Hildesheim - Seit Freitag ist die Testpflicht für den Einzelhandel im Kreis Hildesheim Geschichte. Das lockte ab Freitagvormittag zahlreiche Hildesheimer in die Innenstadt. Die Atmosphäre war frühlingshaft: Vor der Jakobikirche musizierte ein Akkordeonspieler, die Caféterrassen in der City waren sichtbar voller als in den vergangenen Wochen, die Sonne schien.
In der Andreaspassage etwa hatte Annika Beneke zum ersten Mal seit Monaten wieder ihr Geschäft Emmalou geöffnet, in dem es Kleider und Accessoires für Frauen gibt. „Ich merke derzeit beides“, sagt sie. „Eine große Erleichterung bei vielen Kunden über den Wegfall der Testpflicht, aber auch noch eine spürbare Zurückhaltung.“ Fünf Kundinnen, schätzt sie, hätten ihr immer noch einen Negativ-Test beim Betreten des Geschäfts vorlegen wollen. „Die hatten das noch gar nicht mitgekriegt, dass sie den nicht mehr brauchen.“
Endlich wieder im Lieblingsladen stöbern
Eine, die es mitgekriegt hat, ist Viola Schütz. Sie ist in Benekes Laden gekommen, „um mal zu stöbern“, wie sie sagt. „Das ist mein Lieblingsladen, und dass ich wieder hierherkommen darf, ganz ohne Test, ist einfach super.“ Das Einkaufen auf diese Art habe sie schon vermisst, sagt Schütz.
Einen deutlichen Zuwachs bei der Zahl der Kunden hat Ute Halex in der Ostertorpassage schon in den ersten Stunden nach der Öffnung von Lili´s Shop am Morgen wahrgenommen. „Das war sofort deutlich zu merken, dass mehr Leute kamen“, sagt sie - auch wenn es auch bei ihr vereinzelt noch Unsicherheiten über die aktuelle Regelung gab. „Aber so ist das dann eben, wenn sich für die Menschen ständig etwas ändert“, sagt Halex, die gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Silke Mende in der kommenden Woche einen Outlet-Store in der Fußgängerzone eröffnen will. „Wir hoffen jetzt erst einmal, dass die Testpflicht weiterhin entfällt und die Inzidenzen niedrig bleiben.“
Ein Mitarbeiter nur für die Kontrolle der Tests
„Die Leute können jetzt wieder spontan einkaufen gehen, auch dann, wenn sie nur eine Kleinigkeit benötigen“, beschreibt Holger Höfner, Centermanager der Arneken Galerie, den für ihn wichtigsten Aspekt am Wegfall der Testpflicht. Denn darauf hatten seiner Beobachtung nach in letzter Zeit viele Kunden verzichtet. „Sie sind eher gezielt und nur für das Nötigste einkaufen in die Läden gegangen.“ Vor dem Einkaufen einen Coronatest zu machen sei für viele Menschen ein „Angehen“ gewesen, weshalb sie oft nur für das Nötigste in die Stadt gekommen seien. Nun hofft Höfner auf gute Geschäfte für seine Mieter.
Auch Heiko Heiß, Geschäftsführer des Modehauses Kressmann, ist froh über den Wegfall der Testpflicht. In der Vergangenheit war ein Mitarbeiter des Haiuses ausschließlich für die Kontrollen der Negativ-Tests am Eingang zuständig gewesen – eine Aufgabe, die jetzt wegfällt. „Und auch für die Kundschaft fällt das sicher sehr ins Gewicht“, schätzt er.
Menschen, die dennoch vor dem Testzentrum stehen
Die scheint sich der neuen Regelung aber tatsächlich noch nicht ganz bewusst zu sein. Am Testzentrum an der Lilie stehen am Freitag nämlich auch Menschen an, die von der entfallenden Testpflicht bis zu diesem Zeitpunkt gar nichts wussten. Als sie davon erfahren, während sie anstehen, verlassen sie die Schlange wieder. Eine Familie lässt sich auch nur testen, weil sie Verwandte im privaten Rahmen besuchen möchte.
