Abstieg aus der Regionalliga

Nach dem Abstieg: Klubführung des VfV 06 Hildesheim kündigt einen größeren Umbruch an

Hildesheim - Trainer, Kader, Geld, Perspektiven: Der Noch-Fußball-Regionalligist aus Hildesheim steht nach dem Abstieg vor einem größeren Umbruch. Mit Coach Markus Unger möchte die Klubführung weitermachen. Aber was will Unger?

Hildesheim - Seit Sonntag steht es fest: Die Fußballer des VfV Borussia 06 Hildesheim sind nach der 1:2-Niederlage bei St. Pauli II abgestiegen und spielen in der nächsten Saison in der Oberliga Niedersachsen. Ziel war es eigentlich, sich langfristig in der Regionalliga zu etablieren. Dafür war viel Geld in den Kader und ins Trainerteam investiert worden – so viel wie nie zuvor. Trotzdem reichte es nicht zum Klassenerhalt. Was bedeutet dieser bittere Rückschlag für den Verein?

Die Trainerfrage

Nach dem Erreichen der Meisterrunde und dem vorzeitigen Klassenerhalt in der Saison 2021/22 war das Vertrauen in Markus Unger groß. Sein Vertrag wurde um zwei Jahre bis 2024 verlängert. Er schien der richtige Mann zu sein, um den Verein in Liga vier zu etablieren und das Team weiterzuentwickeln. Doch in dieser Saison schaffte er es nicht immer, für die nötige Stabilität und Balance zu sorgen. Wiederholt verspielte die Mannschaft Führungen und kassierte späte Gegentore. Unger konnte das nicht abstellen. Sein aktueller Vertrag gilt nur für die Regionalliga. Der Verein möchte mit dem 41-Jährigen weitermachen. „Wir haben ihm ein Angebot gemacht“, erklären Vereinspräsident Michael Salge und Vorsitzender Achim Balkhoff. Trotz des Abstiegs sei das Verhältnis zwischen Team und Trainer intakt. Unger selbst wollte sich zu seinen Plänen nach dem Spiel gegen Pauli nicht äußern: „Ich bin jetzt erstmal leer.“

Falls Unger absagt, sind wir darauf vorbereitet

Achim Balkhoff

Natürlich seien die Rahmenbedingungen in der Oberliga andere, so Salge. Bedeutet: Unger müsste Abstriche machen. „Er muss erklären, ob er den Weg mit uns weitergehen möchte oder nicht“, sagt der Präsident. Ein Trainer, der gerade abgestiegen ist, dürfte auf der Wunschliste ambitionierter Klubs nicht unbedingt ganz oben stehen. Aber Unger ist gut vernetzt. Tendenz: Wenn er ein ordentliches Angebot eines Regionalligisten bekommt, dann wird er wohl gehen. „Falls Unger absagt, sind wir darauf vorbereitet“, sagt Balkhoff. Das Anforderungsprofil ist klar: Der alte oder neue Coach soll mit geringeren Mitteln einen attraktiven Kader zusammenstellen, junge Spieler weiterentwickeln und bestenfalls den sofortigen Wiederaufstieg schaffen.

Ein großer Kader-Umbruch

„Natürlich wird es zwangsläufig einen größeren Umbruch im Kader geben“, erklärt Salge. „Denn in der Oberliga können wir das derzeitige wirtschaftliche Niveau nicht halten.“ Etliche Spieler werden den Verein verlassen, auch Abwehrchef Kevin Kalinowski und Toptorjäger Moritz Göttel (22 Saisontreffer) dürften kaum zu halten sein. Göttel selbst kündigt eine schnelle Entscheidung an: „Nach dem letzten Spiel gegen Lohne werde ich erklären, wie es weitergeht.“ Angebote habe er einige. „Ich muss für mich die beste Entscheidung treffen“, sagt er. Im Gegensatz zu Göttel haben längst nicht alle Spieler die Erwartungen erfüllt.

Wir müssen uns genau überlegen, mit wem wir weitermachen wollen und mit wem nicht

Achim Balkhoff

„Wir müssen uns genau überlegen, mit wem wir weitermachen wollen und mit wem nicht“, sagt Balkhoff. „Der lokale Aspekt wird wieder eine größere Rolle spielen“, ergänzt Salge. Heißt: Erfahrene Spieler wie Yannik Schulze, Niklas Rauch, Hassan El-Saleh und Hady El-Saleh sowie Talente wie Aleksander Dikarev, Finn Kiszka und Jarno Engler sollen bleiben. Bei potenziellen Neuzugängen braucht man ein glückliches Händchen. Ein gefühlter Neuzugang könnte Jane Zlatkov werden. Der 32-jährige Mittelfeldspieler fiel wegen eines Kreuzbandrisses die gesamte Saison aus. Greift er wieder an?

