Emmerke - Der Landkreis Hildesheim sucht weiter nach Standorten, um geflüchtete Menschen in der Region unterzubringen. In den Fokus rückte dabei im vergangenen Frühjahr auch das Gewerbegebiet West in Emmerke. Laut Informationen der HAZ wurde geprüft, ob auf einem Industrie-Gelände eine Unterkunft mit Containern für 120 Menschen entstehen könnte. Dies ist vom Tisch. Wenn Standorte nicht realisiert würden, sei dies durch Rahmenbedingungen begründet, teilte der Kreis auf HAZ-Nachfrage mit.
Bürger und gewerbliche Anlieger hatten an der Idee, an diesem Ort Menschen in Containern unterzubringen, teils heftige Kritik geübt. Nach Bekanntwerden der ersten Gespräche mit dem Kreis gab es dem Eigentümer der Industriehallen André Seidler zufolge Proteste von gewerblichen Anliegern. Auch nach aufklärenden Gesprächen mit den Anliegern ebbten die Proteste nicht ab.
Gewerbe statt Notunterkunft
Daraufhin ist laut Seidler die einvernehmliche Entscheidung zwischen seiner AS Holding GmbH und dem Landkreis Hildesheim getroffen worden, die Bemühungen, den Standort Industriestraße 1 in Emmerke als Notunterkunft zu entwickeln, nicht fortzuführen.
Architekt Seidler will die Hallen und das Gelände nun für andere Zwecke vermieten. Dabei denkt er an verschiedene Unternehmen, die sich dort ansiedeln könnten. Seidler beabsichtigt, die Gebäude gewerblich wieder nutzbar zu machen.
Und wo sollen die Menschen nun hin?
Zu den Akten gelegt ist also die Idee, auf Seidlers Areal Geflüchtete einzuquartieren. Und wo sollen die für Emmerke vorgesehenen Menschen künftig hin? Dazu äußerte sich der Landkreis ausweichend. „Sobald ein zusätzlicher Standort zu den bereits bestehenden Liegenschaften konkret ist, werden wir – wie bereits in der Vergangenheit auch – proaktiv die Öffentlichkeit informieren“, so Sprecherin Birgit Wilken auf HAZ-Anfrage.
Der Kreis bitte zudem um Verständnis, weitere Optionen für die Unterbringung von Geflüchteten nicht öffentlich diskutieren zu wollen. Damit beuge er einer Debatte über Standorte vor, „die aufgrund der Rahmenbedingungen vielleicht gar nicht realisiert werden können.“
„Wir nehmen Bedenken von Einwohnern oder Anliegern immer ernst“
Mit Blick auf die Kritik und Proteste von Bürgern der Gemeinde Giesen hob der Kreis hervor, „Bedenken von Einwohnern oder Anliegern immer ernst zu nehmen und für eine transparente Information zu stehen.“ Einwohnerfragestunden in Ummeln, Lamspringe oder Gronau hätten dies gezeigt. „Dort konnten Vorbehalte überwiegend ausgeräumt werden.“
Etliche Bürger aus Emmerke dagegen hatten Bedenken zum Ausdruck gebracht, dass Flüchtlinge in dem Gewerbegebiet keine Freizeitmöglichkeiten hätten. Zudem könnten sie in dem Gewerbegebiet auch nicht einkaufen, so einer der Kommentare in einer Facebook-Gruppe. Manche hielten es überdies für keine gute Lösung, Menschen in Containern unterzubringen.
Stadt und Kreis Hildesheim müssen im Zeitraum von April bis September etwas weniger Flüchtlinge unterbringen, als im vorangegangenen halben Jahr. Das geht aus einer Sechs-Monats-Quote hervor. Demnach rechnet die Landesregierung bis September mit rund 21.000 Schutzsuchenden im ganzen Land. Diese werden nach Bevölkerungszahl und bestehenden Belastungen auf Städte und Kreise in Niedersachsen verteilt. Im vorangegangenen Halbjahreszeitraum bis Ende März 2024 mussten Stadt und Landkreis Hildesheim 1174 Geflüchtete unterbringen. Die derzeitige Quote bis einschließlich September beträgt 913 Personen. Eine neue Quote liegt laut Stadt frühenstens Mitte September vor.
200 von den 913 Menschen muss die Stadt Hildesheim einquartieren. Sie hat Stand jetzt insgesamt 1.246 Flüchtlinge im Stadtgebiet untergebracht, davon 207 ukrainische Flüchtlinge. In diesen Zahlen sind Menschen enthalten, die schon vor März in Hildesheim lebten. Im Landkreis leben aktuell 651 geflüchtete Menschen in Großunterkünften. Gegenwärtig werden dem Kreis zehn Personen pro Woche über die Landesaufnahmebehörde zugewiesen.
Für den Eigentümer der Emmerker Industriehallen ist das Thema Flüchtlinge mithin erledigt. Er ist nach eigenen Angaben nun dabei, die seit gut einem Jahr leer stehenden Hallen zu beleben. „Nun startet die Vermarktung des Objekts“, so Seidler, dessen AS Hildesheim Holding GmbH das 10.800 Quadratmeter große Gelände mit vier Hallen für einen einstelligen Millionenbetrag gekauft hatte. Zuvor hatte dort ein US-Unternehmen Kunststoffteile für die Automobilindustrie hergestellt.
Seidlers Ziel ist, in Emmerke einen Produktionsbetrieb, einen Logistiker – also ein größeres Fuhrunternehmen –oder eine Werkstatt für Maschinen anzusiedeln. Es gebe Gespräche mit Interessenten, berichtet Seidler. „Es wäre sehr gut, wenn hier wie früher 100 Menschen arbeiten würden.“
Gelände sehr gut angebunden
Zur Verfügung stehen dem künftigen Mieter 4000 Quadratmeter Nutzfläche sowie 52 Auto-Stellplätze und große Pflasterflächen für Lastwagen-Verkehr. „Das Gelände ist sehr gut an den Verkehr angebunden“, wirbt Seidler.
Das sieht der Emmerker Ortsbürgermeister Josef Theodor Möller (CDU) genauso. „Die B1 und der Bahnhof sind nah.“ Es wäre „hervorragend“, wenn im Gewerbegebiet West neue Arbeitsplätze für Menschen aus Emmerke und der Umgebung entstehen würden, so Möller weiter. „Einen Produktionsbetrieb an diesem Ort habe ich immer favorisiert.“
Der Giesener Gemeinde-Bürgermeister Frank Jürges (CDU) wollte sich zu den Plänen Seidlers bislang nicht äußern. Zudem zeigte er sich erstaunt darüber, vom Kreis noch keine Informationen darüber erhalten zu haben, dass für diesen das Emmerker Gewerbegebiet zumindest gegenwärtig nicht mehr als Standort für die Unterbringung von Flüchtlingen infrage kommt.

