Kreis Hildesheim - Der Landkreis Hildesheim prüft derzeit mehrere mögliche Standorte für Containerdörfer zur Unterbringung von Flüchtlingen im Kreisgebiet. Das hat Landrat Bernd Lynack am Montag in einer Pressekonferenz erklärt. Zugleich kündigte er an, dass solche Anlagen maximal 150 Menschen auf einmal beherbergen sollen. „Vielleicht mal fünf mehr bei Bedarf, aber eigentlich sollte das mit Blick auf Organisation und Betreuung das Limit sein“, sagt Lynack.
„Jetzt wieder Viertel vor zwölf“
Mögliche Standorte wollte er noch nicht nennen. Er berichtete aber, dass auf seinen einigermaßen dramatischen Appell im November hin („Es ist zwei vor zwölf!“) mehrere Bürgermeister mit Vorschlägen auf ihn zugekommen seien.
Zugleich bestätigte der Landrat, dass sich die Lage aktuell etwas entspannt habe. Das Land Niedersachsen weist dem Landkreis wie berichtet weniger Flüchtlinge zu als noch Ende des vergangenen Jahres. Ende März ziehen alle Flüchtlinge aus der Willi-Nikulka-Sporthalle in Alfeld aus und in neu angemieteten Wohnraum. „Wenn es im November zwei vor zwölf war, ist es jetzt wieder Viertel vor zwölf“, illustrierte Lynack die Situation.
„Obdachloigkeit verhindern“
Inzwischen habe der Kreis wieder einen zeitlichen Puffer von mehr als vier Wochen. Allerdings seien Wohnungen weiter dringend gefragt. Denn aus den Notunterkünften – vom Landkreis angemieteten Hotels und Gasthäusern – zögen kaum Flüchtlinge aus. Dass der Kreis doch wieder Sporthallen ins Visier nimmt, wollte Lynack denn auch nicht ausschließen: „Wir wissen nicht, wie sich die Flüchtlingssituation entwickelt, wenn es wieder wärmer wird. Und wenn ich eins unbedingt verhindern will, dann, dass im Kreis Hildesheim Menschen ungewollt obdachlos sind.“
Das sei auch der Grund für den Umgang mit anerkannten Asylbewerbern in den vom Kreis angemieteten Großunterkünften. Wer anerkannt sei, müsse sich vom rechtlichen Status her selbst um eine Wohnung bemühen. Rechtlich seien dann „zur Vermeidung von Obdachlosigkeit“ die Städte und Gemeinden für die Betroffenen zuständig und nicht mehr der Kreis.
Botschaft an Kommunen
„Natürlich dürfen Betroffene aber in unseren Unterkünften bleiben, bis sie etwas anderes gefunden haben“, sagte Lynack und stichelte in Richtung Kommunen: „So etwas sollte man auch einmal bedenken, wenn man kritisiert, der Landkreis gönne sich zu viele freiwillige Leistungen – denn das ist auch eine.“ Inzwischen gehe es um eine dreistellige Anzahl von Personen, und es würden stetig mehr.
