Drei Objekte im Fokus

Vassilika gegen Eggebrecht: Erinnerungen an Fälschungsstreit im Hildesheimer RPM im Jahr 2000

Hildesheim - Das Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum und sein ehemaliger Direktor Arne Eggebrecht sind wegen Kunsthandel-Vorwürfen in die Schlagzeilen geraten. Das alles weckt Erinnerungen an einen erbitterten Fälschungsstreit aus dem Jahr 2000.

Im März 2000 übernahm Eleni Vassilika die Museumsleitung von Arne Eggebrecht. Ein halbes Jahr später erhob sie schwere Vorwürfe gegen ihren Vorgänger: Eggebrecht habe teils gefälschte Objekte von einem Hamburger Kunsthändler angekauft. Foto: Andreas Hartmann (Archiv)

Hildesheim - Bei den jetzt veröffentlichten Vorwürfen um den internationalen Handel mit ägyptischen Kunstobjekten hat offensichtlich auch das Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim eine Rolle gespielt. So rückt ein erbitterter Streit aus dem Jahr 2000 wieder in den Blick, der seinerzeit in der Stadt für viel Aufsehen gesorgt hat.

Zusammenarbeit mit Hamburger Kunsthändler

Es ging um Fälschungsvorwürfe. Sie könnten aus heutiger Sicht und den nun neu gewonnenen Erkenntnisse möglicherweise ganz anders eingeordnet werden. Bei ihren Recherchen sprechen Deutschlandfunk und Die Zeit von der sogenannten Hildesheim-Hamburg-Connection.

Grund ist die enge Zusammenarbeit zwischen RPM mit einem Hamburger Kunsthändler. Er ist nun im Visier der Polizei, sein Geschäftspartner soll bereits festgenommen worden sein. Vorwurf sind unlautere Praktiken innerhalb des antiken Kunsthandels.

Streit um drei Objekte

Genau darum ging es seinerzeit auch der neuen Direktorin Dr. Eleni Vassilika. Die Nachfolgerin von Prof. Dr. Arne Eggebrecht erhob zu Beginn ihrer Amtszeit im Jahr 2000 schwere Vorwürfe ausgerechnet gegen ihren Vorgänger. Im Mittelpunkt des Streits standen drei Objekte: eine Schale, ein Diadem und ein Schiffsmodell.

Die Alabasterschale mit einem prägnanten Entenkopf – erworben von Vassilikas Vorgänger für 135 000 Mark – hielt die Museumschefin für eine Kopie. Das Diadem solle gar nicht aus Ägypten stammen. Bei dem Modell eines altägyptischen Segelbootes bemängelte die Ägyptologin die unsachgemäße Restaurierung. Außerdem sei ihrer Meinung nach der Preis von 205 000 Mark zu hoch. Das Schiff gehörte noch nicht zu den Beständen des Hauses. Für beide Stücke lagen damals Gutachten vor. Diese bestätigten die Echtheit, gaben Auskunft über die Herkunft und schätzten den Kaufpreis als angemessen ein. Vassilika dagegen sprach von „oberflächlichen Gefälligkeitsgutachten“.

Kisten mit privaten Objekten im RPM?

Bezahlen sollte die bereits vertraglich vereinbarten Stücke die Stadt Hildesheim – 340 000 Mark aus einem Topf der Schaffhausen-Stiftung. Bei dem Ankauf sollte es sich um ein sogenanntes Kompensationsgeschäft mit dem Hamburger Kunsthändler handeln, weil dieser dem RPM Stücke aus seinem Privateigentum für Ausstellungen kostenlos zur Verfügung gestellt haben soll.

Unklar war schon damals, warum der Hamburger Kunsthändler, Studienfreund und Geschäftspartner von Eggebrecht, so viele Kisten mit weiteren Kunstobjekten im RPM zwischenlagern durfte.

Sturm der Entrüstung

Die geäußerte Kritik an ihrem Vorgänger Eggebrecht bescherte der neuen Museumsdirektorin Vassilika in Hildesheim einen Sturm der Entrüstung. Eine juristische Aufarbeitung wegen möglicher Betrugs- beziehungsweise Untreue-Vorwürfe gegenüber der Stadt stellte die Staatsanwaltschaft Hildesheim Ende 2001 ein, da eine bewusste Täuschung nicht nachweisbar sei. Der Verwaltungschef der Stadt räumte aber ein, dass nach erneuter Prüfung der Objekte durch einen „renommierten Gutachter“ erhebliche Zweifel an der Echtheit der drei Stücke bestehe und gab damit letztlich Vassilika Recht.

Doch selbst die Experten äußerten sich unterschiedlich: „Basierend auf den im Vorstehenden dargelegten analytischen Befunden und deren Interpretation komme ich zu dem Schluss, dass beide Objekte als echte und nicht gefälschte Kunstwerke ihrer Zeit (Mittleres Reich bzw. Neues Reich) anzusprechen sind“ – so zitierte die HAZ 2002 ein Gutachten aus London.

Vorwürfe stets bestritten

Eggebrecht hatte bis zu seinem Tod im Jahr 2004 alle Vorwürfe bestritten. Seine Forderung nach Schmerzensgeld und Schadensersatz hat er letztendlich zurückgezogen. Stattdessen erhielt er eine „Ehrenerklärung“, in der er als „glänzender Fachmann“ gewürdigt wurde. Ägyptologin Vassilika verließ im Jahr 2005 das Roemer- und Pelizaeus-Museum und leitete in Turin das Museo Egizio. Anschließend arbeitete sie in England als Curatorial Director des National Trust und als Kuratorin am Zayed National Museum Abu Dhabi. Heute ist sie freischaffende Forscherin und Autorin.

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