Alfeld - Es waren eindeutige Ergebnisse und die Sozialdemokraten demonstrierten damit ihre Geschlossenheit: Sowohl Bernd Lynack als Landratskandidat als auch Bernd Westphal als Bundestagskandidat wurden von den Genossen einstimmig nominiert. Die Wahlversammlung auf dem Festplatz Hackelmasch in Alfeld hatte allerdings ein sehr ungewöhnliches Format und glich einem Autokino-Event.
Es war ein Bild, das wohl nur wenige mit einer Delegiertenversammlung verbinden: Die Autos stehen auf der Hackelmasch in Reih und Glied. An der Spitze des Parkplatzes: ein weißes Zelt mit rotem SPD-Logo. Darin ein Rednerpult. Von hier aus sprechen die Kandidaten und ihre Reden werden über eine Lautsprecheranlage übertragen.
Seitenhieb auf Levonen
In den Autos dürfte sicherlich viel über die Doktortitel-Affäre des amtierenden Landrats Olaf Levonen getuschelt worden sein, die Redner gingen allerdings nicht auf das Thema ein. Nur Landratskandidat Bernd Lynack konnte sich in seinen Dankesworten nach der Abstimmung (alle 48 der abgegebenen Stimmen entfielen auf ihn) einen Satz nicht verkneifen. „Ich bin motiviert bis in die Haarspitzen und strebe das Amt des Landrats an und keinen akademischen Titel“, betonte er. Führende SPD-Politiker hatten auf HAZ-Anfrage am Samstag bereits Aufklärung von Levonen gefordert.
Es war eine starke Rede, mit der sich Lynack zuvor um die Landratskandidatur beworben hatte. „Am 1. August 1986 habe ich als Verwaltungsmitarbeiter erstmals das Kreishaus betreten und damals nie gedacht, dass ich mich heute in meiner Heimatstadt als Landratskandidat bewerbe“, rief er seinen Parteifreunden in Alfeld zu. Er sei fest davon überzeugt, dass der Landkreis viele Potenziale habe, die nur darauf warten, auch genutzt zu werden.
Lynack liegt der Zusammenhalt der Region am Herzen
„Es ist mir vor allem wichtig, mit den Menschen, die hier arbeiten und leben, in ständigem Kontakt zu sein“, unterstrich der 51-Jährige. Auch der Zusammenhalt der Region liege ihm besonders am Herzen. Diese Gemeinsamkeit gelte es weiterzuentwickeln. „Eine intakte Familie zeichnet sich nämlich durch Zusammenhalt aus“, betonte er. So brauche beispielsweise auch der Südkreis eine gute medizinische Versorgung und dürfe nicht abgehängt werden. „Ich möchte die Zukunft der Region gemeinsam mit euch anpacken und bitte euch um Eure Unterstützung“, rief er seinen Parteifreunden zu und ergänzte: „Lasst uns gemeinsam zeigen, dass wir es sind, die den Landkreis voranbringen.“ Die Genossen „applaudierten“ nach dieser Rede mit einem lauten Hupkonzert.
Einen „hupenden Applaus“ erhielt auch der Bundestagsabgeordnete Bernd Westphal nach seiner kämpferischen Rede. „Die Groko ist schon anstrengend“, räumte er zunächst ein. „Aber andere haben sich ja damals aus dem Staub gemacht“, rief er mit Blick auf das Scheitern der Jamaika-Gespräche in Erinnerung. Immerhin stelle die SPD derzeit sechs Minister, die allesamt einen Job machten. Natürlich seien während der Corona-Krise auch Fehler gemacht worden, doch ohne die SPD-Minister gäbe es keine Grundrente, Abschaffung des Soli, höheres Kindergeld, bessere Kinderbetreuung, Ausstieg aus Kernenergie und Kohle und den Digitalpakt für bessere Bildung.
„Ich brauche eure Unterstützung“
„Ich bin seit fast 40 Jahren Mitglied der SPD“, stellte Westphal fest. Und diese Partei kämpfe für Freiheit, Gerechtigkeit, Weltoffenheit und Solidarität. Am 26. September wolle er deshalb das Direktmandat für den Bundestag gewinnen. „Doch das schaffe ich nicht allein, ich brauche eure Unterstützung“, rief er den Genossen zu. Dafür gab’s am Ende 46-Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen.
