Romer- und Pelizaeus-Museum

Mutmaßlicher internationaler Kunstskandal: Wie tief steckte früherer Hildesheimer Museums-Direktor drin?

Hildesheim - Illegaler Kunsthandel im großen Stil, goldene Sarkophage und Geschäfte in Millionenhöhe: Laut Medienberichten ermitteln Staatsanwaltschaften gegen einen Hamburger Kunsthändler – der ehemalige Direktor des Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museums, Arne Eggebrecht, könnte Teil des großen Skandals gewesen sein.

Der 2004 verstorbene frühere RPM-Direktor Arne Eggebrecht könnte womöglich in kriminelle Machenschaften von kriminellen Kunsthändlern gewesen sein – das legen Ermittlungen von Staatsanwaltschaften und Recherchen von Deutschlandfunk und „Zeit online“ nahe. Foto: Andreas Hartmann/Werner Kaiser

Hildesheim - War der langjährige Direktor des Roemer- und Pelizaeus-Museums (RPM), Arne Eggebrecht, in die Machenschaften krimineller Kunsthändler verwickelt und zumindest Mitwisser? Und hat der zu seiner Zeit als einer der prominentesten Ägyptologen Deutschlands geltende RPM-Chef das Renommee des Hildesheimer Hauses womöglich genutzt, um dabei zu helfen, Raubkunst dubioser Sammler vom Makel des Illegalen reinzuwaschen? Diesen Verdacht nähren zumindest Ermittlungen von Staatsanwaltschaften in Hamburg, Paris und in den USA, über die jetzt der Deutschlandfunk und die Wochenzeitung „Die Zeit“ umfangreich berichten.

RPM als Zwischenlager für Raubkunst?

Arne Eggebrecht ist 2004 verstorben. Es ist offen, ob ihm die Herkunft der infrage stehenden Kunstobjekte bekannt war. Der gemeinsamen Recherche der beiden Medien zufolge soll das RPM aber unter Leitung Eggebrechts bis Anfang der 2000er Jahre immer wieder Kunstgegenstände aus zweifelhaften Quellen im eigenen Depot aufbewahrt haben, ohne dass dies offiziell dokumentiert worden wäre oder es Verträge gegeben hätte. Die Journalisten hatten Einsicht in alte Ermittlungsakten der Polizei und beschreiben eine sehr enge Verbindung des Hildesheimer Museums-Direktors zu einem Hamburger Kunsthändler, die in den 1990er Jahren bestanden und im Lauf der Jahre immer enger geworden sein soll.

Die „Hamburg-Hildesheim-Connection“ sei essenziell für das Netzwerk rund um den Hamburger Kunsthändler und dessen mutmaßliche Machenschaften gewesen, so äußert sich der New Yorker Staatsanwalt Matthew Bogdanos gegenüber Deutschlandfunk und „Zeit“. Dass er die mutmaßliche Spur nach Niedersachsen nachvollzogen hat, liegt an einem spektakulären Fall aus New York: Das Metropolitan Museum musste 2019 einen Goldsarkophag an Ägypten zurückgeben, nachdem sich er sich als Raubkunst herausgestellt hatte – an dem vorherigen Verkauf in die USA soll der Hamburger Kunsthändler beteiligt gewesen sein.

US-Ermittler skizziert „Hamburg-Hildesheim-Connection“

Wenn stimmt, was die Ermittler um Bogdanos zusammengetragen haben, könnte der Mann aus Hamburg die Verbindungen zu angesehenen Fachleuten wie Eggebrecht genutzt haben, um illegal nach Deutschland geschaffte antike Kunstgegenstände weißzuwaschen. Im Gegenzug hätte Eggebrecht den Vorteil gehabt, für das RPM neue Kunstgegenstände zu bekommen, mit denen das Haus glänzen konnte.

Konkret legen die Recherchen nahe, dass der Hamburger Kunsthändler diverse Objekte ins RPM gebracht und persönlich an Eggebrecht übergeben hat. Diese Gegenstände aus Privatbesitz sollen dann eingelagert und vom RPM auch für Ausstellungen ins Ausland geschickt worden sein. Durch die Aufnahme in den RPM-Bestand bekamen die Objekte praktisch automatisch das Siegel der Seriosität verliehen – und ob es beabsichtigt war oder nicht: Gegenstände, die in solchen Ausstellungen zu sehen waren und die von einem Museum von Rang geadelt worden waren, würden auf dem Kunstmarkt deutlich an Wert gewinnen. Ganz nebenbei könnte der Sammler aus der Hansestadt auch noch Lagerkosten für seine Gegenstände gespart haben.



Dass nach den Schlagzeilen um die finanzielle Misere des RPM das Museum nun erneut in negativem Kontext genannt wird, hat die derzeitige Geschäftsführerin Doreen Götzky noch gar nicht mitbekommen, als die HAZ sie am Mittwoch kontaktiert. Im RPM wisse man von den aktuellen Ermittlungen noch nichts, sagt sie: „Ich höre jedenfalls zum ersten Mal davon.“

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