Gegen Lupo Martini Wolfsburg

Nach großem Kampf und Elfmeter-Drama: VfV 06 Hildesheim zieht ins Landespokal-Finale ein

Hildesheim - Große Freude im Hildesheimer Friedrich-Ebert-Stadion: Der VfV Borussia 06 gewinnt die dramatische Pokalschlacht gegen Lupo Martini Wolfsburg und löst das Ticket für das Landespokal-Finale.

Die VfV-Fußballer haben Grund zur Freude: Sie ziehen ins Landespokal-Finale ein. Foto: Thorsten Berner

Hildesheim - Der Fußball-Oberligist VfV Borussia 06 Hildesheim hat den Einzug ins Niedersachsenpokalfinale geschafft. Die Hildesheimer besiegten am Ostermontag im heimischen Friedrich-Ebert-Stadion den Liga-Kontrahenten Lupo Martini Wolfsburg nach Elfmeterschießen mit 7:5 (2:2).

Die Gesichter waren verdreckt, die Trikots braun, der Boden morastig – Spuren einer Pokalschlacht, die in Erinnerung bleiben wird. Trotz strömendem Regen hatten am Ostermontag 1114 Zuschauer den Weg ins Hildesheimer Friedrich-Ebert-Stadion gefunden – und die wurden Zeuge eines denkwürdigen Matches.

0:2-Rückstand

Im Halbfinale des Niedersachsenpokals der Oberligisten lag der VfV Borussia 06 Hildesheim zur Pause gegen Lupo Martini mit 0:2 zurück, kam nach einem wahnsinnigen Kampf zurück und erzielte kurz vor Schluss den Ausgleich zum 2:2. Es ging ins Elfmeterschießen, das der VfV 06 mit 5:3 gewann – der Jubel bei Spielern und Fans kannte kaum Grenzen.

Nach einer Hildesheimer Freudenfeier hatte es nach 45 Minuten noch nicht ausgesehen. Da führten die Gäste mit 2:0. „Verdient“, wie auch VfV 06-Präsident Michael Salge zugeben musste: „Wolfsburg spielt besser und nutzt seine Chancen effektiv.“

In der Tat hatten die Gäste gleich das Kommando übernommen. Sie machten über die Außen Druck, drängten die Borussen in die Defensive und kamen zu einigen gefährlichen Abschlüssen. In der 19. Minute passierte es: Nach einer Ecke köpfte der am kurzen Pfosten lauernde Dennis Dubiel den Ball unter die Latte, von wo er ins Tor sprang.

Enttäuschung zur Halbzeit ...

Danach arbeiteten sich die Hildesheimer allmählich ins Spiel. Es ergaben sich erste Chancen: Nach einem Angriff über die linke Seite klärte Lupo-Torwart Pascal Geerts (früher VfV 06) gegen Fred Mensah (33.). Kurz darauf verzog Finn Kiszka aus guter Position.

Ausgerechnet während dieser kleinen Drangphase leisteten sich die Borussen einen Aussetzer in der Abwehr. Der Ball wurde zu lässig hinten heraus gespielt – direkt vor die Füße der Wolfsburger. Dann ging es ganz schnell: Nach einer Direktkombination stand Marius Homann völlig frei vor Tommy Henze und schob eiskalt zum 0:2 ein (39.).

... dann ein echter Pokalfight

Bei vielen Besuchern war die Enttäuschung in den Gesichtern sichtbar. Doch die Borussen bewiesen Moral. Sie kämpften verbissen, der Boden wurde tiefer und sumpfiger, das Spiel härter und ruppiger. Es entwickelte sich ein echter Pokalfight – und der nahm nach dem Anschlusstreffer richtig Fahrt auf.

Can Gökdemir erlief einen Pass, ließ Geerts stehen und schob den Ball aus recht spitzem Winkel ins Netz – 1:2 (56.). Nun sprang auch der Funke von den Rängen auf den Rasen über. Mensah hatte den Ausgleich auf dem Fuß, schoss nach Zuspiel von Hady El-Saleh aber aus kurzer Distanz über das Tor.

Der VfV 06 drückte weiter, musste aber auch Konter der Gäste zulassen. „Die haben wir dann leider nicht konsequent zu Ende gespielt“, trauerte Wolfsburgs Trainer Claudio Rizzo den verpassten Gelegenheiten hinterher.

Eine Schlammschlacht

Den Borussen lief nun allmählich die Zeit davon. Doch sie rackerten unermüdlich weiter – und belohnten sich spät. Nach einem der letzten Angriffe grätschte Niklas Rauch den Ball am langen Pfosten über die Linie – 2:2 (90.). Die voll besetzte alte Holztribüne bebte. Gern hätte man eine Verlängerung dieses Fights gesehen, aber im NFV-Pokal geht es gleich ins Elfmeterschießen – nun wurde die Schlammschlacht auch noch zu einem Nervenkrimi.



Die Borussen Mohammad Baghdadi, Finn Kiszka, Carlos Christel und Rauch verwandelten sicher. Auf Wolfsburger Seite verschoss nur Lasse Homann. So hing alles an Fred Mensah, dem letzten Schützen des VfV 06. Traumhaft sicher schoss er den Ball ins Tor. Ein Mann ohne Nerven? „Ich war wirklich gar nicht nervös und sicher, dass ich das Ding reinmache“, sagte er später. Der Rest war Jubel. „Es war ein Sieg des puren Willens“, erklärte Baghdadi. Die Brüder Hady und Hassan El-Saleh beschrieben das Geschehen mit einem Wort: „Wahnsinn!“ Und Trainer Marcel Hartmann lobte die Moral seiner Mannschaft: „Wir haben auch nach dem 0:2 an den Erfolg geglaubt.“

Finale daheim gegen Delmenhorst

Lupo-Trainer Rizzi gratulierte dem VfV 06, meinte aber, dass sein Team den Sieg verdient gehabt hätte: „Wir waren die bessere Mannschaft.“ Eine Meinung, die Hartmann nicht ganz teilen wollte: „Wir hatten auch in Halbzeit eins schon gute Chancen und waren in der zweiten Hälfte fast nur in der Hälfte des Gegners.“ Ob verdient oder nicht – danach fragt später keiner mehr. Im Pokal zählt nur der Sieg. Den hat sich der VfV 06 mit großem Einsatz und dem nötigen Quäntchen Glück erkämpft.

Hildesheim darf sich jetzt auf ein großes Fußballfest freuen. Das Finale steigt am 25. Mai im Friedrich-Ebert-Stadion gegen Atlas Delmenhorst (3:0 beim SC Melle). Der Sieger qualifiziert sich für den DFB-Pokal.

von Thorsten Berner und Maximilian Willke

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