Hildesheim - Viel Fantasie braucht man nicht mehr, um sich das fertige Seniorenheim in der Straße Galgenbergsfeld 64 vorzustellen: Die Inneneinrichtung steht, Bilder hängen an der Wand. Um das Gebäude herum, ja, da herrscht noch Baustellen-Optik. Aber: Lange dauert es nicht mehr. „Ich gehe davon aus, dass am 1. April der erste Bewohner einziehen kann“, sagt Sabrina Oldenburger, Geschäftsführerin der neuen Seniorenresidenz MediCare.
Und die gehört zum in Frankfurt ansässigen deutschen Ableger des französischen Konzerns Orpea. Das Unternehmen betreibt allein in Deutschland derzeit 185 Einrichtungen mit insgesamt 19.500 Betten – und bald kommen in auf dem Grundstück zwischen der Goslarschen Landstraße und dem Ameos-Klinikum in Hildesheim weitere 100 hinzu. Geschäftsführerin Oldenburger, die für 15 weitere Einrichtungen verantwortlich ist, will vor allem eines: weg vom „Klischee verstaubter Einrichtungen“.
Drei unterschiedliche Zimmerkategorien
Drei Etagen ist der Bau hoch, im Erdgeschoss sitzt neben einem großräumigen Küchenbereich auch auch die Heimverwaltung. Der Essbereich, auf den man durch den Haupteingang direkt zusteuert, ist in hellen Farben gestaltet – und nur einer von vielen.
„Ich finde es netter, kleinere Speisebereiche zu haben, und dafür mehrere“, erklärt Oldenburger. Auch was die Farbgestaltung angeht, hat man sich für eine moderne, aber gemütliche Variante entschieden; helle Holzmöbel, dazu grüne und graue Akzente bei den Polstersesseln.
Die Zimmer staffeln sich in drei unterschiedlichen Kategorien, wobei das Standardzimmer das günstigste ist: Mit einem Bett ausgestattet, einem Kleiderschrank, einem Tisch und Stühlen, außerdem ein angrenzendes, barrierefreies Badezimmer. In der zweiten Kategorie, dem Komfortzimmer, gibt es außerdem einen Fernseher, statt der Holzstühle einen Sessel mit Hocker, außerdem sind diese Zimmer etwas geräumiger.
Im Premium-Zimmer, der höchsten Klasse der Seniorenresidenz, gibt es dagegen einen elektrischen Sessel mit hochfahrbahrer Fußablage, ein breiteres Bett, einen größeren Kleiderschrank und Fotowände, an denen Bilder der Liebsten befestigt werden können.
Kosten noch unklar
Die Bedürfnisse der Menschen sind ganz verschieden, erklärt Oldenburger, mit den verschiedenen Angeboten wolle man dem nachgehen. Abseits der Zimmer ist das Angebot – was die Pflege und Essen anbelangt – aber für alle gleich. Das gilt auch für das Wellnessbad. Neben den üblichen Pflegebädern gibt es nämlich im ersten Stock auch noch eine freistehende Badewanne mit Massagefunktion, die allen Bewohnern und Bewohnerinnen zur Nutzung freisteht.
Was die Kosten der verschiedenen Zimmerkategorien angeht, kann der Konzern noch keine Angaben machen, erklärt Oldenburger – man sei gerade noch in Verhandlung mit den verschiedenen Kostenträgern.
Bau hat sich verzögert
Für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kann der Einzug des ersten Bewohners wohl kaum schnell genug gehen – einige von ihnen sind bereits seit vergangenem September angestellt, die Eröffnung der Seniorenresidenz verzögerte sich aber etwas. Aus den Gründen, die wohl jeden, der im vergangenen Jahr gebaut hat, lahmgelegt haben: Corona und Lieferengpässe. „Am schlimmsten betroffen war bei uns alles, was mit Elektro zu tun hat“, erklärt Oldenburger. Mittlerweile funktionieren die Aufzüge aber, die Brandmelder sind angebracht – und der Internetzugang, der ist auch da. Ein wichtiger Punkt, wie die Geschäftsführerin sagt. „Mittlerweile fragen Interessenten danach, das war vor drei Jahren noch gar nicht der Fall.“
Fachkräftemangel – auch hier ein Thema
Ein weiterer Knackpunkt, könnte man meinen: Der Fachkräftemangel. Immerhin blieben in den vergangenen Jahren immer wieder Pflegeheimbetten unbelegt, weil das Personal fehlte. „Das ist immer noch so“, bestätigt Michael Sackmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Hildesheimer Altenheime. Von etwas mehr als 1100 Pflegeplätzen in Hildesheim waren im vergangenen Jahr etwa 150 nicht belegt.
Wir haben eine dramatische Situation
„Wir haben eine dramatische Situation“, beschreibt Sackmann, der die Caritas-Einrichtungen Teresienhof und Magdalenenhof leitet. „Der Personalmangel hat sich die vergangenen Jahre verschärft – bei Fachkräften, aber auch bei Hilfskräften.“ Das führe dazu, dass in manchen Einrichtungen ganze Wohnbereiche nicht belegt werden können.
Der Bedarf an Plätzen, der sei hingegen da – wenn nicht sogar gewachsen. „Die Anfragen haben dramatisch zugenommen, das hat sicher auch was mit der Alterspyramide zu tun“, sagt Sackmann. Für die neue Einrichtung im Osten Hildesheims hofft er umso mehr auf einen gelungenen Start. „Wir heißen die Einrichtung auf alle Fälle herzlich willkommen“, sagt er.
Tag der offenen Tür geplant
Der Fachkräftemangel ist da, das kann man nicht wegdiskutieren
„Der Fachkräftemangel ist da, das kann man nicht wegdiskutieren“, sagt auch Oldenburger. Das Haus sei aber gut aufgestellt, auch wenn die Suche immer noch läuft. Das aktuell 20-köpfige Team würde aber reichen, um den Betrieb zu starten, ist sich die Geschäftsführerin sicher.
Um das Haus näher kennenzulernen, planen Oldenburger und Jessika Pawlinski, die Pflegedienstleitung des Hauses, einen Tag der offenen Tür – allerdings erst im Mai oder Juni, wenn das Wetter schöner ist und man auch den bis dahin hoffentlich fertigen Außenbereich mit Terrasse begutachten kann. Vorher aber, so sagt Oldenburger, werden die Nachbarn auf eine Hausführung eingeladen – die hätten immerhin mit der Baustelle leben müssen.






