Hildesheim - Begleitet von weitgehend stillem Protest sind gestern mit symbolischen Spatenstichen die Bauarbeiten für 16 neue Sozialwohnungen an der Stralsunder Straße gestartet.
Anwohner-Protest am Rande der Feier
Während gbg-Chef Jens Mahnken und Oberbürgermeister Ingo Meyer in kurzen Ansprachen das Projekt angesichts des Wohnraumbedarfs gerade im günstigeren Segment als dringend notwendig darstellten, lehnen mehrere direkte Nachbarn den Neubau ab. Sie wohnen in einem Gebäude mit Sozialwohnungen, das ebenfalls der gbg gehört – und auf demselben Grundstück steht, auf dem nun die neuen Wohnungen entstehen sollen. Sie hatten sich schon bei Bekanntwerden des Projekts gegen die Bebauung der Grünfläche vor ihrer Haustür und die Abholzung der dort stehenden Bäume ausgesprochen.
Nun zeigten sie der geladenen Runde beim Spatenstich mit beschriebenen Schildern deutlich, dass sich an ihrer Haltung nichts geändert hat: „Wir sind dagegen“.
Er bedauere, dass es nicht gelungen sei, alle Bedenken auszuräumen, sagte gbg-Chef Jens Mahnken an die Zaungäste gewandt. Seine Einladung, näher zu kommen und Teil der kleinen Feier zu werden, hatten diese strikt abgelehnt.
„Das Privileg, günstig zu wohnen, sollte man auch anderen gönnen“
Mahnken betonte aber, dass die gbg den Anwohnern entgegen gekommen sei und deswegen vom ursprünglichen Plan, drei Gebäude mit 22 Wohnungen zu bauen, abgerückt sei. Jetzt sind nur noch zwei Gebäude mit 16 Wohnungen vorgesehen. „Ich könnte den Protest noch eher verstehen, wenn wir hier teure Eigentumswohnungen bauen würden“, sagte Mahnken, „aber das Privileg, günstig zu wohnen, sollte man auch anderen gönnen.“
Entgegenkommen oder schlichte Notwendigkeit?
Bernd Schmack, einer der Anwohner, bezweifelte im Gespräch mit der HAZ, dass die gbg die Zahl der neuen Wohnungen tatsächlich als Entgegenkommen an die Nachbarn reduziert habe – das habe vielmehr baurechtliche Gründe, behauptete er. Dem wiederum widersprach Mahnken energisch: „Wir hätten auch drei Gebäude genehmigt bekommen.“ Schmack kritisierte zudem, dass die künftige Stellplatzzahl für alle Alt- und Neubewohner nicht ausreichen werde.
Oberbürgermeister lobt „guten und fairen Kompromiss“
Ingo Meyer äußerte zwar Verständnis dafür, dass die Anwohner lieber eine Grünfläche als Neubauten vor ihrem Gebäude hätten, aber auch er betonte die Wichtigkeit des Projekts: „Stadt und gbg müssen abwägen und auf den Wohnungsdruck in Hildesheim reagieren.“ Der Bau auf diesem Grundstück auf der Marienburger Höhe, das der Wohnungsbaugesellschaft bereits gehörte, sei „ein guter und fairer Kompromiss“.
Die Wohnungen sollen mit zwischen 62 und 79 Quadratmeter groß werden, verfügen je nach Etage entweder über einen Balkon oder eine Terrasse. Die gbg investiert rund 2 Millionen Euro in das Vorhaben.
