Neue Pläne für den Standort

Kaufhof in Hannovers Altstadt wird abgerissen – und ist bereits geschlossen

Hannover - Das Ende der alten Galeria-Horten-Immobilie in Hannover ist besiegelt. Eigentümer Signa lässt das Gebäude noch in diesem Jahr abreißen. Für die Nachnutzung des riesigen Areals gibt es bereits intensive Gespräche.

Abriss noch 2023: Die Filiale von Galeria Kaufhof an der Marktkirche ist bereits seit Jahreswechsel geschlossen. Als Zwischennutzung soll es im Inneren Raum für Kultur geben. Foto: Christian Behrens

Hannover - Kein Umbau, sondern ein Neuanfang: Die langjährige Kaufhof-Immobilie am Altstadtrand mit der bekannten Horten-Fassade soll noch in diesem Jahr abgerissen werden. Das bestätigte Hauseigentümer Signa am Donnerstag dieser Zeitung. In dem großen Kaufhaus hatte der Verkauf eigentlich noch bis Ende Januar weiterlaufen sollen. Überraschend aber hat der Galeria-Konzern den Standort bereits zum Jahreswechsel aufgegeben.

Kaufhof Schmiedestraße: Sterben auf Raten mit vorschnellem Ende

Handwerker demontieren im Inneren die letzten Regale, Elektriker legen die Beleuchtung lahm, ständig transportieren Lkw weitere Einrichtungsgegenstände ab. Der Warenabverkauf in dem riesigen Kaufhaus zwischen Schmiede- und Osterstraße war so schnell gegangen, dass der Galeria-Konzern sich offenbar bereits im November entschieden hat, das Haus früher als geplant zu schließen. Immer wieder allerdings hatten Kundinnen und Kunden zuletzt auch berichtet, dass die Stimmung zunehmend gedrückt gewesen sei in den weitgehend leeren Etagen. Es war ein Sterben auf Raten, das jetzt ein vorschnelles Ende gefunden hat.

Mit dem Ende des Kaufhof-Hauses in der Altstadt haben die beiden 2019 fusionierten Handelsmarken Karstadt und Kaufhof (aktueller Name: Galeria) die Zahl ihrer Standorte in Hannover von zeitweilig sieben auf einen geschrumpft. Im großen ehemaligen Kaufhof-Flaggschiffgebäude am Hauptbahnhof laufen die Geschäfte weiter. Für das Haus gibt es keine Schließungspläne, es gilt als eines der ertrags- und publikumsreichsten in Norddeutschland.

Karstadt am Schillerdenkmal steht weiter leer

Für die meisten anderen Standorte, die seit Jahren geschlossen wurden, haben sich Nachnutzungen gefunden, vom einstigen Bettenhaus Schillerstraße bis zum Inscene-Haus Bahnhofstraße. Leer steht allerdings seit bald zweieinhalb Jahren das alte Karstadt-Hauptgebäude am Schillerdenkmal. Der Immobilieneigentümer Friedrich Knapp aus Braunschweig, dem Modekette New Yorker gehört, äußert sich nicht zu seinen Plänen für die Immobilie.

Beim jetzt frisch geschlossenen Kaufhof-Gebäude zwischen Schmiede- und Osterstraße aber soll es gar nicht erst zu solch einem für die Innenstadt schädlichen Dauer-Leerstand kommen. Sowohl die städtische Bauverwaltung als auch der Immobilieneigentümer, die österreichische Signa, bestätigen, dass man in sehr konstruktiven Gesprächen miteinander sei. Signa gehört dem Galeria-Haupteigentümer René Benko, kümmert sich aber ausschließlich um die Immobilien, nicht um das Handelsgeschäft. Und offenbar hat man Pläne in Hannover.

Signa will Großprojekt mit Wohnen, Gastronomie und Ateliers

Das Unternehmen werde „ein langfristig orientierter Bestandshalter“ bleiben, versprach am Donnerstag Signa-Sprecher Sebastian Schmidt. Geplant sei, ein „gemischt genutztes, nachhaltiges Gebäude mit modernen Arbeitswelten, öffentlichen Flächen, Wohnen, Hotel und Platz für besondere Manufakturen und kreative Nutzungen“ zu errichten. Das Spektrum der erhofften Mieter reiche von „Fine-Dining-Gastronomie“ und inhabergeführten Läden bis zu frischen Shop- und Handwerkskonzepten.

Zusätzlich seien Büroflächen, Künstlerateliers und Ausstellungsräume denkbar. Und dann heißt es: „Das Dach soll begrünt und öffentlich zugänglicher Freiraum werden.“ Ob es eine Brücken-Anbindung vom gegenüberliegenden, geplanten Gründach auf dem Parkhaus Schmiedestraße geben wird, scheint derzeit noch offen.

Abriss Ende 2023 – und Zwischennutzungen

Der Abriss soll im letzten Quartal 2023 starten. Er dürfte sich angesichts der Größe der Immobilie über etliche Monate hinziehen und für die benachbarten Einzelhandelsgeschäfte zur Belastung werden. Stadtsprecher Dennis Dix bestätigte die guten Gespräche. Möglicherweise muss der Rat nicht einmal den Bebauungsplan ändern für das Umnutzungskonzept, weil dieser genug Freiheiten lässt. Dann könnte auch die Neubebauung an dem Standort sehr schnell gehen.



Für die Zwischenzeit bis zum Abriss sei „eine attraktive kulturelle Zwischennutzung in Zusammenarbeit mit der Stadt Hannover“ angedacht, sagt Signa-Sprecher Schmidt. Es sieht also danach aus, dass die nahe Zukunft am Kaufhof-Standort nicht ganz so trostlos ist wie die jüngere Vergangenheit am Karstadt-Haus.

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