Hamburg - Jetzt steht es fest: Der VfV Borussia 06 Hildesheim ist aus der Fußball-Regionalliga abgestiegen. Um die Mini-Chance auf den Klassenhalt weiter zu wahren, hätten die Hildesheimer am Sonntag beim FC St. Pauli II gewinnen müssen. Doch die Mannschaft von Trainer Markus Unger verlor das Auswärtsspiel mit 1:2 (1:1). Die letzte Saison-Partie der Borussen am nächsten Samstag gegen den TuS Blau-Weiß Lohne ist damit bedeutungslos geworden.
Am Ende spielte in den vergangenen Wochen vieles gegen die Hildesheimer. Sie konnten punkten, wie sie wollten – die Konkurrenz im Tabellenkeller gab sich ebenfalls nur selten die Blöße.
Keine Hilfe aus der 3. Liga
Aus der 3. Liga kam an diesem Wochenende ebenfalls keine Hilfe, denn seit Samstag beziehungsweise Sonntag ist es amtlich, dass dort weder der SV Meppen noch der VfB Oldenburg die Klasse halten können. Somit gibt es fünf Regel-Absteiger aus der Regionalliga Nord – darunter der VfV 06.
Aus den vergangenen zehn Partien holten die Hildesheimer immerhin 14 Punkte. Ein guter Schnitt. Außerdem legten sie im Spätsommer und Herbst 2022 einen starken Start in die Saison hin. Doch dazwischen kam einfach zu wenig, wenngleich der Unger-Elf mitunter das Pech an den Schuhen klebte. Aber wie heißt es so schön: Die Tabelle lügt nicht. Und die besagt, dass die Hildesheimer nach der 1:2-Niederlage bei St. Pauli II den schweren Gang in die Oberliga antreten müssen.
Torwart im Blickpunkt
Die Hamburger waren am Sonntagnachmittag das spielstärkere Team. Gleich zu Beginn hatten die Hildesheimer Glück, dass die Gastgeber nach einem Abwehrfehler von Jannis Pläschke nur die Latte trafen. In der Folge blieben die Paulianer dominant und kreierten die besseren Chancen.
Auch nach einer guten halben Stunde kam vom VfV 06 offensiv eher wenig. Hinten musste Torwart Antonio Brandt retten, als er einen 16-Meter-Schuss des Hamburger Angreifers Robin Müller mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte (34.). Müller hatte zuvor Niklas Rauch ausgespielt.
Hildesheimer Führung
Mit einer Hildesheimer Führung rechnete zu diesem Zeitpunkt kaum einer im Norderstedter Edmund-Plambeck-Stadion. Aber sie fiel dennoch: Mohammad Baghdadi hatte nach einem gewonnenen Laufduell und Dribbling gefühlvoll in den Strafraum geflankt. Am langen Pfosten wartete VfV-06-Torjäger Moritz Göttel, der den Ball über die Linie bugsierte (37.).
Kurz darauf hätten die Hildesheimer sogar erhöhen können. Ein Freistoß von Kapitän Yannik Schulze klatschte an die Latte. „Und dann passiert das, was uns schon oft passiert ist in dieser Saison. Wir bauen unsere Führung nicht aus, und fast im Gegenzug fällt durch ein Freistoß der Ausgleich zum 1:1“, sagte VfV-06-Trainer Unger.
„Spiegelbild der Saison“
Hildesheims Innenverteidiger Niklas Rauch hatte den agilen Paulianer Müller lediglich durch ein Foul stoppen können. Den fälligen Freistoß zirkelte Franz Roggow in den Winkel – Borussias Keeper Brandt war chancenlos (44.). Roggow gehört eigentlich zum Zweitliga-Kader der Hamburger. „Wir haben insgesamt einfach zu viele Führungen nicht in Siege umgewandelt. Die Partie hier gegen Pauli ist ein Spiegelbild der Saison gewesen“, wiederholte Unger.
Auch nach Wiederanpfiff machten meist die Gastgeber das Spiel. Der VfV 06 stand tief in der eigenen Hälfte und wartete: auf Umschalt-Momente. Fast wäre die Taktik aufgegangen. Thomas Sonntag hätte in der 64. Minute nämlich beinahe das 2:1 erzielt. Doch der Borussen-Angreifer konnte den Abpraller von Torwart Sascha Burchert nicht verwerten.
Das endgültige Aus
Nun hofften die mitgereisten Hildesheimer Anhänger auf die Schlussoffensive ihrer Mannschaft. Aber die Paulianer waren einfach cooler und spielstärker. So stand Borussias Torwart Brandt immer wieder im Mittelpunkt. Etwa, als er in der 85. Minute den scharfen 15-Meter-Schuss des eingewechselten Bennet Winter bravourös parierte – um nur ein Beispiel der Hamburger Überlegenheit zu nennen (86.).
Kurz darauf kam es dann doch, das endgültige Regionalliga-Aus: Die Hildesheimer verloren im Angriff den Ball, St. Pauli konterte und setzte wieder Bennet Winter in Szene. Den ersten Schuss des Stürmers wehrte VfV-06-Außenverteidiger Emre Aytun noch mit den Füßen ab, aber Winter gelangte ein zweites Mal an das Leder und versenkte es im langen Eck – 2:1 für den FC (89.). Das war es.
Hildesheimer Frust
Nach Abpfiff hockte die Mannschaft laut Trainer Unger völlig frustriert in der Kabine. „Wir haben noch einmal alles versucht, sind die Sache mit ganz viel Emotionen angegangen“, so der Coach. „Jetzt bin ich einfach nur leer.“ Ob Unger trotz des Abstiegs bleibt, steht noch nicht fest: „Dazu kann ich nichts sagen. Es wird Gespräche geben.“
Begleitet werden die Hildesheimer in die Oberliga von den ebenfalls bereits feststehenden Absteigern BSV Rehden, Atlas Delmenhorst und Kickers Emden. Das dürfte eine schnelle Rückkehr der Borussen in Liga vier deutlich erschweren.
Für Hildesheim wird es schwer
Die Emdener sicherten sich bereits im April die Dienste von Henning Rießelmann. Rießelmann hatte zuletzt den TuS Blau-Weiß Lohne von der Landesliga bis in die Regionalliga geführt. Der Mann kann Aufbauarbeit – und war unter anderem vom Drittliga-Absteiger SV Meppen umworben worden.
Auch die Rehdener mit ihrem finanzkräftigen Präsidenten und Investor – dem Unternehmer Friedrich Schilling – im Rücken werden alles daran setzen, in die Regionalliga zurückzukehren. Für den Traditionsklub Atlas Delmenhorst dürfte ähnliches gelten.
