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Kein Geld für die Fahrrad-Inspektion? Mit dieser Checkliste können Sie einiges selbst prüfen

Hildesheim - Das Fahrrad zur Inspektion bringen? Nicht ganz billig. Wie Sie die Sicherheit Ihres Drahtesels selbst überprüfen können und wann Sie unbedingt in die Werkstatt sollten.

Jetzt ist eine gute Zeit, um das Fahrrad zur Inspektion zu bringen, sagen Zweiradmechaniker aus Hildesheim. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Fahrradexperten aus Hildesheim sind sich einig: Jetzt ist die beste Zeit, um das Fahrrad fit für den Frühling zu machen. Viele bringen dafür ihre Drahtesel zur Inspektion in eine Werkstatt. Je nachdem ob E-Bike oder „Bio-Bike“, wie manche das nicht motorisierte Fahrrad inzwischen nennen, kann eine Inspektion etwas zwischen 40 und 100 Euro kosten. Wenn Ersatzteile bestellet und montiert werden müssen, wird es oft teurer.

Vor dem Hintergrund der Inflation und gestiegener Energiepreise sieht es bei einigen Menschen derzeit finanziell eng aus. Was also tun, wenn man das Fahrrad bis zum Saisonauftakt im März wieder fit machen will, aber gerade kein Geld für einen Werkstattbesuch übrig hat? Die HAZ hat diese Frage auch Hans-Jürgen Pütz gestellt. Der Fahrsicherheitstrainer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Kreisverband Hildesheim, hat im HAZ-Gespräch mehrere Tipps verraten, wie man die Fahrsicherheit seines Fahrrads leicht selbst überprüfen kann.

Einmal waschen, bitte

„Wenn jemand sein Fahrrad fit machen möchte, dann ist es das einfachste, er macht es mal richtig sauber“, sagt Pütz. Ist der Winterschmutz erst einmal ab, sei eine Sichtkontrolle möglich. „Da sehe ich auch gleich: Klappern die Schrauben? Funktioniert das Licht? Wackelt das Schutzblech? Ist irgendwas verrostet? Solche Dinge bemerkt man sofort“, sagt Pütz. Auffälligkeiten wie Risse im Rahmen oder an der Gabel würden so schnell sichtbar. Und was, wenn dann etwas zum Vorschein kommt, das man nicht einordnen kann? „Dann sollte man auf jeden Fall in die Werkstatt gehen“, rät Pütz.

Sitzprobe machen

Ist das Fahrrad erst einmal sauber, empfiehlt Pütz eine Sitzprobe. Dabei stelle man schnell fest, ob der Sattel noch die richtige Höhe habe und ob der Lenker noch gut eingestellt sei.

Funktionieren die Bremsen?

„Der nächste Punkt wären für mich die Bremsen“, sagt Pütz. „Die Bremsseile und Bremszüge müssen in Ordnung sein. Hydraulische Bremsen müssen eventuell entlüftet werden.“ Und woran merkt man das? „Wenn Sie die Bremse anziehen und Sie haben weniger als einen Finger Luft zwischen Bremshebel und Lenker, dann sollte die entlüftet werden.“ Obwohl beim Fahrrad, ähnlich wie beim Motorrad, die Vorderradbremse häufiger zum Einsatz kommt, empfiehlt Pütz darauf zu achten, dass Vorder- und Hinterradbremse gleichmäßig funktionieren. Manche Fahrräder haben eine Scheibenbremse. Sollte damit etwas nicht stimmen, rät Pütz dringend zum Fachhändler zu gehen.

Die Kette säubern und einfetten

Ohne sie bewegt sich kein Fahrrad, jedenfalls nicht bergauf: Die Kette. Die sollte man „von grobem Schmutz befreien, ein bisschen ölen und dann merkt man schon wie das besser läuft“. Für die Reinigung der Kette eignet sich ein einfacher Lappen oder ein altes T-Shirt. Ebenfalls hilfreich: eine Zahnbürste und Zahnstocher. Wenn die Kette vom groben Schmutz befreit ist, kann sie eingeölt werden, am besten mit Kettenöl für Fahrradketten. Überschüssiges Öl kann man mit einem Baumwolltuch wieder entfernen, damit es beim Fahren nicht auf die Kleidung oder den Rahmen spritzt.

