Automobil-Zulieferer

KSM vor Rückkehr in Gewinnzone – doch der Chef kritisiert einen Aspekt im Hildesheimer Werk deutlich

Hildesheim - Die Mitarbeiterzahl ist bald wieder vierstellig, ein wichtiger Auftrag läuft besser als erwartet, die E-Krise geht an KSM Castings vorbei. Doch der Vorstand sieht bei der Belegschaft im Hildesheimer Stammwerk noch Luft nach oben. Warum?

Querträger-Produktion bei KSM in Hildesheim: es läuft gut, könnte aber noch viel besser laufen, mahnt Chef Horst Fischer. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Der Hildesheimer Automobil-Zulieferer KSM Castings trotz der Branchenkrise: Nachdem das Gießerei-Unternehmen viele Jahre lang rote Zahlen geschrieben hat, erwartet es für 2024 eine „schwarze Null“ – und die Zahl der Beschäftigten dürfte in Kürze die 1000er-Marke überschreiten. Geschäftsführer Horst Fischer warnt allerdings vor Zufriedenheit und mahnt die Belegschaft: Gerade im Hauptwerk in Hildesheim seien Verbesserungen nötig.

KSM entgeht der Elektro-Krise

Grundsätzlich ist die Stimmung in der KSM-Spitze nicht schlecht. Das Unternehmen profitiert nach Einschätzung Fischers von einem „Mix aus Glück und guten strategischen Entscheidungen“. Der habe dazu geführt, dass der aktuelle Einbruch bei der E-Mobilität KSM weniger stark treffe als andere Firmen in der Branche.

Nach der Insolvenz im Jahr 2020 hätten viele Kunden KSM zunächst die kalte Schulter gezeigt, gerade bei neuen Aufträgen für Bauteile für Elektroautos. Also habe man den Fokus vor allem auf Fahrwerksteile gelegt, die unabhängig vom Antrieb benötigt werden.

Boom beim Querträger

Hinzu kämen, wie Fischer und sein fürs operative Geschäft zuständiger Vorstandskollege Detmar Kampmann ganz offen sagen, die Probleme mancher Wettbewerber bis hin zu Insolvenzen. „Wir können heute Kompensationen etwa für gestiegene Energiepreise durchsetzen, das wäre vor einigen Jahren undenkbar gewesen“, berichtet Fischer. Zudem profitiere KSM bei Investitionen davon, dass der chinesische Eigentümerkonzern Citic Dicastal Kredite für Investitionen zu Bedingungen zur Verfügung stelle, die Konkurrenten bei Banken wohl nie bekämen.

In Hildesheim brummt ein Produkt besonders: der sogenannte Querträger, den KSM für einen großen deutschen Autohersteller produziert. Die Erwartungen an das Projekt waren schon hoch – werden aber noch übertroffen. 12.000 bis 14.000 Teile liefert KSM derzeit pro Woche . Das ist „an der Kapazitätsschwelle“, wie Detmar Kampmann es ausdrückt. Der Kunde habe bereits signalisiert, dass bis ins nächste Jahr hinein mit solch hohen Stückzahlen zu rechnen sei, ergänzt Horst Fischer, nicht ohne auf die Unwägbarkeiten des Automobilmarktes hinzuweisen.

Kleiner Gewinn in Aussicht

Weil es auch in anderen Bereichen läuft, hat das Unternehmen seit Jahresbeginn Dutzende neuer Beschäftigter eingestellt. Inklusive Leiharbeiter sind es aktuell in Hildesheim 990 – kommen zum 1. September die neuen Azubis hinzu, ist die Zahl vierstellig. Im Jahr 2021 war die Zahl der Arbeitsplätze nach der Insolvenz zwischenzeitlich auf rund 750 gesunken.

Doch obwohl das alles sehr gut klingt, sieht Vorstandschef Horst Fischer keinen Anlass für Euphorie – gerade in Hildesheim nicht. Wenn KSM wie erwartet die „schwarze Null“ erreiche, dann nicht wegen, sondern trotz des Hauptwerks, stellt er fest. Denn das sei zwar gut ausgelastet, brauche aber einen Mentalitätswechsel. „Ich wünsche mir noch mehr Eigenverantwortung, mehr Motivation, mehr unternehmerisches Denken auf allen Ebenen, von den Führungskräften über die Einsteller an den Maschinen bis hin zum Betriebsrat“, mahnt Fischer. „Wir sind schon ein Stück auf dem richtigen Weg, aber es ist noch Luft nach oben. Die anderen Standorte sind in dieser Hinsicht aktuell weiter.“

Appell an Mitarbeiter

Gelinge das auch in Hildesheim, seien noch mehr Produktivität und damit auch mehr Umsatz und ein größerer Erfolg für das Unternehmen möglich. „Das ist schließlich das größte Werk, entsprechend groß ist der Hebel!“, appelliert Fischer. Auf der guten Auftragslage und dem Status der Zentrale dürfe sich niemand ausruhen.

Update: Mangelhafte Einstellung im Hildesheimer KSM-Werk? Das sagt der Betriebsrat zur Chef-Kritik

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