Hildesheim - Die Stadt ist bei der geplanten Sanierung des Bismarckturmes auf finanzielle Unterstützung angewiesen: Das hat Baudezernentin Andrea Döring in einem Schreiben an den Ortsrat Marienburger Höhe/Galgenberg betont. Es handele sich um eine freiwillige Aufgabe, man werde diese nicht aus eigener Kraft erfüllen können. Umso mehr begrüße sie Überlegungen für eine Spendenaktion, erklärt Döring.
„Das war ein Alleingang“, moniert die Ortsbürgermeisterin
Genau um diese, aber auch um den Informationsfluss aus dem Rathaus in Sachen Bismarckturm hatte es in der jüngsten Sitzung des Ortsrates Ärger gegeben. Dessen Mitglieder hätten sich gewünscht, dass die Verwaltung sie bei der Gelegenheit über den Stand der Dinge informiert, moniert Ortsbürgermeisterin Nicole Reuß. Der Turm ist seit dem vergangenen Jahr gesperrt, der Sanierungsbedarf an dem 116 Jahre alten Bauwerk deutlich größer als anfangs von der Stadt angenommen.
Wie groß genau, wollte der CDU-Politiker Enzo Calvanico verdeutlichen, in dem er in der Sitzung Ende Juni mehrere Bilder der Schäden präsentierte: Der Christdemokrat, auch stellvertretender Ortsbürgermeister, hatte zuvor mit der Bauverwaltung gesprochen und dabei eine Spendenaktion angekündigt.
Allerdings ohne sich vorher mit dem Ortsrat abzustimmen, kritisiert Reuß: „Das war ein Alleingang von Herrn Calavanico“, sagte die SPD-Politikerin jetzt der HAZ. Und so waren die Wellen im Ortsrat hochgeschlagen. So hoch, dass Baudezernentin Döring sich nach der Sitzung veranlasst sah, die Politiker anzuschreiben und die vermissten Informationen nachzuliefern.
So hatte die Verwaltung zunächst nur geplant, die Ausblicksplattform vor Tauben zu sichern. Ein Ingenieurbüro stellte dann bei bei näheren Untersuchungen fest, dass der Turm für Besucher nicht mehr sicher ist und komplett saniert werden muss. Nach einer ersten Schätzung kostet das voraussichtlich 155 000 Euro.
Die genauen Kosten müsse die Stadt erst seriös ermitteln lassen, erklärt Döring den Politikern. Und macht klar, dass die Kommune die Ausgaben nicht allein wuppen kann; auch mit Denkmalschutz-Zuschüssen sei nicht zu rechnen. Döring bestätigt die Gespräche mit Christdemokrat Calvanico – und betont, sie bedauere die daraus folgenden Kontroversen im Ortsrat. Gerade angesichts der finanziellen Gegebenheiten sei es wichtig, „dass wir zusammenhalten und eine möglichst effektive Zusammenarbeit erreichen.“
Im Ziel sind sich der Ortsrat und die Stadt Hildesheim einig
An der ist auch dem Ortsrat gelegen, signalisiert Ortsbürgermeisterin Reuß – bei aller Kritik – der Baudezernentin. Die Politiker seien bereit, sich einzubringen und zu helfen, die Sanierung auf den Weg zu bringen. Dazu gehöre es auch, Spenden einzuwerben, sagte Reuß der HAZ: „Der Turm soll unbedingt erhalten bleiben – er ist ein wichtiges Ausflugsziel.“ Döring sieht das genauso: Das Bauwerk besitze über seine historische Bedeutung hinaus einen Freizeitwert.
Doch was kosten die Arbeiten nun genau? Aufschluss darüber soll eine detaillierte Schadenskartierung des Ingenieurbüros im September liefern, wie sie bei Denkmälern üblich sei, kündigt Rathaussprecher Helge Miethe. Die Sanierung selbst steht wohl erst 2023 an – dies sei aus heutiger Sicht „realistisch“, schreibt Döring in ihrem Brief an den Ortsrat.
