Hildesheim - Niedersachsen will Jugendliche ab 12 Jahren in den Sommerferien gegen Corona impfen. Das geht aus einem Konzept der Landesregierung hervor, dass Kultus- und Gesundheitsministerium jetzt dem Niedersächsischen Städtetag vorgelegt haben. Kultusminister Grant-Hendrik Tonne und Gesundheitsministerin Daniela Behrens (beide SPD) stellten das Konzept am Dienstagmittag vor. Es sei „nicht in Stein gemeißelt“, heißt es beim Städtetag.
Voraussetzung sei eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Impfungen von Jugendlichen. Diese Empfehlung sei „keineswegs sicher“, heißt es in einem Papier des Städtetages, das dieser Zeitung vorliegt. Bisher ist der Biontech-Impfstoff ab 16 Jahren zugelassen.
Weitere konkrete Punkte der Planung:
Freiwilligkeit
Es handele sich ausdrücklich um ein Angebot, zu entscheiden hätten die Eltern, so das Land. Eine Impfpflicht wird es nicht geben, wie Gesundheitsministerin Daniela Behrens am Dienstagmittag betonte.
„Die Eltern entscheiden grundsätzlich, wann und wo und ob ihre Kinder geimpft werden“, sagte Minister Tonne in der Pressekonferenz am Dienstagmittag. Bei Jugendlichen über 16 sei auch deren Einwilligung nötig.
Schülerinnen und Schüler ab 18 Jahren sollen selbst entscheiden können, ob sie sich impfen lassen können.
Berechtigung
Berechtigt wären im ersten Durchlauf die rund 450.000 Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren. Das bedeutet, dass in Niedersachsen 900.000 Impfdosen gebraucht werden.
Impfstoff
Geimpft werden soll mit dem Biontech-Impfstoff. Das Bundesgesundheitsministerium habe zu diesem Zweck ein Sonderkontingent zugesagt, heißt es in dem Konzept. Das Land erhofft sich eine Zulassung des Impfstoffs von Biontech auch für die ab 12-Jährigen noch im Juni, ab 16 Jahre ist der Impfstoff bereits zugelassen. Bevor es losgehen kann, wird das Land die Empfehlung der Ständigen Impfkommisssion(Stiko) abwarten und bewerten. „Wir müssen sehen, was die Stiko macht“, sagte Behrens. Falls die Empfehlung nicht komme, müsse Niedersachsen sein Konzept entsprechend bearbeiten.
Der Impfstoff für die Jugendlichen soll nicht zulasten der Dosen gehen, die für die übrige Bevölkerung in den Impfzentren zur Verfügung stehen. Das Land rechnet mit einem entsprechenden Sonderkontingent des Bundes. Dafür wären in Niedersachsen 900.000 Dosen nötig.
Ort
Geimpft werden soll in der Regel im Impfzentrum. Das Land denkt aber auch an mobile Impfteams, die in die Schulen oder an andere öffentliche Orte kommen könnten, etwa in Stadt- oder Turnhallen. „Vulnerable“ Patienten könnten aber auch bei ihrem Haus- oder Kinderarzt geimpft werden. Die Zweitimpfung soll am Ort der Erstimpfung erfolgen.
Zeitraum
Es solle für die Impfungen einen Haupt- und einen Reservezeitraum geben, heißt es in einem Schreiben des Städtetages an seine Mitglieder. Sowohl im Haupt-, als auch im Reservezeitraum müsse einer der beiden Termine in den Sommerferien liegen.
Im Hauptzeitraum soll der erste Termin in den letzten beiden Wochen vor den Sommerferien, der zweite in den letzten beiden Ferienwochen liegen. „Das werden anstrengende zwei Wochen, aber es ist machbar“, meinte Behrens.
Im Reservezeitraum soll die Erstimpfung in der ersten Ferienwoche und die Zweitimpfung in der ersten Woche nach den Sommerferien liegen. Der Zeitraum richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die wegen des Zeitraums in den Sommerferien den eigentlichen Termin nicht wahrnehmen können.
Die Sommerferien in Niedersachsen gehen in diesem Jahr vom 22. Juli bis zum 1. September. So sollen alle Kinder in den Sommerferien geimpft werden können, auch wenn sie in den Urlaub fahren.
Organisation
Diese liegt bei den Schulen. Sowohl, was die Information anbelangt, als auch, was die Beförderung zum Impfzentrum betrifft.
Noch ist nicht endgültig entschieden, welche Regeln dann für das Miteinander von geimpften und nicht geimpften Schülerinnen und Schülern in Schulen gelten sollen – was etwa die Testpflicht angeht. „Wir werden uns den Verlauf der Pandemie weiter angucken“, sagte Tonne. Die Sicherheitskonzepte von Schulen und Kitas sollen permanent evaluiert werden.
