Gronau - Schülerinnen, Schüler und Sportvereine in Gronau dürfen hoffen: Möglicherweise gibt es doch noch andere Lösungen zur Unterbringung von Flüchtlingen in in der Stadt als die neue Sporthalle der Kooperativen Gesamtschule (KGS). Das hat Volker Senftleben, Bürgermeister der Samtgemeinde Leinebergland, am Freitag erklärt. Demnach hat die Kommune dem Landkreis zwei Alternativen in Gronau vorgeschlagen. Senftleben hofft, dass der Kreis diese sehr kurzfristig prüft.
Proteste und Petition
Landrat Bernd Lynack hatte vor gut einer Woche angekündigt, der Landkreis müsse wohl ab Januar die KGS-Sporthalle zur Unterbringung von Flüchtlingen nutzen. Das hatte in Gronau eine intensive Diskussion ausgelöst, weil es massive Einschnitte für den Sportunterricht und den Vereinssport bedeuten würde. Binnen einer Woche haben bis zum frühen Freitagabend 1911 Menschen eine Online-Petition gegen das Vorhaben unterstützt.
Doch Lynacks Ankündigung hat nicht nur Proteste ausgelöst, sondern auch eine größere Bereitschaft, potenziellen Wohnraum an die Behörden zu melden, sagt Senftleben. „Es scheint so, als ob mögliche Vermieter angesichts des drohenden Verlusts der Sporthalle noch einmal neu überlegt haben.“ Vor allem geht es um zwei große Gewerbeimmobilien in Gronau, deren Besitzer sich am Donnerstag im Rathaus gemeldet hatten. „Eine davon stünde langfristig zur Verfügung, die andere zumindest bis zum Sommer“, berichtet Senftleben.
Erst Gebäude, dann Container?
Letzteres könnte eine große Rolle bei dem Bemühen spielen, eine Nutzung der KGS-Halle als Notunterkunft noch abzuwenden. Denn das fragliche Gebäude würde ungefähr so lange zur Verfügung stehen, wie der Landkreis bräuchte, um Containerdörfer in der Samtgemeinde zu errichten. Dafür hat die Kommune wiederum bereits im August mögliche Standorte an den Kreis gemeldet, wie Senftleben betont.
Auch mehrere Hauseigentümer haben sich nach Bekanntwerden der Sporthallen-Pläne bei der Samtgemeinde gemeldet, um Wohnraum anzubieten. Senftleben hofft, dass noch mehr Einwohner, ob mit großen oder kleinen Immobilien, sich an die Kommune wenden. Der Samtgemeindebürgermeister setzt auf eine gemeinsame Anstrengung der Bevölkerung – um Flüchtlinge unterzubringen und trotzdem die KGS-Sporthalle für den Schul- und Vereinssport zu erhalten.
„Dach über dem Kopf“
Dem Landkreis will Senftleben keinen Vorwurf machen: „Wenn es keine anderen Möglichkeiten gibt, hat er keine andere Wahl, als eigene Liegenschaften heranzuziehen – und unserem Fall eben diese Sporthalle.“ Die Kommune selbst würde im Notfall nicht anders handeln.
Ohnehin wirbt der Bürgermeister „bei allem Verständnis für die Emotionen“ um eine sachliche Betrachtung der Lage: „Ich bin selbst Sportler – aber man muss das schon gewichten. Auf der einen Seite geht es um Sportunterricht und Vereinsaktivitäten. Auf der anderen Seite um die Frage, ob Menschen ein Dach über dem Kopf haben.“
Aufnehmen – und Halle erhalten
Und noch etwas anderes gibt der Sozialdemokrat zu bedenken: Im Landkreis lebten derzeit im Durchschnitt 29 Flüchtlinge je 1000 Einwohner, zitiert er eine aktuelle Statistik. In der Samtgemeinde Leinebergland seien es mit gut 250 Flüchtlingen nur 14 je 1000 Einwohner.
„Wir sind bei dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe schon im Sinne der Fairness in der Pflicht, deutlich mehr Menschen aufzunehmen als bislang.“ Wenn das gelinge und zugleich die KGS-Sporthalle nutzbar bliebe, „wäre das ein toller Erfolg, das versuchen wir gemeinsam zu erreichen“. Jedes weitere Wohnraum-Angebot bringe die Kommune diesem Ziel näher.
