Kampf gegen den Blutkrebs

Leukämie: Diese zwei Menschen aus dem Kreis Hildesheim brauchen dringend Hilfe

Kreis Hildesheim - Eine Zwölfjährige aus Alfeld und ein 54-Jähriger aus Duingen suchen Stammzellen-Spender. Wie es dazu kam, wie es ihnen derzeit geht und wie jeder helfen kann.

Es geht um ihr Leben: Die zwölfjährige Romy und der 54-jährige Georg aus dem Landkreis Hildesheim suchen dringend Stammzellenspender. Foto: privat

Kreis Hildesheim - Ein zwölfjähriges Mädchen aus Alfeld und ein 54-jähriger Familienvater kämpfen aufgrund einer Leukämie-Erkrankung um ihr Leben – und sind dringend auf Stammzellenspender angewiesen. Ihre Familien hoffen, dass sich noch mehr Menschen typisieren lassen, um vielleicht doch noch einen passenden Spender zu finden – und haben, zum Teil mit Hilfe von Freunden und Arbeitgebern, öffentliche Kampagnen gestartet.

Romy hat schon mal gewonnen

Dabei schien die zwölfjährige Romy aus Alfeld den Blutkrebs schon besiegt zu haben, wie ihre Familie (die bittet, ihren Nachnamen nicht nennen), berichtet. Im Oktober 2018 sei bei dem Mädchen erstmals Leukämie diagnostiziert worden. Es begann eine ebenso anstrengende wie belastende Zeit – doch am Ende stand zunächst Erleichterung: „Nach sechs Monaten Intensiv-Chemotherapie und zwölf weiteren Monaten mit Erhaltungs-Chemotherapie waren keine Krebszellen mehr nachweisbar“, erinnert sich die Familie. Bei einer Kontrolle im November vergangenen Jahres sei das Blut ebenfalls noch in Ordnung gewesen.

Doch im Dezember habe Romy begonnen, sich zu verändern. „Erst langsam, dann immer auffälliger“, so schildern es die Angehörigen. „Sie hat kaum noch gegessen, wurde immer blasser und immer schwächer.“

Weltweite Suche

Die nächste Kontrolle war eigentlich für den 10. Februar angesetzt. Doch der Familie schwante Böses: Sie drängte auf einen früheren Termin. Und bekam am 3. Februar die traurige Gewissheit: Der Krebs wieder war zurück. Und noch etwas wurde klar: ohne eine Stammzellenspende würde er sich nicht besiegen lassen.

Die Familie hoffte zunächst vor allem auf Romys neun und 15 Jahre alte Brüder. Doch die Untersuchungen ergaben, dass keiner von ihnen als Spender in Frage kommt. Inzwischen hat die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) die Suche nach einem genetischen Zwilling auf die ganze Welt ausgeweitet. Doch in Deutschland wie auch weltweit ist nur ein Bruchteil aller Menschen bisher typisiert und registriert. Weshalb Romys Familie appelliert: „Vielleicht ist genau hier der genetische Zwilling für unsere Tochter versteckt. Deswegen brauchen wir Ihre und eure Hilfe!“

Der Herr des Reiterhofs

Nur wenige Kilometer von Romy entfernt wohnt ein weiterer Betroffener aus dem Landkreis Hildesheim, dessen Familie ebenso dringend auf der Suche nach einem passenden Stammzellenspender ist: der 54-jährige Georg Redeker aus Duingen. Ein Mann, der es vor der Diagnose nicht leicht hatte, sich aber nie hat unterkriegen lassen: Obwohl er herzkrank ist und an Multipler Sklerose leidet, führt er mit seiner Frau Manuela seit Jahren einen Reiterhof bei Gerzen.

„Der Hof und die Familie sind alles für ihn“, berichten Redekers. Tochter Angelina, eins der vier Kinder, schwärmt: „Unser Papa ist der Problemlöser Nummer eins. Egal ob das Fahrrad kaputt ist, wir Liebeskummer haben oder einfach nicht wissen, welche Hose uns besser steht – er ist immer Ratgeber, Freund und Helfer in der Not!“ Und zwar nicht nur innerhalb der Familie, berichtet die Tochter: „Als Freunde einmal nicht weiter wussten, haben sie wochenlang bei uns gewohnt. So etwas ist für ihn vollkommen selbstverständlich.“

Katastrophale Blutwerte

Doch jetzt braucht Georg Redeker selbst dringend Hilfe. Es begann damit, dass er sich über Wochen zunehmend kraftlos und schwach fühlte, ständig müde war, ungewöhnlich viel Schlaf brauchte. Lange glaubte er, er habe einfach eine Grippe. Doch die Symptome bleiben. Angesichts seiner Krankengeschichte ließ er sich schließlich sicherheitshalber Blut abnehmen.

Drei Tage später kam der Anruf seiner Ärztin. Die Blutwerte waren „so katastrophal schlecht“, dass er bitte sofort ins Krankenhaus gehen solle. Einen Tag später stand die Diagnose fest: Georg Redeker hat Blutkrebs. Sofort begann die Chemotherapie.

Zehn Minuten am Tag die Kinder sehen

Nun hält sich der Duinger fast den ganzen Tag über in seinem Zimmer auf. In einer Art Quarantäne wegen der Gefahr durch das Coronavirus. Nur seine Frau darf zu ihm in den Raum. Aber an „guten“ Tagen geht er kurz vor die Tür. „Dort kann er seine Kinder sehen. Für zehn Minuten. Mehr schafft er kräftemäßig nicht“, berichtet die Familie. „Aber diese zehn Minuten sind ihnen wertvoller als alles andere.“

Nun heißt es für Georg Redeker – wie auch für Romy aus Alfeld: Hoffen, hoffen, hoffen. Darauf, dass sich mehr Menschen als potenzielle Stammzellenspender registrieren lassen. Im Landkreis Hildesheim haben das bislang 19.645 Einwohner getan, das sind gerade einmal etwas mehr als sieben Prozent der Bevölkerung. 223 von ihnen wurden tatsächlich schon einmal als genetische Zwillinge von Blutkrebs-Patienten entdeckt und haben Stammzellen gespendet, erklärt die DKMS.

So kann jeder helfen

Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann Georg und anderen Patienten helfen und sich mit wenigen Klicks die Registrierungsunterlagen nach Hause bestellen. Mithilfe von drei medizinischen Wattestäbchen und einer genauen Anleitung sowie einer Einverständnis-Erklärung kann jeder nach Erhalt des Sets selbst einen Wangenschleimhaut-Abstrich vornehmen, betont die DKMS. Wenn die Gewebemerkmale im Labor bestimmt wurden, stehen Spender für den weltweiten Suchlauf zur Verfügung.

So funktioniert es

In mittlerweile etwa 80 Prozent der Spenden werden Stammzellen aus der Blutbahn entnommen, die Spende selbst dauert vier bis acht Stunden - es ist keine Operation notwendig. Seltener als diese periphere Stammzellenspende kommt die Knochenmarkspende zur Anwendung: Bei dieser Methode wird dem Spender unter Vollnarkose mit einer Punktionsnadel aus dem Beckenkamm Knochenmark (nicht aus dem Rückenmark!) entnommen. Hierbei genügen in der Regel zwei kleine Einschnitte im Bereich des hinteren Beckenknochens. Die dabei entstehenden Wunden sind so klein, dass sie nur mit wenigen Stichen oder oft überhaupt nicht genäht werden müssen und rasch verheilen.

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