Nachhaltigkeit in der Weihnachtszeit

Nettlinger Start-up bietet seit einem Jahr besondere Geschenkverpackungen an – Bilanz, Ausblick und Neuerungen

Nettlingen - Seit einem Jahr bieten Ronja Diederich und Andreas Fischer nachhaltige Geschenkverpackungen an – ihre Bilanz fällt positiv aus, dennoch wird es Änderungen geben.

Ronja Diederich und Andreas Fischer haben ein Geschenkpapier aus Stoff entwickelt. Foto: Julia Moras (Archiv)

Nettlingen - Aufwendig verpacken, schnell aufreißen und dann wegschmeißen: In der Weihnachtszeit fällt durch die Geschenkverpackungen viel zusätzlicher Müll an – das ist nicht umweltfreundlich. Genau das wollen Andreas Fischer und Ronja Diederich ändern und haben vor einem Jahr in Nettlingen ein Start-up gegründet. In ihrem Online-Shop stoffverpackt, der am 3. Dezember 2023 an den Start gegangen ist, bieten sie unter anderem wiederverwendbare Geschenkstoffe zum Verpacken an, um für mehr Nachhaltigkeit zu sorgen. Ein Jahr später ziehen sie ein positives Fazit – kündigen aber auch Änderungen an.

„Das Jahr war eine aufregende Reise“, fasst Ronja Diederich zusammen. Erstmals war das Unternehmen auf der Messe Infa in Hannover vertreten, wodurch Diederich und Fischer, die beide ursprünglich aus Nettlingen kommen, neue Kundinnen und Kunden gewinnen konnten und viele positive Rückmeldungen bekommen hätten. Mittlerweile werden ihre Waren auch beim Onlineversandhändler Amazon und dem Online-Marktplatz Etsy zum Kauf angeboten. „Wir wachsen stetig.“ Rund 500 Kundinnen und Kunden zählte Diederich im vergangenen Jahr zum Start, dieses Jahr dürften es mehr werden, schätzt sie.

Klebestreifen und Klettverschlüsse

Doch zu einer Unternehmensgründung gehören auch Rückschläge. Im Sortiment hatten die beiden einen speziellen Kleber, der sich ohne Rückstände wieder vom Stoff entfernen lassen und beim Öffnen das Aufreißgeräusch erzeugen sollte. Das habe aber leider in der Praxis bei den Käuferinnen und Käufern nicht so gut funktioniert wie erhofft, räumt Diederich ein. „Trotz neuer Herausforderungen haben wir aber nicht aufgegeben.“ Statt des Klebers bieten sie nun Klebestreifen und Klettverschlüsse an, die ebenfalls wiederverwendbar sind. „Das ist einfacher zu nutzen.“ Nachjustieren müssen sie im kommenden Jahr voraussichtlich auch die Versandpreise, die wahrscheinlich erhöht werden müssten.

Zudem arbeiten sie daran, einen Textildrucker kaufen zu können, um eigene und individualisierbare Designs für die Stoffe herstellen zu können. Über die Plattform startnext läuft derzeit eine Crowdfunding-Kampagne, um 12.500 Euro zu sammeln. Wer Geld schickt, bekommt Rabattcodes und kann sich Geschenksets reservieren, anders als etwa bei einer klassischen Spende. Wenn die Summe bis Mitte März nicht erreicht wird, zahlen die Unterstützer auch nichts.

Zweites Start-up schließt zum Jahresende

Noch kümmern sich die beiden nebenberuflich um das Start-up, ihr Ziel sei es nach wie vor, dass es zu ihrem Hauptberuf wird. „Aber ein Start-up braucht eben Geduld. Dennoch sind wir zufrieden und haben noch viele Ideen, etwa um die Produkte weiter zu verbessern.“ Denkbar seien künftig etwa wiederverwendbare Grußaufkleber. „Nachhaltigkeit hat oft das negative Image von Verzicht, genau das wollen wir ändern.“ Nachhaltige Geschenkverpackungen seien zwar immer noch ein „Nischenthema“, dennoch habe er das Gefühl, dass das Bewusstsein für mehr Umweltschutz gestiegen sei,sagt Diederich. Ein Weihnachtsgeschenkset gibt es ab 18,99 Euro – je nach Größe. Stoffe gibt es ab 5,99 Euro.

Für Fischer und Diederich war es nicht das erste Start-up: Vor etwa drei Jahren hatten sie Amarill gegründet. In einem Online-Shop konnten Eltern ein Abonnement abschließen, um sich dort Babykleidung zusammenzustellen und paketweise zu mieten. Der Shop wird aber Ende des Jahres geschlossen, berichtet Diederich. „Das Thema war zu nischig, wir mussten die Bilanz ziehen, dass es sich nicht lohnt.“ Stattdessen wollen sie nun den Fokus auf stoffverpackt legen.

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