Football

Invaders verlieren Großteil der Spieler – und melden sich für die 2. Liga

Hildesheim/Hannover - Football-Investor Frank Meyer macht in Hannover ernst – und die Hildesheimer Footballer stehen vor großen Problemen. Aber es gibt auch gute Nachrichten.

Die Hildesheim Invaders haben kaum noch Spieler - viele wandern in die neue Euro League ab. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim/Hannover - Wenn die Footballer der Invaders Hildesheim das nächste mal vor Zuschauern auflaufen, werden die Fans ihre Mannschaft nicht wiedererkennen. Denn fast alle bisherigen Spieler wandern Richtung Hannover ab.

Dort stellt Frank Meyer, ehemaliger Geschäftsführer und Ex-Hauptsponsor der Invaders, wie berichtet ein eigenes Team auf die Beine, das dann in der neu gegründeten European League of Football (kurz ELF) mitmischt. Diese Truppe soll auf jeden Fall in der Landeshauptstadt spielen. Wo genau, ist noch unklar.

Ein Schlag ins Kontor

Die guten alten German Football League 1 und 2 (1. und 2. Bundesliga), die zum American Football-Verband Deutschland (AFVD) gehören, bleiben trotzdem weiterhin erhalten.

Meyers Aktion ist ein Schlag ins Kontor der Hildesheimer Footballer, denn die drohen nun auszubluten. Erwartungsgemäß wird ihr bisheriger Cheftrainer Shuan Fatah, der bei Meyers American Sport Sale and Management GmbH (ASSAM) angestellt ist, den Weg in die Europa-Liga nach Hannover mitgehen. Auch fast alle anderen Coaches, dazu der ganz große Teil der ersten Mannschaft sowie Footballer aus dem zweiten Team wandern in die ELF ab.

Das bestätigt der zweite Vorsitzende der Invaders, Johannes Krupp. Also müssen er und seine Vorstandskollegen jetzt irgendwie einen komplett neuen Kader zusammenbasteln.

Es fehlt die Erfahrung

Klar ist, dass die Hildesheimer nicht mehr in der GFL 1 auflaufen können. „Dafür fehlt uns nun die spielerische Erfahrung. Wir haben die Lizenz für die 2. Liga beantragt“, so Krupp. Allerdings wird es nicht einfach, diese Lizenz auch zu bekommen. Trotz der neugegründeten ELF bleiben die Strukturen in der GFL 1 und 2 und voraussichtlich alle etablierten Liga-Teams bestehen. Jedoch wird die spielerische Qualität der Partien leiden, da – wie in Hildesheim – deutschlandweit viele gute Sportler in die Euro-League abwandern dürften.

Aber kein Klub hat sich bisher aus Liga zwei abgemeldet. Ob es unter diesen Voraussetzungen für die Invaders überhaupt einen freien Platz in dieser Klasse gibt, ist unsicher. Gut möglich, dass sie 2021 in der Regionalliga starten müssen.

Sponsoren bleiben treu

Erfreulich aus Sicht der Hildesheimer Footballer: Viele lokale Sponsoren halten zu ihnen. Frank Meyer hatte die Geldgeber unlängst eingeladen, um sein neues Projekt zur präsentieren. Er musste aber feststellen, dass die Gönner seinen Weg nach Hannover nicht mitgehen und den Invaders treu bleiben wollen. Meyer muss sich nun andere Partner suchen.

Der Orthopädie-Unternehmer ist einer der Motoren der European League of Football. Vorher war er drei Jahre Geldgeber und Geschäftsführer des GFL-Teams der Invaders, bis er im September urplötzlich seinen Rückzug erklärte.

Patrick Esume ist an Bord

Die Köpfe der neuen Liga sind unter anderem der ehemalige Pro7-Geschäftsführer Zeljko Karajica, der als einer der Investoren auftritt, und Deutschlands prominentester Trainer Patrick Esume. Sie planen die komplett autarke Liga ohne Verbindung zum AFVD. Starten dürfen demnach nur Franchise-Teams nach Vorbild der US-amerikanischen National Football League. „Mir geht es darum, den Football in Deutschland auf das Niveau zu bringen, das er verdient“, meint Esume.

Auch ein TV-Vertrag mit der Pro7-Gruppe besteht bereits. Demnächst soll pro Spieltag eine Euro-League-Partie live übertragen werden. Außerdem gibt es in dieser Sendung auch Höhepunkte anderer Begegnungen zu sehen.

HDI-Arena ist richtig teuer

Indes sucht Meyers ASSAM GmbH einen Spielort für seine Euro-Mannschaft. Sicher ist bislang, dass sie künftig nicht in Hildesheim, sondern in Hannover auflaufen soll. Infrage kommen da die HDI-Arena oder das Eilenriede-Stadion.

Für die HDI-Arena würde pro Spieltag ein hoher fünfstelliger Betrag Miete anfallen. Viel Geld. Und es ist derzeit eher unwahrscheinlich, mit Football ein gut 50 000 Menschen fassendes Stadion auch nur annähernd zu füllen.

Etat von 750000 Euro

Laut Recherchen des RedaktionsNetzwerkes Deutschland (RND) verfüge Meyers neue Mannschaft über einen Gesamtetat von 750000 Euro – diese Summe muss jedes Franchise-Team angeblich mindestens aufbringen, um überhaupt in der ELF mitspielen zu können.

Analog zu den GFL-Regularien darf eine Mannschaft in der European League of Football vier US-Importspieler einsetzen. Sie gelten als Vollprofis. Dazu wird es einige europäische und deutsche Sportler geben, die der jeweilige Team-Vermarkter hauptberuflich anstellt. Der weitaus größte Teil des Kaders erhält nur eine Aufwandsentschädigung. Ziel ist es aber, mittelfristig nur noch auf Profis zu bauen.

Ein Team fehlt noch

Mindestens acht Teams sollen in der ELF mitmischen. Bislang gibt es erst sieben: Neben Meyers Truppe sind Hamburg, Frankfurt, Berlin, Ingolstadt, Stuttgart sowie die Wroclaw Panthers (Breslau) an Bord.

Die erste ELF-Saison soll von Juni bis September 2021 über die Bühne gehen – genau dann, wenn auch die German Football League spielt.

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