Das Geld wird knapper

Trotzdem waren wir gut aufgestellt, der Abstieg hätte nicht sein müssen

Michael Salge

Das Geld war noch nie im Überfluss vorhanden beim Hildesheimer Fußball-Flaggschiff. Im Gegenteil: Es war immer ein Kraftakt, ein regionalliga-taugliches Team zusammenzustellen. Über die Höhe des Etats macht der Verein keine Angaben, aber klar ist: In der aktuellen Saison wurde so viel wie nie zuvor in den Kader und das fünfköpfige Trainerteam investiert. Es ist fast schon tragisch, dass der Verein mit dem besten Torjäger der Liga (Moritz Göttel) und einem der stärksten Abwehrspieler (Kevin Kalinowski) absteigen muss. „Man muss aber auch sehen, dass viele Regionalliga-Vereine unter professionellen Bedingungen arbeiten und uns um einiges voraus sind“, sagt Salge. „Trotzdem waren wir gut aufgestellt, der Abstieg hätte nicht sein müssen.“ In der Oberliga muss der VfV 06 mit wesentlich weniger Geld auskommen. „Einige Sponsoren stellen weniger Mittel zur Verfügung“, erklärt der Klub-Präsident. So stehe es in den Verträgen. Zudem seien die Verbandsabgaben sowie die Ausgaben für den Spielbetrieb und Energie enorm gestiegen.

Strukturelle Veränderungen

Die alten Probleme bleiben: Der Rasen im Friedrich-Ebert-Stadion ist holprig, die Trainingsbedingungen nicht optimal. Der Kunstrasen ist eher für Hockey geeignet und wird von den Fußballern kaum genutzt. Die II. Mannschaft dümpelt nach wie vor im Mittelfeld der 1. Kreisklasse. Und wann kommt endlich das Flutlicht? Der Bauantrag sei gestellt, erklärt Balkhoff. Stellt sich die Frage, ob der Abstieg die Flutlicht-Pläne über den Haufen wirft. „Wir halten an den Plänen fest“, so Balkhoff. Auf einen Sportdirektor oder Scouting-Experten verzichtet der Verein seit einiger Zeit. „Wir haben genügend kompetente Leute, die sich in der Fußballszene auskennen und den Markt im Blick haben“, so der Vereinschef. Dies ist ein sehr wichtiger Punkt: Um in der Oberliga oben anzugreifen, braucht man bei der Zusammenstellung des Kaders und potenziellen Neuzugängen ein breites Netzwerk und ein gutes Gespür. „Unsere Leute sind viel unterwegs“, erklärt Salge. „Wir haben einige Spieler auf dem Zettel.“

Die Perspektiven

„Wir machen einen Cut“, erklären Klubchef und Präsident. Das betreffe die Strukturen, die Finanzen und den Kader. An ersten personellen Stellschrauben wurde bereits gedreht: Björn Rührer kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Torwarttrainer arbeiten. Er wird Leiter der Geschäftsstelle, die im Funktionsgebäude an der Radrennbahn eingerichtet wird. Maik Thomas wird Leiter Organisation und Oliver Jonas wird als Teammanager fungieren. Weniger Geld, strukturelle Baustellen, eventuell ein neuer Trainer und ein Kaderumbruch – das macht die Sache schwierig.

Die Oberliga wird hammerhart

Michael Salge

Zumal mit Schwarz-Weiß Rehden, Atlas Delmenhorst und Kickers Emden drei Vereine abgestiegen sind, die ebenfalls schnell wieder hoch wollen. „Die Oberliga wird hammerhart“, weiß Salge. Kickers Emden habe einen neuen Investor und wolle Spieler aus der 3. Liga holen. „Natürlich wollen wir wieder in die Regionalliga“, erklären Salge und Balkhoff. „Aber dafür müssen die Strukturen und die Voraussetzungen stimmen.“ Sie machen klar: „Wir gehen keine unkalkulierbaren Risiken ein. Wichtig ist, dass wir seriös und vernünftig arbeiten, die Aufgaben im Verein richtig verteilen und Kräfte bündeln.“ Balkhoff: „Wenn es dann etwas länger dauert mit dem Wiederaufstieg, dann kann ich damit leben.“

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