Alfeld - Wer sich am frühen Donnerstagmorgen auf den letzten Drücker auf sein Rad, E-Bike oder seinen E-Scooter schwingt, um den Zug zu erreichen, zur Arbeit oder zur Schule zu düsen, dessen Zeitplan gerät an der Leinebrücke ein wenig durcheinander. Dort stoppen Beamte der Alfelder Polizei ihre Fahrt. Sie kontrollieren die Fahrer sowie die Zweiräder – und das aus gutem Grund.
„Es flackert immerzu, ich muss alle 100 Meter anhalten, um das Licht wieder an- und auszuschalten. Das ist anstrengend, so komme ich nicht vorwärts. Aber ich habe schon ein neues Licht bestellt.“ So begründet ein junger E-Bike-Fahrer gegenüber dem Polizeikommissar das nicht eingeschaltete Rücklicht an seinem Bike. Doch das ist nicht alles, was der Beamte bei dieser Kontrolle um 6.50 Uhr feststellt. Um zu bremsen, springt der Fahrer rasant vom Sattel und setzt seine Füße ein. „Die Bremsen sind nicht in Ordnung“, sagt der Beamte und verbietet die Weiterfahrt. Am Ende kommt der junge Mann mit 15 Euro Verwarngeld davon und muss sein Fahrrad schieben.
Die Menschen sensibilisieren
„Wir wollen niemanden bestrafen. Unsere Kontrolle soll die Menschen sensibilisieren. Es geht um ihre eigene Sicherheit und die ihrer Mitbürger“, nennt Robert Stein, Kontaktbeamter der Alfelder Polizei, einen wichtigen Grund für die Aktion am frühen Donnerstagmorgen. Wer ohne Licht oder mit defekten Bremsen mit dem E-Scooter oder dem Fahrrad unterwegs ist, gefährde nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das anderer. Da zähle auch keine Ausrede, wie: Das Licht wurde mir gestern Abend geklaut oder ich habe es gestern verloren.
Wie wichtig die Kontrolle ist, wird am Donnerstag schon nach kurzer Zeit deutlich: An fast jedem Fahrzeug gibt es etwas zu beanstanden, beziehungsweise den Fahrer auf ein falsches Verhalten hinzuweisen. Sie haben das Licht einfach nicht eingeschaltet, nutzen die falsche Fahrtrichtung, fahren auf dem Gehweg und nicht auf der Fahrradstraße und vor allem, sie sind selber kaum „beleuchtet“.
Reflektoren sind wichtig
„Es ist ganz wichtig, dass die Zweirad- und Scooterfahrer während der Fahrt Reflektoren für ihre Kleidung und Rucksäcke nutzen, im Idealfall sogar Warnwesten tragen“, appelliert Stein und fügt hinzu: „Beleuchtung rettet Leben.“ Zwar gebe es für die Fahrer beider „Mobile“ keine Helmpflicht, ein Helm als Kopfschutz sei aber ratsam.
Während der Überprüfung zeigt sich zudem erneut, dass Fahrrad- und E-Scooter-Fahrer auf der Leinebrücke nicht die markierte Fahrradstraße nutzen, sondern auf den Gehwegen fahren. „Das Thema ist uns bekannt. Viele haben aufgrund des Verkehrsaufkommens und der Enge der Fahrbahn Angst, auf der Fahrradstraße zu fahren“, weiß Stein aus vielen Gesprächen. Diese Angst wäre unbegründet, wenn sich alle Nutzer auf der Brücke an die geltenden Vorschriften halten würden. Diese besagen: Autofahrer dürfen Nutzer, die auf den beidseitigen Fahrradstraßen unterwegs sind, nicht überholen. Das kennzeichnet auch die durchgezogene Mittellinie. „Dann reicht auch der Platz auf der Leinebrücke aus.“
Fußgänger nicht gefährden
Wer dennoch auf den Gehweg ausweichen möchte, für den gilt: Das Bike oder den Scooter über die Leinebrücke schieben, damit die Fußgänger nicht gefährdet werden.
Und wie reagieren die kontrollierten Personen? „Sie waren alle einsichtig und haben das Verwarngeld ohne zu murren bezahlt. Viele wussten tatsächlich nicht, wie das Verhalten auf der Leinebrücke richtig ist“, sagt der Alfelder Kontaktbeamte.

