Hildesheim - Der Hildesheimer Automobil-Zulieferer KSM Castings bekommt in diesem Jahr seine bisher bei weitem größte Druckguss-Presse – und will damit in neue Dimensionen in der Produktion vorstoßen. Die verschiedenen Bauteile sind inzwischen in Europa angekommen. Sie müssen aber noch von Spezialfirmen bearbeitet werden, ehe sie in mehreren Schwertransporten per Schiff und über die Straßen nach Hildesheim transportiert werden. Vor Ort wird die 3500-Tonnen-Anlage, die fast doppelt so groß wird als die bisher zur Verfügung stehenden Druckguss-Pressen, zusammengebaut.
Die neue Presse erwirbt KSM von seiner Muttergesellschaft, dem chinesischen Konzern Citic Dicastal. In China wurde sie demontiert und in Einzelteilen nach Deutschland verschifft. Angesichts der Lieferketten-Probleme zwischen China und Europa in den vergangenen Jahren ist die Tatsache, dass alle Komponenten sich nun in Europa befinden, für KSM ein wichtiger Meilenstein. Denn im September sollen damit bereits die ersten Prototypen hergestellt werden. „Diese Presse ist ein Türöffner für uns, eröffnet ganz neue Möglichkeiten“, betont Detmar Kampmann.
Deutsche an der Spitze
Der 58-Jährige komplettiert seit Dezember die neue, umgebaute Geschäftsführung von KSM Castings. Deren Sprecher (CEO) ist Horst Fischer, Kampmann verantwortet als COO das operative Geschäft. Der frühere CEO Shuongyang Liu ist nach China zurückgekehrt. Damit hat KSM den Plan umgesetzt, statt einer chinesischen Führung wieder ein deutsches Management an die Spitze zu setzen, das den europäischen Markt gut kennt und vor Ort besser kommunizieren kann.
Kampmann, der unter anderem bei Bosch und Volvo Führungspositionen in verschiedenen Ländern innehatte, zeigt sich von seiner neuen Aufgabe begeistert: „Es passt einfach für beide Seiten.“ Zumal KSM sich nach turbulenten Jahren in einer Phase des Aufbruchs befinde, sich mit großen Investitionen auf die Transformation der Automobilindustrie und auf die Energiewende einzustellen versuche.
Besser für Elektromobilität
Die neue Presse ist dabei ein wichtiges Element. Sie ermöglicht KSM die Herstellung größerer Bauteile – eine wesentliche Voraussetzung dafür, Hersteller von Elektroautos beliefern zu können. Denn die brauchen – unter anderem – oft größere Gehäuse für die E-Motoren, wie KSM-Sprecherin Sandra Dichter erläutert.
Das stählerne Ungetüm ist vielleicht die plakativste Investition des Hildesheimer Zulieferers in diesem Jahr, aber nicht die einzige von erheblichem Belang. So bekommt das Unternehmen im Lauf des Jahres insgesamt drei neue Schmelzöfen, die jahrzehntealte Exemplare ersetzen und weitaus energieeffizienter arbeiten sollen als ihre Vorgänger. „Ich kann das jetzt noch nicht genau beziffern, aber diese Anlagen werden einen wirklich signifikanten Beitrag zur Senkung unseres Energieverbrauchs leisten“, betont Kampmann.
Energiepreise bleiben Thema
Für KSM ist das von zentraler Bedeutung. Der Energiehunger des Unternehmens ist immens. Zuletzt verbrauchte es rund ein Drittel allen in Hildesheim verfeuerten Erdgases – rund 200 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Die massiven Anstiege der Energiepreise vor allem im vergangenen Jahr trafen die Firma mit voller Wucht, ohne millionenschwere Unterstützung durch die Muttergesellschaft aus China wären die Mehrkosten nicht zu stemmen.
Inzwischen pendeln sich die Preise zumindest tagesaktuell wieder deutlich niedriger ein – wer sich längerfristig im Voraus Kontingente sichern will, muss allerdings weiter sehr tief in die Tasche greifen. „Die Beschaffung möglichst klug und geschickt zu steuern, bleibt neben der Einsparung eine zentrale Aufgabe“, sagt Kampmann.
Personal kommt zurück
Dabei befasst sich das Unternehmen auch mit der Frage, ob und wie es Strom und vielleicht auch Gas aus erneuerbaren Quellen in der Region beziehen kann. „Politik und Verwaltungen sind auf allen staatlichen Ebenen aber immer noch zu langsam, wir brauchen schnellere Entscheidungen“, mahnt das Mitglied der Geschäftsführung. Manche Idee scheitert aber auch vor Ort. Der Plan, möglichst viele Dächer mit Photovoltaik zu bestücken, ist erst einmal zurückgestellt: „Es sind nur wenige Dächer geeignet, und wir müssen schauen, ob sich das bei unserer Verbrauchsstruktur überhaupt lohnt oder ob andere Lösungen sinnvoller wären“, sagt Sandra Dichter.
Was sicher ist: Die Auftragsbücher sind auf Jahre hinaus gut gefüllt, die Belegschaft des Unternehmens wächst weiter. „Wir haben neue Beschäftigte gewonnen, es kehren auch gute Leute zurück, die KSM verlassen hatten, wir stellen immer wieder Zeitarbeiter fest ein – aber es bleibt ein schwieriges Geschäft, wir müssen viel Aufwand betreiben“, sagt Sandra Dichter.
Belegschaft wieder gewachsen
Bis zum Sommer würden zumindest noch 40 neue Arbeitskräfte in verschiedenen Bereichen gesucht. „Diese Leute brauchen wir, um unsere Aufträge auch ausführen zu können.“ Doch die Konkurrenz ist groß, zum Beispiel sucht auch Bosch intensiv. 908 Mitarbeiter inklusive Azubis und 60 Zeitarbeiter hat KSM inzwischen wieder. Im Oktober vergangenen Jahres waren es noch etwa 100 weniger.
