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Jan Fuhrhop
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Missbrauchs-Gutachten zu Hildesheimer Ex-Bischof Janssen – das geht die ganze Stadt an

Hildesheim - Der frühere Bischof Janssen hatte ein System gestützt, dass Missbrauchstäter deckte und Opfer missachtete. Über mögliche Konsequenzen müssen wir alle sprechen, meint HAZ-Chefreporter Jan Fuhrhop.

Der Hildesheimer Dom, Zentrum des Bistums – was dessen frühere Spitze unterlassen hat, um Opfer zu schützen und getan hat, um Missbrauchstäter zu decken, legt ein neues Gutachten offen. Foto: Jan Fuhrhop

Hildesheim - Das neue Gutachten bestätigt und konkretisiert noch einmal, was frühere Studien schon aufgedeckt hatten: Jahrzehntelang herrschte im Bistum Hildesheim eine von der Spitze ermöglichte, menschenverachtende Schweige-Kultur, die Täter protegierte und Opfer missachtete.

Es ist Bischof Heiner Wilmers Verdienst, den erst kurz vor seiner Amtszeit zögerlich begonnenen Weg der Aufarbeitung deutlich konsequenter fortzuschreiten und dabei die eigene Kirche sowie ihre geistlichen Anführer nicht zu schonen – auch, wenn es um eigene Vorgänger im Amt geht.

Großen Respekt muss man haben vor Jens Windel und anderen Betroffenen, die den Mut und die Kraft haben, ihre Rechte einzufordern und Druck aufrecht erhalten, um nie wieder Schweigekartelle entstehen zu lassen.

Das Thema und die neuen Erkenntnisse gehen aber nicht nur die katholischen Gläubigen im Bistum an, sondern auch die Hildesheimer Stadtgesellschaft und die Lokalpolitik. Ist es, nach allem, was bekannt ist, wirklich noch vertretbar, eine Straße in der Innenstadt nach Bischof Janssen benannt zu lassen?

Es mag, wie bei der lange diskutierten möglichen Umbenennung des Hindenburgplatzes, Argumente dafür geben – aber mindestens eine aufrichtige Debatte darüber wäre wichtig. Und ein Zeichen dafür, dass allen klar sein muss: Die abstoßenden Taten haben sich nicht irgendwo in einem Paralleluniversum abgespielt, sondern hier – mitten in Hildesheim, in der Nachbarschaft, in der niemand etwas wissen wollte.

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