Altenpflege

Nach Altenheim-Aus am Moritzberg: Cara-Betreibergesellschaften melden Insolvenz an – auch für zweite Einrichtung in Hildesheim

Hildesheim - Die Betreibergesellschaften der beiden Cara-Heime in Hildesheim sind insolvent – wie es nun am Immengarten weitergehen soll, warum der Standort Moritzberg vielleicht doch noch eine Rolle spielt und warum es so schwer ist, in der Pflegebranche Investoren zu finden.

Die Cara-Seniorenresidenz am Immengarten – die Betreibergesellschaft hat Insolvenz angemeldet. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Nachdem das Berliner Unternehmen Cara bereits die Schließung seines Seniorenheims am Moritzberg verkündet hat, wird nun die wirtschaftliche Schieflage des Betreibers deutlich – denn die zuständige Gesellschaft hat jetzt Insolvenz angemeldet. Und nicht nur die: Denn auch in der Schwesterfirma, die die zweite Cara-Seniorenresidenz in Hildesheim am Immengarten betreibt, hat seit wenigen Tagen der Berliner Fachanwalt Jesko Stark als vorläufiger Insolvenzverwalter das Sagen. In dessen Namen teilt der mit der Öffentlichkeitsarbeit beauftragte Sprecher Jochen Mignat auf Nachfrage dieser Zeitung aber mit: Es sei nicht das Ziel, die Einrichtung in der Oststadt zu schließen. „Der Standort Immengarten soll saniert und langfristig als stationäre Pflegeeinrichtung weitergeführt werden.“ Allerdings sei dafür der Einstieg von Investoren notwendig. Die Suche nach entsprechenden Geldgebern, die sich in der schwierigen Branche und konkret in Hildesheim engagieren wollen, läuft nach Mignats Angaben: „Die Gespräche mit Investoren werden fortgeführt, um eine nachhaltige Lösung zu erreichen.“

„Gesamte Pflegebranche leidet“

Zu weiteren Fragen der Redaktion, etwa zu den konkreten Gründen für die Insolvenz und danach, ob die drohende Insolvenz zum Zeitpunkt der Schließungsankündigung für den Moritzberg bereits klar war, äußert sich Mignat nicht. Er erklärt: „Wie die gesamte Pflegebranche leiden diese Heime mit insgesamt 115 belegten vollstationären Pflegeplätzen unter hohen Betriebs- und Personalkosten, dem Fachkräftemangel und einer unzureichenden Finanzierung.“

Überraschend ist die Aussage Mignats in Bezug auf den Standort Moritzberg. Denn nach den Angaben des Sprechers des vorläufigen Insolvenzverwalters sei – anders, als von Cara noch Ende Juli mitgeteilt – dessen endgültige Aufgabe noch nicht beschlossen. Vielmehr wolle man im Zuge des Verfahrens „begonnene Restrukturierungsmaßnahmen“ fortsetzen und am Moritzberg statt einer stationären Altenpflege auf betreutes Wohnen setzen, auch dafür suche man nach Investoren. Zuvor hatte auch ein Cara-Sprecher gegenüber dieser Zeitung vom zwischenzeitlichen Vorhaben vom Wechsel hin zum betreuten Wohnen gesprochen. Der Plan sei allerdings verworfen worden, nachdem der Eigentümer der Immobilie einen geplanten Verkauf an einen Investor nicht über die Bühne gebracht habe. Statt Wechsel der Betreuungsform zog Cara die Reißleine und beendete die Pacht für das Gebäude. Auf diese Vorgeschichte angesprochen verweist Jochen Mignat nun auf die veränderte Entscheidungshoheit: „Der vorläufige Insolvenzverwalter hat jetzt das Sagen.“

Heim am Immengarten soll erhalten bleiben

Nach der Ankündigung der Schließung des Heimbetriebs am Moritzberg bis Ende September sind bereits zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner ausgezogen – 32 von ihnen wollten ins Cara-Heim am Immengarten wechseln. Das hatte ein Unternehmenssprecher vor gut zwei Wochen mitgeteilt. Inzwischen hält er sich wegen der Insolvenz mit Äußerungen zurück, er verweist auf den Insolvenzverwalter und dessen Sprecher.

