Hildesheim - Es gibt kein besseres Bier auf der Welt als das deutsche Bier. „Wenn ich wieder in England bin, finde ich da kaum noch Bier, was mir schmeckt“, verrät Paul Drake. Den Inhalt von acht Fässern hat er schon am ersten Tag der Jazztime gezapft. Für die Folgetage erwartet er ähnliche Mengen. Seit 30 Jahren steht der 68-Jährige ehrenamtlich in einem der Getränkewagen. Gekommen ist er, weil Not am Mann war, geblieben ist er, weil er Vereinsleben schätzt und er findet, dass jeder Gast ein gutes Bier verdient.
Ein Bier anständig zu zapfen, ist ein Handwerk und Kunst, erklärt Drake. Eine stabile Schaumkrone muss auf dem goldgelben Gerstengetränk thronen, aber gleichzeitig „muss feinsprudelnde Kohlensäure zu sehen sein“, betont Drake. Die Temperatur muss stimmen, sodass sich ein leichter Film aus Feuchtigkeit am Glas absetzt. Vor allem muss das Bier frisch sein. „Ich bin kein Fanatiker“, betont Drake. Aber wer Bier abstehen lässt, der kriegt von ihm Gemecker. Schnell, aber schön ist sein Anspruch.
In Bildern: So läuft die Jazztime in Hildesheim
Er zapft beidhändig
Er kann das. Sogar beidhändig füllt er die Kunststoffbecher. Gelernt hat er in der Pille, in den 70ern. In der „kleinen, verrufenen Kneipe“ in der ehemaligen Pemöller-Passage haben sie 16 Fässer von 50 Litern im Schnitt pro Tag ausgeschenkt. Später hat er die Sportgaststätte am Waldstadion in Giesen betrieben. Dort hat ihm eine junge Angestellte dann die letzten Feinheiten beigebracht. Als ihn dann Bekannte fragten, ob er auf der Jazztime helfen könne, war er zur Stelle.
Da sein, darum ging es sein ganzes Leben. 1973 kam er mit 17 Jahren und der Armee aus seiner Heimat nach Hildesheim. Geboren und aufgewachsen war er in Portishead. Die Stadt liegt zufälligerweise in der Nähe von Hildesheims britischer Partnerstadt Weston-super-Mare. „Von meinem Kinderzimmer aus konnte ich die walisische Küste sehen“, erinnert er sich. „Meine wunderbare Ehefrau würde gerne wieder zurück“, verrät Drake. Aber vermutlich werden sie in Hildesheim bleiben. Nicht, weil sich Drake dafür entscheiden würde. Er bleibt einfach. So wie er nach sieben Jahren bei der britischen Armee am Flugplatz einfach in Hildesheim geblieben ist.
„Ich kann nichts richtig, aber alles ein bisschen“
Er war Fernfahrer, Lagerist, Kaufmann, Gastronom, Mädchen für alles. „Ich kann nichts richtig, aber alles ein bisschen“, sagt Drake und lacht. Deswegen steht er am Getränkewagen am tfn-Service-Center. Die Hüpfburg und das Familienzelt sind gegenüber. Entsprechend wollen die Leute hier auch Limonade. „Wir entlasten damit die anderen Stände“, erklärt Drake. Von der Jazztime selbst bekommt er dadurch kaum etwas mit. Aber das ist ihm egal. Ihm geht es um die Jugend, die Kultur und das Vereinswesen. „Dafür wird in Deutschland zu wenig getan“, ärgert er sich. Er würde sich freuen, würde sich das ändern, würden mehr junge Leute in den Verein eintreten. Nicht nur „gelangweilte Rentner“, wie er.
Solange bleibt er dabei. „Letztes Jahr habe ich gekündigt“, verrät er. Dieses Jahr ist er wieder da. Seine Frau hat ihm wieder ein zum diesjährigen T-Shirt passendes Band um seine Melone gewickelt. Wenn die Leute zu Drake kommen, kriegen sie ein gutes Bier. Sein Beitrag zur Gemeinnützigkeit, nennt Drake das. „Ein gutes Bier in netter Gesellschaft ist was Feines.“
