Hildesheim - Nach den zahlreichen Ladenschließungen der vergangenen Jahre bemüht sich die städtische Wirtschaftsförderung weiter nach Kräften, Leerstände in der Fußgängerzone durch Pop-Up-Shops zumindest vorübergehend zu beleben. Trotz des zeitweisen Erfolgs des Projekts auf relativ kleinen Ladenflächen, stechen weiter die großen leer stehenden Gewerbeimmobilien ins Auge – allen voran das Gebäude an der Ecke Hoher Weg/Andreasplatz. Allein hier sind seit der Schließung der H&M-Filiale im Jahr 2019 satte 2800 Quadratmeter Bruttonutzfläche verwaist. Die Schaufenster sind immer wieder beschmiert, mit Plakaten beklebt. Ein Weggucker, mitten in der Innenstadt.
Doch damit soll bald Schluss sein: Es gibt endlich wieder einen Mieter für die Räume, die sich über vier Etagen erstrecken. Das Modehaus SiNN (ehemals SinnLeffers) bereitet sich auf die Übernahme der Immobilie vor: kein Klamotten-Discounter, im Angebot ist Markenware von Boss über Levi’s bis Gant und Mey.
Schlüsselübergabe Anfang 2023, Eröffnung im März
Schlüsselübergabe für die Immobilie soll Anfang des Jahres sein, bestätigt der regionale Verkaufsleiter des Unternehmens, Lutz Hockemeyer. Im März soll dann die Eröffnung sein. Zurzeit laufen neben den Bauvorbereitungen auch Vorstellungsgespräche, berichtet Hockemeyer. Rund 30 Mitarbeitende werden in Voll- und Teilzeit am neuen Standort arbeiten – es ist neben Lingen in Niedersachsen erst die zweite SiNN-Filiale. Die beiden nächstgelegenen Standorte sind in Magdeburg und Kassel, die letzte Neueröffnung war im Oktober im nordrhein-westfälischen Goch. Das Unternehmen schaue sich bei der Suche nach möglichen neuen Standorten Städte und Immobilien in ganz Deutschland an, sagt Hockemeyer, schiele dabei nicht nur auf die Metropolen, sondern auch in mittelgroße und kleinere Städte.
34 Filialen betreibt SiNN aktuell. Und in Hildesheim sei man vom Gebäude, der Lage und der ganzen Innenstadt überzeugt gewesen. „Ich weiß, dass es auch Leerstände gibt, aber die Situation ist im Vergleich zu anderen Städten dieser Größe aus meiner Sicht nicht besonders dramatisch“, urteilt der gebürtige Osnabrücker Hockemeyer. Er sei im Sommer das erste Mal überhaupt in Hildesheim gewesen und zeigt sich begeistert: „Eine sehr interessante Stadt, und der Marktplatz ist wirklich toll.“
Positive Reaktionen im Rathaus und bei Werbegemeinschaft
Die SiNN-Eröffnung ist für Mitte bis Ende März geplant, bis dahin laufen Umbauarbeiten in der Immobilie. Die dürften aber nicht allzu aufwändig ausfallen, sagt Hockemeyer, Decken und Fußböden seien gut in Schuss. Es gehe vor allem darum, einzelne nicht tragende Wände neu zu setzen, um die Flächen an den neuen Bedarf anzupassen.
Aus Sicht des städtischen Wirtschaftsförderers Eckhard Homeister, der auch für das Projekt Pop-Up-Shops verantwortlich zeichnet, ist die Wiederbelebung des alten H&M-Standorts von großer Bedeutung. Er ist sich sicher: „Die künftige Nutzung des größten und vielleicht schwierigsten Hildesheimer Leerstands durch SiNN wird sich sehr positiv auf die Qualität der Einkaufslage und auf deren Erscheinungsbild auswirken.“
Auch Claas Schindler, Inhaber von Coffee & Beans und Vorsitzender der Händlergemeinschaft Die Freundlichen Hildesheimer, ist froh, dass der markante Leerstand bald Geschichte ist: „Das ist ein Riesenschritt nach vorne und ich hoffe, dass das die ganze Fußgängerzone voran bringt. Wir setzen darauf, dass SiNN die Innenstadt noch mehr belebt.“ Besonders erfreut zeigt sich Schindler über die Ankündigung des SiNN-Regionalleiters, sich auch vor Ort engagieren zu wollen. „Das ist positiv, wenn sich Filialisten einbringen, nur gemeinschaftlich können wir die Innenstadt voranbringen.“
Online um jeden Preis? Da macht SiNN nicht mit
Lutz Hockemeyer bekräftigt: „Es ist uns immer wichtig, uns zu engagieren und lokale Werbe- oder Händlergemeinschaften zu unterstützen.“ SiNN sei als Unternehmen von der Zukunft des stationären Handels überzeugt, sagt Hockemeyer. „Wir legen großen Wert auf die Beratung und Bedienung unserer Kundschaft, damit punkten wir.“ Er zeigt sich unbeeindruckt vom Internethandel und Abgesängen auf die Innenstädte: „Wir haben keinen Onlineshop. Wir sehen auch unsere Zukunft im stationären Handel.“
