Hildesheim - Die Stadtverwaltung liegt beim Umrüsten der Straßenbeleuchtung auf LED-Lampen deutlich hinter den Vorgaben des Rates zurück: Derzeit sind gerade 15 Prozent der Laternen mit Leuchtkörpern dieser Art ausgestattet, die deutlich weniger Strom verbrauchen als herkömmliche Birnen. Dabei hatten die Politiker in der Vergangenheit bereits mehrfach ein höheres Tempo gefordert und auch Geld dafür im Haushalt eingesetzt.
Dass die Verwaltung dem Auftrag nicht nachgekommen ist, stellte sich in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung heraus. Dort berichteten Vertreter des Rathauses über die Umsetzung der Energieeinsparverordnung des Bundes. Wie Kai-Uwe Hauck, Chef des Fachbereichs Tiefbau, erklärte, hat die Stadt in diesem Zuge die Leistung der insgesamt 12 500 Straßenlaternen in Hildesheim gesenkt.
Keine Beschwerden bei Stadt über geringere Laternenleistung
Deren Licht wird schon seit längerem – also vor Inkrafttreten der Sparverordnung im September – ab 21 Uhr gedrosselt: bei Laternen mit konventionellen Leuchtmitteln um bis zu 50 Prozent, bei LED-bestückten Laternen um 30 Prozent. Nun setzte diese Drosselung bereits um 17 Uhr ein, wenn die Straßenbeleuchtung anspringe, erläuterte Hauck. Den Bürgern bereite das offenkundig keine Probleme: „Es gibt keine Beschwerden.“
Ausschussvorsitzende Rita Weber nahm Haucks Vortrag zum Anlass für eine Nachfrage: Wie weit denn die Stadt mit der Umrüstung der Latenern auf LED sei, erkundigte sich die SPD-Politikerin. Die Quote betrage 15 Prozent, erwiderte der Fachbereichschef; tatsächlich ersetze die Verwaltung nur kaputte Birnen durch LED-Leuchtkörper. Den Verzug erklärte er vor allem mit Personalmangel, aber auch Lieferschwierigkeiten. 2023 wolle man aber mehr tun, sagte Hauck mit Hinweis auf die dafür im Haushaltsentwurf vorgesehenen 200 000 Euro.
Das konnte die Empörung der Politiker nicht lindern. Der Rat habe schon vor Jahren Eile angemahnt, erinnerte CDU-Fraktionschef Dennis Münter: „Da ist es hart zu hören, dass sie jetzt anfangen wollen.“ Grünen-Sprecher Ulrich Räbiger bezeichnete das Verhalten der Verwaltung als „ärgerlich“. CDU-Vertreter Dirk Bettels wollte in seiner letzten Sitzung – seine Fraktion beruft ihn aus allen Ausschüssen ab – wissen, wann die Verwaltung alle Lampen auf LED umgerüstet habe. Das lasse sich seriös nicht vorhersagen, erwiderte Hauck. Auf Anfrage der HAZ sagte er, bis Ende nächstens Jahres solle der LED-Anteil auf 20 Prozent angestiegen sein.
Klassen sollen maximal 20 Grad warm sein – aber etliche Thermostate in Schulen sind kaputt
Auch Haucks Kollege Heiko Wollersheim, der Chef des Fachbereichs Hochbau, musste sich in der Sitzung Kritik der Politiker anhören. Er hatte zuvor erklärt, dass die Verwaltung mit den Schulleitern vereinbart habe, die Temperatur in Klassenzimmern auf 20 Grad zu beschränken. Der Wert lasse sich doch aber oft gar nicht einstellen, weil in vielen Schulen die Thermostate kaputt seien, wunderte sich der CDU-Ratsherr Martin Eggers. „Da haben Sie Recht“, räumte Wollersheim ein. Es gebe wohl um 100 Thermostate, die defekt seien. Auch seien bei etlichen Heizungen in den städtischen Schulgebäuden die Zu- und Rückläufe kaputt. „Im Grunde bäuchten man ein Programm, um unsere Heizung alle zu überarbeiten“, sagte Wollersheim. Der Fachbereichschef kündigte eine Schulung für die Hausmeister an, damit die herausfinden könnten, wie es überhaupt um die Heizungen stehe.
