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Mangelhafte Einstellung im Hildesheimer KSM-Werk? Das sagt der Betriebsrat zur Chef-Kritik

Hildesheim - Mehr Eigenverantwortung und mehr Motivation hat KSM-Chef Horst Fischer von den Hildesheimer Beschäftigten gefordert. Die Arbeitnehmer-Vertretung ist ganz anderer Meinung. Was sie beklagt – und wofür sie den Chef trotzdem lobt.

Bei KSM Castings ist eine Debatte um die Haltung der Beschäftigten im Hildesheimer Stammwerk entbrannt. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von KSM Castings, Manuel Duarte, hat der Kritik von Geschäftsführer Horst Fischer an der Belegschaft im Stammwerk in Hildesheim deutlich widersprochen. Dass das Unternehmen in den vergangenen Jahren den Umschwung geschafft habe, sei „in allererster Linie der Belegschaft zu verdanken“, sagte Duarte am Mittwoch gegenüber der HAZ. Möglicherweise könnten einzelne Beschäftigte sich noch verbessern. „Aber mindestens 90 Prozent der Mannschaft machen einen super Job“, betonte Duarte.

Andere Standorte im Vorteil?

Firmenchef Fischer hatte am Dienstag in einem Gespräch mit der HAZ bestätigt, dass KSM derzeit auf einem guten Weg sei und in diesem Jahr erstmals seit langer Zeit wieder mit einem positiven Jahresergebnis rechne. Er hatte aber auch erklärt, das Hildesheimer Hauptwerk fahre noch Verluste ein, und es gebe im Vergleich zu anderen Standorten Defizite bei der Eigenverantwortung, der Motivation und der Identifikation mit der jeweiligen Aufgabe. Man sei zwar „auf einem guten Weg“, aber es gebe eben auch noch „Luft nach oben“.

Fischer hatte gemahnt, sich nicht auf dem jüngsten Aufwärtstrend und dem Status des Stammwerks auszuruhen. Langjährige Mitarbeiter verweisen allerdings auch darauf, dass frühere Chefs der mittleren Führungsebene die Eigenverantwortung „regelrecht abtrainiert“ hätten. Die anderen Standorte seien da im Vorteil, weil sie durch die räumliche Distanz schon immer stärker ihre eigenen Wege verfolgt hätten.

„Luft nach oben“ bei den Chefs?

Duarte indes findet: „Gerade in den vergangenen sechs Monaten hat die Belegschaft in Hildesheim eine enorme Bereitschaft gezeigt.“ Es sei auch an allen Feiertagen gearbeitet worden. „Es wurde massive Mehrarbeit geleistet, nur dadurch konnte KSM die Liefersicherheit bei Engpass-Artikeln wie dem wichtigen Querträger jederzeit gewährleisten und den hohen Absatz realisieren.“

Grundsätzlich gebe es natürlich immer und in allen Bereichen „Luft nach oben“, greift Duarte eine Formulierung Fischers auf. Das gelte aber auch für die Wertschätzung, die die Führungsebene der Belegschaft entgegenbringe.

„Guter Umgang mit Eigentümer“

Gleichwohl spricht der Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende Fischer und dem fürs operative Geschäft zuständigen Detmar Kampmann auch ein Lob aus. Ihnen gelinge es, den chinesischen Eigentümer Citic Dicastal von ihrem Kurs und ihren Konzepten zu überzeugen, sodass dieser weiter nötige Finanzierungen bereitstelle. „Gegenüber dem Eigentümer macht die Geschäftsführung einen guten Job!“, betont Duarte.

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