Diekholzen - Die Meinungen über die ablehnenden Reaktionen des Landkreises Hildesheim auf die Pläne der Gemeinde Diekholzen, das Gelände der ehemaligen Lungenklinik zu nutzen und zum Teil neu zu bebauen, waren in der Sitzung des Gemeinderates am Donnerstagabend eindeutig und einhellig: „Ein Trauerspiel, total schade“, meinte der CDU-Fraktionsvorsitzende Martin Völkel. SPD-Fraktionschef Martin Küster zählte eine Reihe von Ungereimtheiten auf und stellte fest: Andere könnten ohne Probleme bauen, nur die Gemeinde Diekholzen dürfe nichts. Er stellte die rhetorische Frage: „Arbeitet der Landkreis Hildesheim für uns, mit uns oder gegen uns?“ Eher gegen Diekholzen, fand auch Christoph Glados: „Der Kreis sagt uns permanent immer nur, was nicht geht. Ich vermisse, dass er uns auch einmal zeigt, was machbar ist. Der Landkreis muss doch auch ein Interesse daran haben, dass sich seine Städte und Gemeinden weiterentwickeln.“
Niemand fordert eine Klage
Ebenso einmütig wie die Enttäuschung über die Vorgeschichte waren allerdings auch die Vorstellungen, wie es weitergehen kann: Keines der Ratsmitglieder forderte eine Klage gegen den Kreis – die einzige Möglichkeit, die abgeschmetterte Änderung des Flächennutzungsplans noch rechtlich durchzudrücken. Doch die Gemeinde hätte vor Gericht wohl wenig Chancen und würde weitere wertvolle Jahre verlieren, gab Bürgermeister Matthias Bludau (SPD) zu bedenken. Daher setzt er auf einen neuen Versuch, das Konzept der Gemeinde neu zu begründen und mit einem anderen Städteplaner, mit dem bereits Gespräche laufen, einen erneuten offiziellen Anlauf zu wagen.
Denn: Rat und Verwaltung sind nach wie vor davon überzeugt, dass ihr Vorhaben eigentlich gut begründet ist. Das steht letztlich auf drei Säulen: Die bestehenden Gebäude sollen von einer karitativen Einrichtung genutzt werden. Außerdem plant die Gemeinde einen Neubau mit einem Service-Wohnangebot für Seniorinnen und Senioren, ebenerdig in der Nähe der Infrastruktur des Kernortes. Die dritte Säule soll eine begrenzte Zahl von Grundstücken sein, die neu bebaut werden. Das sei im Sinne der Inklusion auch für eine mögliche Wohneinrichtung in den alten Klinikgebäuden wichtig, erläuterte Bludau. Denn die läge dann nicht, wie früher die Lungenklinik, abgelegen und isoliert am Waldrand.
Der Plan der Gemeindeverwaltung ist, die nötige Änderung des Flächennutzungsplans auf dieser Grundlage noch einmal komplett zu überarbeiten und das Verfahren neu zu starten. Der Rat stimmte noch nicht darüber ab, die Strategie wird erst noch in den vorbereitenden Gremien diskutiert, also im Ausschuss für Technik und Umwelt und im Verwaltungsausschuss. Die Kommunalpolitiker werden den neuen Anlauf aber wohl mittragen, so der Eindruck aus der Ratssitzung.
FDP will Mediator beauftragen
In der ließ Helmut Berchelmann (FDP), der nicht persönlich teilnehmen konnte, einen schriftlichen Vorschlag verlesen: Ein Mediator solle damit beauftragt werden, Gemeinde und Kreis an einen Tisch zu bringen. In diesem Sinne plädierte auch CDU-Fraktionschef Völkel dafür, nach vorn zu schauen, sich mit der Kreisverwaltung zusammenzusetzen und gemeinsam zu schauen, was noch möglich ist. Darauf läuft es nun offensichtlich hinaus, eine Klage ist vorerst vom Tisch.
Weitere Themen und einstimmige Beschlüsse der Ratssitzung
Kristof Josewski (Grüne) hat sein Ratsmandat aus privaten Gründen niedergelegt. Als Nachrücker wurde Thomas Hausmann verpflichtet.
Zum neuen Ortsvorsteher von Egenstedt wurde Udo Rojahn ernannt. Sein Vorgänger Eckhard Hampel war Anfang Juli gestorben. Das Vorschlagsrecht hat die Partei, die in dem Ortsteil bei der jüngsten Kommunalwahl die meisten Stimmen holte – das war mit 61,2 Prozent die CDU.
Die Firma Landwind aus Gevensleben plant einen Solarpark im Osten von Söhre. Die Gemeinde wird dafür den Flächennutzungsplan ändern und für das Flurstück von rund 26 000 Quadratmetern den Bebauungsplan „Am Trauerberge“ aufstellen.
Die Raumsituation der Feuerwehr Barienrode muss dringend verbessert werden – unter anderem, um ein neues, größeres Fahrzeug unterzubringen; das alte muss ersetzt werden. Die Gemeinde soll in die Überlegungen, wie und wo eine Fahrzeughalle gebaut werden könnte, auf Antrag der CDU-Fraktion das Grundstück des katholischen Pfarrheims mit einbeziehen – und mit der Kirchengemeinde über einen möglichen Kauf sprechen. Hintergrund: Das Bistum Hildesheim sei generell bestrebt, sich von einem Teil der zahlreichen Immobilien zu trennen, erläutert die CDU in einem Antrag. Der wurde auf Vorschlag von Thomas Hausmann um den Passus erweitert, auch an die evangelische Gemeinde heranzutreten, um die Optionen eines Grundstückskaufs zu prüfen.
Die Gemeinde Diekholzen soll beim Land Niedersachsen mit einer offiziellen Petition auf eine schnellere Sanierung der Landesstraße 485 von Diekholzen in Richtung Ochtersum drängen. Dem Vorschlag der Verwaltung schloss sich der Gemeinderat an.
Die Straße im Baugebiet Am Mühlenberg in Söhre soll Mühlenbergring heißen.
Der Rat hat das Leitbild für die Dorfregion verabschiedet, das im August bei einem öffentlichen Workshop entwickelt wurde. Es wird in einen erneuten Antrag auf Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm eingearbeitet. tw