Trotz der bisherigen Stellungnahme, der Betrieb am Immengarten solle weitergeführt werden, dürfte die Insolvenz für Verunsicherung unter den Bewohnern und Beschäftigten sorgen. Nach Informationen dieser Zeitung sollen Senioren aus dem Heim am Immengarten bereits in anderen Einrichtungen nach freien Plätzen gefragt haben, weil sie sich Sorgen wegen einer mögliche Schließung machen. Mitarbeitenden des Heims am Moritzberg hatte Cara nahegelegt, sich für eine Stelle am Immengarten zu bewerben. Ob und wie viele dem gefolgt sind, wie viele freie Stellen es dort gab und ob die nun in der Insolvenzphase alle gebraucht werden – dazu gibt es derzeit keine Auskünfte.

Vor den bekannt gewordenen Schwierigkeiten bei Cara hatte bereits die angekündigte Schließung des Hildesheimer Vitanas-Heims für Verunsicherung und Sorgen bei Beschäftigten, Bewohnern und Angehörigen gesorgt. Im Landkreis wurde zuletzt der Seniorenpark Winzenburg gechlossen, weil die dortige Eigentmergesellschaft insolvent ist.

Schwierige Suche nach Investoren

Wie schwer es ist, Investoren für insolvente Altenpflegeeinrichtungen zu finden, hatte kürzlich der Insolvenzverwalter Jens Wilhelm V gegenüber dieser Zeitung deutlich gemacht. Er zeichnet für das Verfahren über die Sarstedter Wert-Investition Holding verantwortlich und hatte dabei auch mit einer Altenheim-Betreibergesellschaft der Holding in Wilhelmshaven zu tun. Obwohl sein Team und er das betroffene Pflegeheim Friesenhaus „erfolgreich fortgeführt, neu aufgestellt und saniert“ hätten und die Einrichtung „hervorragend aufgestellt“ gewesen sei, habe es nur wenige Interessenten gegeben.

„Investoren sind im Pflegebereich extrem zurückhaltend, da eben auch die Pflegefachkräfte fehlen und selbst ein gut laufendes Pflegeheim innerhalb weniger Wochen betriebswirtschaftlich in sehr schwieriges Fahrwasser geraten kann, wenn beispielsweise zwei, drei Pflegefachkräfte weggehen, die Aufsicht zum Beispiel einen Belegungsstopp verhängt. Solange die Politik die Rahmenbedingungen nicht ändert, wird es mittlerweile extrem schwer sein, Pflegeheime zu veräußern.“ Der Friesenhaus-Betrieb war nach Wilhelms Angaben vor dem Übergang an die WRF Verwaltungs GmbH aus der Wert-Investition Holding bereits insolvent gewesen – die WRF hatte den Betrieb für eine Euro übernommen.

Kaufpreis 1 Euro

Wilhelm ist es im Fall Friesenhaus gelungen, nach der strukturellen Sanierung einen Käufer zu finden – für 120.000 Euro. Wenn auch der Preis für Laien niedrig wirkt, so erklärt der Insolvenzexperte: „Der Wert eines Kaufvertrages im Insolvenzverfahren ist nicht nur der Kaufpreis, sondern was ansonsten auch von weiteren Verbindlichkeiten übernommen wird.“ Es gehe auch darum zu verhindern, dass ein Geschäftsbetrieb eingestellt werde und dann bis zum Ende der Kündigungszeit noch die Mitarbeiter bezahlt werden müssten. Er sei mit der Gesamtlösung für das Heim in Wilhelmshaven „außerordentlich zufrieden. Auch die Gläubiger erhalten eine hohe Quote, die anfangs nicht ansatzweise zu erwarten war.“

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