Millionen-Kredite nötig

Jetzt gilt’s: Politik entscheidet über größtes und teuerstes Bauprojekt der Stadt Hildesheim

Hildesheim - Am Berliner Kreisel soll in einem Gefahrenabwehrzentrum nicht nur die Hildesheimer Berufsfeuerwehr eine neue Zentrale bekommen – was das Konzept vorsieht, wie viel es kostet und wie die Zeitplan aussieht.

Wie vom Schnee extra markiert: Auf dem weiß gefärbten Areal am Berliner Kreisel soll das neue Gefahrenabwehrzentrum entstehen, die Fertigstellung ist frühestens für 2027 geplant. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Marode Gebäude und viel zu wenig Platz: Der schlechte Zustand der Zentrale der Hildesheimer Berufsfeuerwehr am Kennedydamm ist lange bekannt. Einig sind sich auch alle Beteiligten in der Stadtverwaltung und in der Politik, dass sich daran etwas ändern muss. Ein Neubau soll her, und zwar am Berliner Kreisel. Das Konzept sieht ein riesiges Gefahrenabwehrzentrum (GAZ) inklusive Leitstelle, Verwaltung, Werkstätten, Lagern und Ausbildungszentrum vor.

Ausschusssitzung am Montag – das letzte Wort hat der Rat

Nun stehen die entscheidenden Abstimmungen in den zuständigen Gremien an – es geht um nicht weniger als das wohl größte und teuerste Bauprojekt, das die Stadt Hildesheim in der jüngeren Geschichte auf den Weg gebracht hat. Der bisherige Kostenplan für den Komplex, der bis 2027 auf dem bereits geräumten früheren Kleingartengelände an der B1 entstehen soll, sieht Ausgaben von knapp 69 Millionen Euro vor.

Am kommenden Montag (17.30 Uhr, Ratssaal) befassen sich in einer gemeinsamen Sitzung zunächst die drei Ausschüsse für Stadtentwicklung, Feuerschutz und Finanzen sowie der Ortsrat Oststadt/Stadtfeld mit dem Vorschlag der Verwaltung, den Bau des GAZ auszuschreiben und dafür einen Generalunternehmer zu suchen. Das letzte Wort hat der Stadtrat am 13. Februar. In den öffentlich zugänglichen Unterlagen ist keine konkrete Investitionssumme genannt – aus „Gründen des Vergaberechts“, wie es aus dem Rathaus heißt –, die Kostenschätzungen liegen aber „innerhalb des vorgegebenen Finanzrahmens“ heißt es. Jener Rahmen ist im aktuellen Haushaltsplan fixiert: Demnach sind in den Jahren 2022 bis 2025 Planungskosten von 400.000, 690.000, 490.000 und 200.000 Euro vorgesehen, für den eigentlichen Bau dann ab 2025 rund 67 Millionen Euro. Für das Teilprojekt des Leitstellen-Neubaus erwartet die Stadt die „vorrangige“ Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Ob und in welcher Höhe sich auch der Landkreis an den Kosten finanziell beteiligt, der die Leitstelle gemeinsam mit der Stadt betreibt, ist noch unklar.

Ein Zeichen: Baudezernentin hat Vorlage selbst verfasst

Dass das Projekt im Rathaus hohe Priorität genießt, erkennt man schon daran, dass Baudezernentin Andrea Döring selbst die Beschlussvorlage verfasst hat, die der Politik vorgelegt werden soll. Üblicherweise überlässt Döring das Mitarbeitenden aus dem zuständigen Fachbereich.

Auf elf Seiten hat die Stadtbaurätin den Stand der Dinge zusammengefasst und argumentiert erneut klar dafür, das Gefahrenabwehrzentrum zeitlich und räumlich gesehen unbedingt als Gesamtkomplex zu bauen und nicht in voneinander getrennte Module zu zerlegen. Herzstück des GAZ ist die Wache der Berufsfeuerwehr, und um die herum sollten nach Bewertung der Verwaltung alle relevanten Einrichtungen vom Rettungsdienst bis zum Bereich Verwaltung/Schulung ebenfalls auf demselben Areal angesiedelt werden. Die Konzentration an einem Standort sei die wirtschaftlichste Lösung, die am wenigsten Personal binde. Um die vorgesehenen Werkstätten künftig wirtschaftlich effizienter zu betreiben, ist vorgesehen, dass künftig auch Fahrzeuge des Bauhofs gewartet und repariert werden – das geschieht bislang in einer externen Werkstatt.

Die Stadt muss neue Millionenkredite aufnehmen

Ebenfalls an den Berliner Kreisel umziehen soll die Ortsfeuerwehr Stadtmitte II, die aktuell auch am Kennedydamm untergebracht – wie die hauptberuflichen Retter nebenan ebenfalls unter räumlich arg beengten Bedingungen. Den Standort der Freiwilligen Helfer nicht zu ändern, wäre aus Sicht der Verwaltung die deutlich schlechtere Alternative: Dann müsste am Kennedydamm in einen Neubau investiert werden, der dann wiederum einem geplanten Grundstücksgeschäft im Weg stünde.

Denn die Stadt will das Areal des bisherigen Feuerwehrstammsitzes nach Inbetriebnahme des GAZ möglichst an Investoren verkaufen – auch, um die Investitionen am Kreisel zumindest in Teilen zu refinanzieren. Klar ist aber, das schreibt Dezernentin Andrea Döring auch so deutlich in die Beschlussvorlage: Die Stadt wird die Finanzierung des GAZ „zu sehr großen Teilen“ nur über die Aufnahme von Krediten finanzieren können.

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