Pumpspeicher

Mehr Trinkwasser und weniger Hochwasser in Hildesheim – und ein riesiger Stromspeicher im Harz?

Kreis Hildesheim - Die Technische Universität Clausthal regt den Bau großer Kraftwerke im Westharz an. Sie sollen bei der Energiewende helfen – und zugleich die Sicherheit im Raum Hildesheim verbessern helfen.

Mit Hilfe eines künstlichen Sees auf einem der umliegenden Berge könnte an der Innerste-Talsperre ein Pumpspeicher-Kraftwerk entstehen. Foto: Chris Gossmann

Kreis Hildesheim - Im Westharz könnten vier neue Pumpspeicherkraftwerke an bereits bestehenden Talsperren entstehen. Zu diesem Schluss kommt die Technische Universität (TU) Clausthal in einer Studie, deren Ergebnisse in dieser Woche vorgestellt wurden und die der HAZ in Gänze vorliegt. Die Anlagen könnten einerseits die Speicherkapazität der Stauseen deutlich erhöhen und andererseits als riesige Stromspeicher fungieren. Das zweitgrößte der vier Projekte schlagen die Forscherinnen und Forscher an der Innerste-Talsperre vor.

Riesige Speicher

Die Untersuchung ist Teil des Gesamtkonzeptes „Wasser- und Energiespeicher Harz“, in dessen Zuge bereits eine Vergrößerung der Grane-Talsperre sowie ein zweiter Stausee am Oberlauf der Innerste vorgeschlagen worden waren. Diese beiden Projekte sollen dazu dienen, mehr Wasser im Harz zurückhalten zu können. Das soll einerseits in langen Trockenphasen die Trinkwasserversorgung auch im Raum Hildesheim absichern helfen, andererseits aber auch noch stärker als bislang Überschwemmungen vorbeugen. Hintergrund: Infolge des Klimawandels erwarten Fachleute sowohl längere Dürrezeiten als auch massivere Regenfälle in kurzen Zeiträumen.

Ein weiteres Thema der nächsten Jahrzehnte ist die Frage, wie sich mehr Strom speichern lässt – weil die Versorgung im Zuge der Energiewende verstärkt aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne bestritten werden soll, die bekanntlich wechselhaft Elektrizität liefern. Pumpspeicher-Kraftwerke gelten als wichtiges Instrument – denn sie können in Spitzenzeiten Strom verbrauchen, in dem sie Wasser einen Berg hinaufpumpen – und bei Bedarf welchen erzeugen, in dem das Wasser wieder talwärts geschickt wird und dabei riesige Turbinen antreibt.

Weniger Windräder abregeln

Wichtig dabei sind deutliche Höhenunterschiede, wie sie der Harz bietet. Die TU Clausthal hat vier mögliche Standorte identifiziert. Sie bringen es zusammen auf eine Leistung von einem Gigawatt, was im Bereich eines Atomkraftwerks liegt, und auf eine Speicherkapazität von vier Gigawattstunden. Letzteres entspricht in etwa dem Tagesbedarf von 400.000 Durchschnitts-Haushalten.

Die Speicher könnten damit in erheblichem Maß die Abregelung von Windrädern verhindern, indem sie deren überschüssigen Strom zum Hochpumpen verbrauchen, und später wiederum selbst Strom erzeugen, heißt es in der Studie. Und weiter: „Die Stromversorgung der Region könnte durch diese Speicher in einem zukünftigen Netz mit hohem erneuerbarem Anteil sichergestellt werden.“

Erhöhte Kapazität

Allein für gut 1,2 Gigawattstunden Kapazität könnte demnach ein Pumpspeicher-Kraftwerk an der Innerste-Talsperre sorgen. Dafür müsste westlich des Stausees am Hohenstein das sogenannte Oberbecken angelegt werden. Rund 2 Millionen Kubikmeter Wasser könnten dann bei einem Höhenunterschied von etwa 280 Metern hin- und hergepumpt werden.

Die Oberbecken, künstlich angelegte Seen auf Bergen oberhalb der Talsperren, erhöhen zudem die Aufnahmekapazität der Stauseen. Das Konzept soll die Pläne für eine Erweiterung der Grane-Talsperre oder einen zweiten Innerste-Stausee aber nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Neuer Stausee im Südharz?

Neben dem Innerste-Stausee schlägt die TU Clausthal auch für Oker- und Oder-Talsperre Pumpspeicher-Kraftwerke vor. Das vierte könnte im Siebertal entstehen – was allerdings voraussetzen würde, dass dort überhaupt erst einmal eine Talsperre eingerichtet wird. Das Siebertal liegt zwischen Braunlage und Bad Sachsa.

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