Beleuchtung und Reflektoren

Gerade in der dunklen Jahreszeit, aber natürlich auch in dunklen Sommerstunden sehr wichtig: Die Beleuchtung. Die besteht im Idealfall aus „ einem Scheinwerfer, dem Rücklicht, Reflektoren nach vorne, nach hinten und an den Pedalen sowie an den Reifen und am Radsatz“, sagt Pütz. Wenn die Reifen selbst nicht reflektieren, müssen Katzenaugen an die Speichen montiert werden – und zwar zwei je Rad. „Es gibt auch so kleine Steckelemente auf den Speichen. Die sind aber nur als Ersatz für die Reflektoren oder Katzenaugen erlaubt, wenn jede Speiche so einen Satz hat“, betont Pütz.

Die Klingel

„Die Klingel muss da sein“, sagt Pütz. Denn: „Lautes Rufen ist meist nicht so witzig.“ Wer eine Klingel am Fahrrad hat, sollte laut Pütz außerdem früh genug klingeln, um auf sich aufmerksam zu machen.

Die Gangschaltung

Wer sein Fahrrad nach der Winterpause aus dem Keller holt oder es einfach nur schonmal fit für den Frühling machen will, sollte sichergehen, dass die Gangschaltung noch funktioniert. Dazu kann man in einem verkehrsberuhigten Bereich einmal aufs Fahrrad steigen, ein paar Runden drehen und dabei die Gänge ausprobieren. Das rät Pütz auch allen, die sich beim Fahrrad-, Pedelec- oder E-Bike-fahren noch etwas unsicher fühlen. „Häufig sind es Senioren, die aus ihrem SUV und dann aufs Fahrrad steigen. Die haben sich ein neues E-Bike gekauft oder ein Pedelec und dann ist man vielleicht doch noch ein bisschen unsicher, weil man noch nicht so vertraut damit ist.“ Wer solche Unsicherheiten mit dem neuen Pedelec kennt, findet auf der Website des ADFC Hildesheim Angebote für Fahrsicherheitstrainings. Beim Pedelec oder dem E-Bike sollten adäquat zur Schaltung auch die Unterstützungsstufen kontrolliert werden, so Pütz.

Die Reifen

Was wäre ein Fahrrad ohne Reifen? Nicht fahrtauglich, logisch. Es überrascht also nicht, dass auch die Reifen auf der Checkliste des Fahrsicherheitstrainers stehen. Zuerst sollte man laut Pütz den Reifendruck kontrollieren. Wie hoch der sein darf, steht in der Regel auf dem Mantel oder dem Laufrad selbst. Ist der Reifendruck zu niedrig, werden die Mäntel „schneller verschleißen und ich habe mehr Kontakt zum Boden“, erklärt Pütz. Es gibt einen Mindest- und einen Maximaldruck. Ebenfalls bei den Reifen zu kontrollieren: „Die Profiltiefe.“ Die ist zwar bei Fahrrädern und Pedelecs (elektrische Unterstützung bis 25 Stundenkilometer) nicht vorgeschrieben. Aber abgefahrene Reifen haben weniger Grip, das Radeln wird also gefährlicher, weil das Rad leichter wegrutschen kann. Für E-Bikes und S-Pedelecs (elektrische Unterstützung bis 45 Stundenkilometer) gibt es übrigens eine Mindestprofiltiefe. Vorgeschrieben ist eine Profiltiefe von mindestens einem Millimeter.

Nur für Pedelecs und E-Bikes: Der Akku

Wer kein „Bio-Bike“, sondern ein Pedelec oder E-Bike fährt, sollte gerade im Winter auch darauf achten, dass der Akku richtig gepflegt wird. Die einzelnen Hersteller machen dazu in der Regel Angaben über den Ladezustand bei Einlagerung. „Im Winter wird empfohlen, nicht unter 50 Prozent der Ladung zu kommen, damit der Akku lange hält“, berichtet Pütz. Außerdem sollte der Akku möglichst in einem warmen Raum gelagert werden. „Und wenn der Akku mal gar nichts sagt, nicht dran rumschrauben. Das ist gefährlich.“

Empfohlen für alle: Der Helm

Zwar gibt es keine Helmpflicht für Fahrradfahrer in Deutschland, aber „Helm Tragen ist absolut empfehlenswert“, sagt Pütz. „Gerade mit dem Pedelec.“

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