Freie Schule

Neue Schule für den Hildesheimer Südkreis: Trägerverein sucht Lehrkräfte, einen Ort und weitere Mitglieder

Bad Salzdetfurth/Wehrstedt - Kinder aus dem Hildesheimer Südkreis sollen von 2025 an eine neue Schule im Raum Bad Salzdetfurth ansteuern können. Das sind die Pläne.

Bei der Gründungsversammlung im September halten die ersten Mitglieder den Augenblick auf einem Foto fest. Ganz links ist Initiatorin Tasja Eiselt zu sehen. Foto: Initiative Erdenkinder

Bad Salzdetfurth/Wehrstedt - Eine Gruppe Eltern will im Südkreis die freie Schule „Erdenkinder“ gründen. Sie soll im Sommer 2025 zunächst für 15 bis 20 Kinder im Grundschulalter geöffnet werden und dann nach und nach zu einer Grund- und Gesamtschule ausgebaut werden. Derzeit suchen die Mütter und Väter der Gründungsinitiative „Freier Lernort Erdenkinder“ nach einem geeigneten Ort. „Unsere Suche konzentriert sich auf den Bereich Wehrstedt, Bad Salzdetfurth und Bodenburg“, sagt Initiatorin Tasja Eiselt. Die 36-Jährige lebt mit ihren beiden Kindern, fünf und zwei Jahre alt, auf dem Islandpferdehof Oheblick in Wehrstedt. Der Hof gehört ihrer Familie.

Tasja Eiselt hatte selbst geeignete Schulen für ihre Kinder gesucht. Aber für sie infrage kommende Schulen wie Montessori und Waldorf in Hildesheim oder die freie Schule Heckenbeck in Bad Gandersheim seien weit entfernt. Deshalb fing sie an, sich mit der Frage zu beschäftigen, selbst eine Schule im Raum Bad Salzdetfurth zu gründen.

Im Vordergrund stehen die Bedürfnisse der Kinder

Weil es in den ersten drei Jahren keine öffentliche Förderung gibt, müssen die Mitglieder des Trägervereins sparsam kalkulieren. Ein beauftragter Architekt sei auf der Suche nach einem geeigneten Gebäude oder einem Grundstück, auf dem Container aufgestellt werden könnten. Die freie Schule soll sich deutlich von den staatlichen Schulen abgrenzen. Eiselt spricht von einem „ganzheitlichen Ansatz“, bei dem die Bedürfnisse der Kinder und ihre freie Entfaltung im Vordergrund stehen sollen. Deshalb werde es auch keine Klassenstufen wie an staatlichen Schulen geben.

Eine Schule in Deutschland zu gründen, steht im Prinzip allen Bürgern frei. Dieser Schritt wird sogar vom Grundgesetz garantiert. „Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn die privaten Schulen in ihren Lehrzielen und Einrichtungen sowie in der wissenschaftlichen Ausbildung ihrer Lehrkräfte nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehen und eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird“, heißt es in Artikel 7, Absatz 4, der Verfassung.

Andere Versuche, Schulen zu gründen, scheiterten

Im Landkreis hatte es in den vergangenen Jahren mehrfach – aber am Ende ergebnislos – Versuche gegeben, Schulen zu gründen. So planten Eltern Ende 2023 in Duingen, eine Freie Demokratische Schule zu gründen. 2020 wollten Eltern eine freie Schule in der früheren Sonnenberg-Grundschule in Eime eröffneten. Allerdings bekamen sie das erforderliche Geld nicht zusammen. Ihr damaliges Konzept – eine 160-seitige Ausarbeitung, die von der Schulverwaltung des Landes geprüft worden sei – hat nun aber einen Weg bis zu Tasja Eiselt und ihren Mitstreiterinnen und -streitern gefunden. Und Teile der Inhalte sollen auch von der neuen Südkreis-Schule übernommen werden.

Die Idee ist schon ein paar Jahre alt. Während Corona lag das Projekt vorübergehend auf Eis. Nun treiben Eiselt und die anderen es voran. „Wir sind inzwischen ein gemeinnütziger Verein und haben ein Bankkonto“ berichtet die gelernte Hotelfachfrau, die heute unter anderem als selbstständige Yogalehrerin arbeitet. Parallel sucht der Trägerverein nach zwei Lehrkräften, die ab 2025 unterrichten sollen. Der Verein hat eine Homepage (freier-lernort-erdenkinder.de), auf der das pädagogische Konzept detailiert beschrieben ist, und auf der man Mitgliedsanträge ausfüllen kann.

Eltern werden Schulgeld bezahlen müssen

Weil es sich um eine freie Schule handelt, werden die Eltern später Schulgeld für ihre Kinder zahlen müssen. Wie hoch dies ausfallen wird, steht noch nicht fest. „Aber es wird eine Staffelung geben“, sagt Eiselt.

Am 27. Mai soll es ab 19 Uhr einen Infoabend zur geplanten Schule in Bad Salzdetfurth geben. Einen Ort gibt es dafür noch nicht. Auch beim Sommerfest im Kurpark am 15. Juni will die Initiative vertreten sein.

Tasja Eiselt berichtet von einem enormen Interesse an dem Projekt. „Von allen Seiten kommen gerade Menschen auf uns zu und wollen Teil dieses Projekts werden“, sagt die 36-Jährige. Sie freue sich sehr auf die Arbeit der kommenden Monate und Jahre.

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