Hildesheim - Das neue digitale Verkehrsleitsystem steht erneut in der Kritik. Anfangs hatten die Anzeigetafeln auf den Zufahrtstraßen zum Zentrum regelmäßig Staus gemeldet, die es gar nicht gab - die Verwaltung ließ die Anlage daraufhin neu justieren.
Nun tauchen auf den Displays deutlich seltener Hinweise auf, wenn überhaupt. Manche Bürger glauben daher, die Stadt habe das zwei Millionen Euro teure System komplett abgestellt. Doch das stimmt nicht, heißt es aus der Verwaltung. Die schließt allerdings weitere Überarbeitungen nicht aus, zudem bleiben manche Funktionen bis auf Weiteres stillgelegt.
Martin Eggers konnte es nicht glauben: Auf der Kaiserstraße stocke der Verkehr, doch die Anzeigetafeln auf den Zufahrtstraßen zeigten nichts an, wetterte der CDU-Ratsherr aus Himmelsthür jüngst im Ausschuss für Stadtentwicklung. „Läuft das System überhaupt noch?“, fragte der Christdemokrat.
Stadt widerspricht Politiker-Eindruck: „System läuft“
Das tue es, erwiderte ein Vertreter der Verwaltung. Gleichwohl blieben im Ausschuss Zweifel. Aber zu Unrecht, betont Bettina Beyer, die Stadt-Expertin für Verkehrstechnik, gegenüber der HAZ. Sie schaue sich das Programm, das die Anzeigen steuert, regelmäßig auf dem Computer an. „Es gibt immer wieder Stau-Hinweise auf den Tafeln“, versichert Beyer. Sie sehe solche auch, wenn sie selbst mit dem Auto in Richtung Innenstadt unterwegs sei. Dass es nun aber deutlich weniger Anzeigen als vorher gebe, sei gewollt.
Tatsächlich hatte die Verwaltung die Werte, bei denen das System einen „Stau“ feststellt, vor einigen Wochen gegenüber den ursprünglichen Vorgaben verändert. Denen lagen Erhebungen über die Verkehrsmengen und die Reisegeschwindigkeiten (wie schnell kommt man von Punkt A zu Punkt B) aus den Sommerferien zugrunde. Entsprechend häufig sprangen die Warnhinweise nach dem Schulstart an.
Nun liegen die Werte, bei denen das System reagiert, höher als zuvor – mit der Folge, dass weniger Staus angezeigt werden. Das muss allerdings nicht das letzte Wort sein, betont Beyer: „Wir schauen uns nochmal an, ob wir anpassen müssen.“ Die Verwaltung komme dazu aber frühestens im Januar; erst müsse die Umstellung auf die neuen Ampelschaltungen in der Innenstadt abgeschlossen sein. Zudem wolle man die Erkenntnisse aus der Weihnachtszeit einfließen lassen, weil dann besonders viel Verkehr herrsche.
Eine Funktion des Leitsystems lässt die Stadt gleichwohl weiter ungenutzt. So gehören zu der Anlage auch Sensoren, die die Stickstoffdioxidbelastung in der Kaiserstraße und in der Schuhstraße erfassen. Diese Komponente hatte sich allerdings gleich in zweifacher Hinsicht als tückisch erwiesen.
Bis auf Weiteres keine Hinweise auf zu schlechte Luft mehr
So leuchteten auf den Warntafeln bei der Überschreitung der ursprünglich festlegten Schwellenwerte Hinweise auf „Staus“ auf. Doch die gab es nicht, wohl aber eine zu schlechte Luft. Das soll auch künftig so deutlich aus den Anzeigen hervorgehen; den genauen Begriff dafür will die Stadt noch mit dem Land festlegen. Bis es so weit ist, bleibt die Luftbelastung bei dem System außen vor.
Doch wann ist die Luft überhaupt zu schlecht? Auch in diesem Punkt arbeitet die Verwaltung an einer Korrektur. Sie hatte ursprünglich Schwellenwerte festlegen lassen, die ebenfalls auf Daten aus der verkehrsarmen Zeit im Sommer basierten – mit der Folge, dass das Leitsystem nach den Ferien ständig Alarm schlug.
Künftig soll die Anlage eine Überlastung erst bei einem Anteil von 40 Milligramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft feststellen – das entspricht dem Grenzwert der Europäischen Union. Dessen Einhaltung wird auch vom Messcontainer des Gewerbeaufsichtsamtes (GAA) in der Schuhstraße überwacht. Die dort erhobenen Zahlen seien aber deutlich genauer, sagt Stadtmitarbeiterin Beyer. Sie hat daher mit dem GAA vereinbart, vorübergehend einen städtischen Sensor an dessen Messcontainer anzubringen, um die Abweichungen festzustellen. Erst wenn diese und der genaue Wortlaut künftiger Warnhinweise in Sachen Luftbelastung feststehen, will die Stadt diese Funktion wieder scharfschalten. Wann es dazu kommt? Da will sich Beyer angesichts der bisherigen Komplikationen nicht festlegen: „Ich kann das wirklich nicht sagen.“
