Kreis Hildesheim - Jagdpächter und Naturschützer hatten schon länger den Verdacht, dass Luchse auf ihren Streifzügen nicht nur durch den Süden des Landkreises Hildesheim pirschen. Nun ist zum ersten Mal ein ausgewachsener Luchs bei seinem Streifzug im Hildesheimer Wald unweit des Aussichtsturms beobachtet worden.
Zuerst dachte ich, es sei ein Hund, dann ein Wolf
Katrin Walkling aus Wallenstedt hatte am Dienstag nach Pfingsten großes Glück und traf morgens auf dem Weg zur Arbeit auf die große Raubkatze. „Zuerst dachte ich, es sei ein Hund, dann ein Wolf“, sagt die 55-Jährige. Schließlich habe sie registriert, dass es sich um einen Luchs handelt, der hier auf dem Schotterweg in der Nähe zum Abzweig nach Diekholzen schlich.
Experte bestätigt: Es ist ein Luchs
Ole Anders, Leiter des Luchsprojekts des Nationalparks Harz, hat die Fotos begutachtet und bestätigt, dass es sich um einen Luchs handelt. „Die Meldungen aus dem Landkreis Hildesheim verdichten sich“, hatte er schon unlängst auf Nachfrage der HAZ erklärt. Es gebe heute deutlich mehr Hinweise auf die Tiere als noch vor einigen Jahren.
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Viele der Aufnahmen aus Fotofallen sowie Bilder von Rissen und Kot stammen von einem 64-jährigen Jagdpächter aus dem Süden des Landkreises, der darum bittet, nicht genannt zu werden. Zu verbergen habe er nichts. „Aber ich habe kein Interesse daran, dass die Leute anschließend massenweise durch mein Revier laufen“, erklärt er. Luchse sind für Menschen nicht gefährlich. Selbst in die Enge getrieben greifen sie Menschen nicht an.
Die jungen Kuder wandern überall hin
Der Jäger hat insgesamt sieben Wildkameras im Wald verteilt, um festzuhalten, wer dort durch die Gegend streift. „Natürlich gehen da nicht nur Luchse rein“, sagt er. Er habe auch viele Aufnahmen von anderen Tieren, Dachsen und Waschbären zum Beispiel. Wölfe seien in seinem Revier noch nicht dabei gewesen. „Aber im Nachbarrevier.“
Einmal habe er einen toten Luchs gefunden und Ole Anders alarmiert. „Der hat ihn abgeholt und berichtet, dass er das Tier schon mal an anderer Stelle im Harz gesehen hat“, berichtet der 64-Jährige. Woran der Luchs gestorben sei, sei nicht klar gewesen. Der Jäger ist der Überzeugung, dass die Luchse inzwischen im kompletten Landkreis Hildesheim unterwegs sind. „Die jungen Kuder wandern überall hin.“ Kuder steht in der Jägersprache für das männliche Tier beim Eurasischen Luchs und bei der Europäischen Wildkatze.
Das Exemplar, das Katrin Walkling unlängst vor der Nase hatte, war hingegen quicklebendig. Und es machte auf die Bosch-Mitarbeiterin auch nicht den Eindruck, irgendwie krank zu sein. In einer kleinen Fotostrecke hat Walkling das Verhalten des Raubtieres während der Minuten dokumentiert. Der Wind stand offenbar günstig, weshalb der scheue Räuber gar nichts davon mitbekam, dass wenige hundert Meter entfernt ein Mensch steht. Auf den Fotos ist das Tier zu sehen, wie es neugierig um sich schauend den Weg entlang streunt, gähnend an einem Holzstapel verweilt, die geschnittenen Stämme mit seinem Duft markiert und anschließend hinter dem Stapel verschwindet.
Ich habe schon oft Wildkatzen oder Marder auf dem Weg gehabt
Walkling, die auch privat mit der Kamera durch die Natur streift, um Fotos von seltenen Tieren zu machen, war begeistert. „Ich habe schon oft Wildkatzen oder Marder auf dem Weg gehabt“, sagt sie. Luchse habe sie bisher nur an den Rabenklippen im Harz und im Wisentgehege in Springe gesehen. Ihre Aufnahmen wurden auch in sozialen Netzwerken geteilt. Dort allerdings noch ohne den Hinweis auf den konkreten Ort im Hildesheimer Wald.
Auf wie viele Tiere die Beobachtungen aus dem zurückliegenden Jahr zurückzuführen sind, weiß man beim Luchsprojekt auch nicht genau. Allerdings nehmen die Experten immer da, wo sie an genetisches Material der Luchse kommen können, auch Proben. „Im Moment wird das ausgewertet“, hatte Anders schon vor einigen Wochen gesagt. Noch im Sommer stehe fest, zu wie vielen Tieren gefundene Risse, Kotfunde oder Fellreste gehörten.


