seien Problemzonen in sozial schwächeren Wohnbereichen vermehrt festzustellen. Aber: „Generell stellen der ZAH und die Stadt fest, dass Abfälle teilweise willkürlich irgendwo entsorgt werden.“

Problem ist in der Nordstadt schon lange bekannt

Ekkehard Domning, Ortsbürgermeister der Nordstadt kennt das Problem. Im Ortsrat sei es schon vielfach diskutiert worden. „Ich sehe das schon so, dass es tatsächlich eine Korrelation gibt zwischen dem sozialen Gefüge einer Gesellschaft in einer bestimmten Örtlichkeit und dem Umgang mit dem Müll“, sagt der Grünenpolitiker. „Leute, die materiell besser ausgestattet sind, können ihren Sperrmüll auf den Anhänger schmeißen und ihn zur Deponie fahren.“ Andere könnten das nicht, betont er.

2019, als der Stadtrat ein stadtteilübergreifendes Müllkonzept verabschiedet hat, hatten sich Domnig und weitere Politiker dafür eingesetzt, in dessen Rahmen auch die sozialen Ursachen für den unterschiedlichen Umgang mit Müll zu analysieren. „Dieser Aspekt ist dann leider rausgefallen.“ Eine Theorie hat der Ortsbürgermeister dennoch: „Menschen in prekären Lebenssituationen haben so viele Probleme vor der Brust, dass ihnen der Müll nicht mehr wichtig ist.“

Das ist die aktuelle Strategie des Ortsrates

Die aktuelle Strategie in der Nordstadt laute jetzt: „Jede Müllansammlung sofort melden und weg!“ Besonders effizient gehe das mit der ZAH-App. „Damit kann man ein Foto machen und es hochladen, mit der GPS-Funktion vom Handy wird der Standort ermittelt und innerhalb von ein paar Stunden ist der Müll weg.“

Für eine entsprechende Aufklärungsarbeit sorge unterdessen die ZAH-Mitarbeiterin Katja Matzke, betont Domning. Seit 2021 ist sie in der Nordstadt unterwegs, um Menschen zu vermitteln, wie Abfall richtig entsorgt wird.

Sperrmüll kostenlos abholen lassen

Immerhin zweimal jährlich können Hildesheimer und Hildesheimerinnen ihren Sperrmüll vom ZAH vor der eigenen Haustür abholen lassen. Die Menge der zu entsorgenden Güter ist dabei zwar auf drei Kubikmeter begrenzt. Sperrmüll könne aber zusätzlich auf den Wertstoffhöfen des ZAH und an der Zentraldeponie in Heinde mengenbegrenzt ebenfalls kostenfrei abgegeben werden.

Warum trotzdem immer wieder Unrat auf illegale Weise entsorgt wird, kann Verbandsgeschäftsführer Krüger nicht abschließend erklären. „Wenn man das wüsste, wäre es einfach abzustellen“, sagt er. „Sicherlich liegt es auch an der Bequemlichkeit der Bürger, Abfälle dem Stoffstrom entsprechend sortiert zu entsorgen.“

Wie ließe sich die Situation verbessern?

Aber wie ließe sich die Situation verbessern? Wäre es an der Stadt, mehr Mülltonnen aufzustellen? „Mehr Mülltonnen heißt noch lange nicht, dass der Bürger dann den Abfall zielgerichtet dorthin bringt. Er muss es wollen“, betont Krüger.

Ein Mittel, die Motivation dahingehend zu steigern, wären womöglich Bußgelder. Solche kann das Ordnungsamt im Fall einer illegalen Müllentsorgung verhängen. „Dafür muss aber erst der Verursacher festgestellt werden“, weiß Krüger.

Im vergangenen Jahr sind in Hildesheim nur 51 Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Kreislaufwirtschaftsgesetz bearbeitet worden, teilt Stadtsprecherin Jasmin Weprik mit. In 33 Fällen sind deshalb Bußgelder verhängt worden. Der Stadtordnungsdienst (StOD) sei im Jahr 2022 insgesamt 630 Hinweisen auf Abfallablagerungen nachgegangen. „Leider kann in der Regel ein Verursacher nicht mehr ermittelt werden.“

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