Flüchtlingskrise

Petition gegen Flüchtlinge in Gronauer Sporthalle findet große Unterstützung

Gronau - Schon nach drei Tagen ist mehr als die Hälfte der benötigten Unterschriften zusammengekommen. Wie geht es weiter, wenn das Quorum erreicht wird? Und was genau wollen die Initiatoren erreichen? (mit Kommentar)

Die neue KGS-Sporthalle soll zur Notunterkunft für Flüchtlinge werden. Dahinter sind die Grundschule, die alte KGS-Halle und die KGS selbst zu erkennen. Foto: Chris Gossmann

Gronau - Viele Menschen aus dem Landkreis Hildesheim sprechen sich bei einer Online-Petition an Landrat Bernd Lynack (SPD) dagegen aus, Flüchtlinge in der neuen Sporthalle der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Gronau unterzubringen. Die am Freitag gestartete Initiative auf dem Onlineportal „OpenPetition“ hat bis zum frühen Montagabend bereits 1462 Unterstützerinnen und Unterstützer gewonnen. 1342 von ihnen kommen aus dem Landkreis.

Anders als in Sarstedt und Alfeld

Es ist nicht das erste Mal, dass der Kreis eine Schulsporthalle als Notunterkunft zur Unterbringung von Flüchtlingen nutzen will. Das geschah bereits wechselweise in den Sporthallen des Gymnasiums sowie der Schiller-Oberschule in Sarstedt sowie zudem in der Willi-Nikulka-Sporthalle in Alfeld. Dabei kam es zu Einschränkungen im Schul- und Vereinssport, große Proteste dagegen gab es aber nicht.

Das ist in Gronau nun anders. Die Petition trägt den Titel „Sporthalle in Gronau (Leine) soll bleiben für Schulsport, Kinder & Vereine – nicht für Geflüchtete!“ Als Initiatoren firmieren auf dem Internetportal Open Petition „Bürger, Eltern, Schüler, Kinder, Vereinsmitglieder in Gronau“, konkrete Verantwortliche sind nicht benannt. Die Initiatoren sprechen sich nicht gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in der Samtgemeinde an sich aus, wollen laut Petitionstext aber die Nutzung der Sporthalle abwenden.

„Sportvereine wichtig für Integration“

„Dass geflüchtete Menschen eine angemessene Unterbringung benötigen steht hier außer Frage“, heißt es dort. Der Vorwurf: Der Landkreis wolle die Sporthalle nutzen, obwohl es andere Möglichkeiten wie Container-Standorte oder leerstehende Industriehallen oder Supermarkt-Gebäude gebe, weil dies für den Kreis als Eigentümer der Halle günstiger sei. Wolle der Landkreis die Halle aber „nur aus Kostengründen“ für Flüchtlinge „zweckentfremden“, sei dies „nicht hinnehmbar“.

Ein wesentliches Argument der Petition ist zudem, dass Schülerinnen und Schüler bereits in der Corona-Zeit erhebliche Einschränkungen beim Schulsport hinnehmen mussten, ebenso gelte dies für Sportvereine. Dies dürfe sich nicht wiederholen. Weiter heißt es: „Natürlich müssen wir gesellschaftlich diese Herausforderung bewältigen und den Flüchtlingen ein hohes Maß an Hilfe zukommen lassen.“ Doch dafür seien gerade auch die Sportvereine wichtig: „Integration beginnt aber auch meist in Vereinen. Wenn diese kein Angebot mehr machen können, wird sie schwer gelingen.“

Hoffen auf Container

Inzwischen gibt es rund 600 Kommentare zu der Petition auf dem Internetportal. Die sind meist deutlich wenig moderat als der Petitionstext. Tenor: Die Halle sei für Schüler und nicht für Flüchtlinge gedacht, Deutschland solle „wieder an seine eigenen Bürgerinnen und Bürger denken“.

Der Schlusssatz der Petition klingt indes versöhnlich: „Wir hoffen, dass sich noch eine Alternative in der Samtgemeinde Leinebergland finden lässt.“ Tatsächlich hat deren Bürgermeister Volker Senftleben (SPD) dem Landkreis zwei potenzielle Container-Standplätze gemeldet. Landrat Lynack hat allerdings in einem Interview mit der HAZ deutlich gemacht, dass für die Unterbringung in Containern deutlich mehr Vorlaufzeit nötig sei, als aktuell voraussichtlich noch zur Verfügung stehe.

2300 Unterstützer als Ziel

Werden 2300 Unterschriften erreicht, schickt OpenPetition die Petition mit der Forderung nach einer Stellungnahme an Landrat Lynack. Auf HAZ-Anfrage erklärte die Kreisverwaltung, in diesem Fall eine Stellungnahme an OpenPetition abzugeben und auch im Kreistag über die Petition zu berichten, auch wenn diese rein rechtlich nicht relevant sei. Zugleich betonte die Kreisverwaltung, sie nehme die Sorgen und Bedenken der Bürger sehr ernst und plane deshalb eine Einwohner-Fragestunde. Allerdings erklärte sie auch, ohne kurzfristig realisierbare Alternativen sei die Belegung von Sporthallen nicht zu vermeiden, auch wenn sie „das letzte Mittel der Wahl“ sei.


Kommentar: Ansätze für Debatte über Lösungen – ärgerlich, dass die Initiatoren sich verstecken

Die Petition gegen die Nutzung der Gronauer KGS-Sporthalle für Flüchtlinge zeigt dreierlei: Zum ersten, dass der Unmut in der Bevölkerung über die Aufnahme von Flüchtlingen generell wächst. Zum zweiten, und das ist noch gewichtiger: Dass noch immer viele Menschen die Aufnahme von Flüchtlingen akzeptieren – aber nicht hinnehmen wollen, dass dafür öffentliche Einrichtungen wie Sporthallen gesperrt werden. Gewichtig ist das deshalb, weil Landkreis und Kommunen das direkt beeinflussen können. Für die grundsätzliche Migrationspolitik gilt das nicht, da sind sie die falschen Ansprechpartner.

Zum dritten zeigt sich, dass viele Menschen inzwischen deutlicher bereit sind, ihren Unmut zu artikulieren. In Sarstedt und Alfeld etwa gab es zuletzt nicht ansatzweise solche Proteste gegen die Nutzung von Sporthallen für Flüchtlinge, obwohl die Auswirkungen ähnlich waren.

Chance vertan

Darin liegt aber auch eine Chance. Nämlich die zur direkten Kommunikation und Lösungssuche mit den Kritikern. Nicht mit denen, die sowieso gegen alles sind und denen es auch egal ist, wer in der Flüchtlingsfrage eigentlich wofür zuständig ist. Aber mit denen, die zu differenzieren bereit sind. Und zum Beispiel sagen: Flüchtlinge okay – aber können wir bitte die Sporthallen frei halten?

Umso bedauerlicher ist es, dass sich die Initiatoren nicht mit ihren Namen nach vorn trauen, sondern sich hinter einer allgemeinen Sammelbezeichnung verstecken, sogar hinter Kindern. So wird eine Chance vertan.

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