Hildesheim - Rückschlag für die insolvente Warenhaus-Kette Galeria Karstadt Kaufhof: Ein Unternehmen, das knapp 50 Filialen übernehmen wollte, hat sein Angebot zurückgezogen. Der Galeria-Gesamtbetriebsrat fürchtet indes, dass deutlich mehr Warenhäuser als bislang erwartet geschlossen werden – und dass in den verbliebenen Filialen noch einmal ein neuer Personalabbau droht. Das ist auch für die Filiale in der Hildesheimer Fußgängerzone keine gute Nachricht.
Der Onlinehändler Buero.de hatte offiziell sein Interesse an 47 der deutschlandweit 131 Galeria-Filialen bekundet, Hildesheim war allerdings nicht dabei. Nun will er aber doch nicht einsteigen – und begründet das mit neuen Erkenntnissen über die Zukunftspläne bei Galeria. Demnach sollen insgesamt 90 Filialen geschlossen oder abgegeben werden, wie aus einem internen Schreiben des Gesamtbetriebsrats hervorgeht.
Poker oder Ausstieg?
Buero.de erklärte daraufhin, unter diesen Bedingungen drohe ein noch stärkerer Weggang qualifizierten Personals bei Galeria – auf das man bei seinen Übernahmeplänen aber gesetzt habe. Ob das das letzte Wort von Buero.de-Chef Markus Schön ist, oder ob es darum geht, in einem möglichen Übernahmepoker die eigene Verhandlungsposition zu stärken, ist unklar.
Eine Aufgabe von 90 Filialen ginge jedenfalls deutlich über das hinaus, was bei Galeria bisher angekündigt wurde. In ersten Stellungnahmen nach dem Insolvenzantrag war davon die Rede, dass ein Drittel bis die Hälfte aller Warenhäuser aufgegeben werden müsse.
Signa ist Eigentümer
Doch das Betriebsrats-Schreiben geht noch weiter. Selbst in den Filialen, die erhalten bleiben sollen, drohe noch einmal ein Personalabbau um bis zu 30 Prozent. In Hildesheim, wo nach diversen Einsparungen bei der Belegschaft ohnehin schon weniger Kassen geöffnet sind und viele Kundinnen und Kunden eine deutliche Verschlechterung beim Service monieren, wäre ein solcher neuer Einschnitt indes nur schwer vorstellbar.
Was unterdessen weiterhin für Hildesheim spricht: Die Immobilie am Hohen Weg gehört wie Galeria Karstadt Kaufhof selbst letztlich der Signa-Holding von Galeria-Eigner René Benko, wenn auch über ein mehrstufiges Firmengeflecht. Fachleute sind der Meinung, dass Warenhäuser in den Gebäuden, in denen Benko auch von der Miete profitiert, grundsätzlich bessere Chancen haben als Filialen mit anderen Vermietern.
