Hildesheim - Das Rentnerehepaar Josef und Gerlinde Bauermeister hat seit Kurzem ein neues Problem im Alltag: den Kampf mit der neuen Gelben Tonne. Oder besser mit den beiden neuen 1100-Liter-Containern, die vor ihrem Mehrfamilienhaus stehen. Beide sind eher von kleinerer Statur, die Container sind dagegen hoch – für die beiden zumindest.
„Man kann kaum den Deckel hochheben, wenn man kleiner ist“, sagt Josef Bauermeister. Außerdem muss man ihn hochhalten, wenn man den Abfall hineinwerfen will. Mit dem Problem seien die beiden nicht allein, erzählt er. In der Wohnanlage der Gemeinnützigen Baugesellschaft (gbg) in Ochtersum gibt es 42 Mietwohnungen, in denen vorwiegend ältere Menschen leben. Einige von ihnen seien behindert oder müssten einen Rollator benutzen.
ZAH ist nur der Dienstleister
Bis zum Ende des vergangenen Jahres haben alle ihre Gelben Säcke an die Hausecke gestellt. Seit Januar stehen dort plötzlich die Container. „Alles schön und gut“, sagt Bauermeister, „aber wer hat eigentlich darüber nachgedacht, wie alte und behinderte Personen damit zurechtkommen?“
Zuständig für die Abfuhr des Mülls ist der Zweckverband Abfall Hildesheim (ZAH). Aber der ist eben nur der ausführende Dienstleister im System der Müllverwertung und -abfuhr, dem sogenannten Dualen System, sagt ZAH-Geschäftsführer Jens Krüger. Beim ZAH könne man daher zwischen den Größen einer 120 oder 240 Liter fassenden Tonne oder eben dem 1100-Liter-Container wählen.
Vermieter hat die Tonnen bestellt
Diese Entscheidung habe eben der Vermieter, in diesem Fall die gbg, getroffen. Allerdings offensichtlich, ohne die Mieter nach ihren Wünschen zu fragen. „Wir sind ja nicht die einzigen, die in so einer Situation sind“, sagt Bauermeister. „Das geht ja vielen Menschen in Stadt und Landkreis Hildesheim ähnlich.“
Allerdings habe er nicht mit der gbg selbst Kontakt aufgenommen, räumt Bauermeister auch ein. Er habe erwartet, dass vor der Bestellung der Tonnen die Mieter selbst mit einbezogen werden. „Das war nicht der Fall“.
Probleme als Gehbehinderte
Denn die neuen Container führen auch zu weiteren Problemen. Man müsse den Abfall einzeln entsorgen, erzählt seine Frau: „Man muss den Müll lose da reinwerfen.“ Wie das denn jemand mit einem Rollator schaffen solle, fragt sie.
Am Haus gibt es einen weiteren Stellplatz für den Restmüll und den Biomüll. Vier Container sind dort eingehaust. Jede Mietpartei hat einen Schlüssel, um die Klappen über den Container zu öffnen und so bequem den Müll zu entsorgen. „Dann kann auch niemand anders seinen Müll dort reinwerfen“, sagt ihr Ehemann.
Andere Lösungen
Die Gelben Container sind für jedermann zugänglich. Sie stehen prominent an der Ecke des Gebäudes in der Hannah-Arendt-Straße. Täglich kommen dort zahlreiche Menschen vorbei. „Man könnte ja überlegen, ob man einen der vier bestehenden Stellplätze für einen der beiden Gelben Container nutzt“, schlägt Josef Bauermeister vor.
Und den anderen könnte man doch durch mehrere kleinere Behälter ersetzen, ergänzt seine Frau. Vorschläge über die man reden kann – man muss es nur wissen, sagt dazu Frank Satow, Pressesprecher der gbg. „Wir sind immer für alle Fragen ansprechbar“, betont er. Von dem Problem mit den gelben Containern habe die gbg aber in diesem Fall nichts gewusst. Ihm seien auch keine vergleichbaren anderen Fälle bekannt.
Infoservice für Mieter
Die gbg bietet ihren Mietern einen eigenen Service dazu an. Den müsse man aber auch in Anspruch nehmen, sagt Satow. Es gibt für den Bereich der Innenstadt unter der Telefonnummer 967-0 einen Kontakt und für den Bereich Drispenstedt unter 967-242 oder per E-Mail.
