Verwaltungsvorschlag

Neue Verkehrsführung in der Hildesheimer Dammstraße – wenn die Fahrbahn wieder freigegeben ist

Hildesheim - Mehr Platz und damit mehr Sicherheit vor allem für Fahrradfahrer, weniger Parkplätze und Tempo 30 für Autofahrer: Im Hildesheimer Rat zeichnet sich eine Mehrheit für einen entsprechenden Vorschlag der Stadtverwaltung über die künftige Raumaufteilung in der Dammstraße ab.

Zwischen der Innerste-Brücke und der Mühlenstraße auf der Nordseite (links) der Dammstraße in Hildesheim sollen etwa acht Parkplätze wegfallen, dafür schafft die Stadt aber zwei Bereiche in diesem Abschnitt mit Ladezonen beziehungsweise Kurzzeitparkplätzen. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Noch ist nicht klar, wann der Verkehr in der Dammstraße wieder fließen kann. Doch wenn es so weit ist, muss sich jeder, der dort unterwegs ist, auf Veränderungen einstellen: Im Stadtentwicklungsausschuss zeichnete sich am Mittwochabend eine große Mehrheit für den Kurs der Verwaltung ab, die Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger zu verbessern.

So sollen Letztere auf der Innerste-Brücke und weiteren 20 Metern stadteinwärts als „Kolonnenführer“ das Tempo bestimmen; ein Fahrbahnteiler aus Baken sorgt dafür, dass Radfahrer auf insgesamt 55 Metern nicht überholt werden können. Außerdem legt die Stadt zwischen Burg- und Ritterstraße und dann wieder kurz vor der Innerste-Brücke neben dem Radschutzstreifen stadtauswärts einen 75 Zentimeter breiten Sicherheitsstreifen an. Er soll verhindern, dass Radfahrer eine Tür vor den Kopf bekommen, wenn Autofahrer aussteigen.

Parkplätze fallen weg

Für diese bedeutet der Vorschlag den Wegfall von einigen Parkplätzen zwischen Innerste-Brücke und Mühlenstraße sowie Tempo 30 zwischen Brücke und Roemer- und Pelizaeus-Museum (RPM). Die Entscheidung fällt demnächst aus formalen Gründen im Verwaltungsausschuss. Und damit hinter verschlossenen Türen.

Der Anstoß, sich des Themas anzunehmen, kommt aus dem Rat. Die Politiker hatten die Bauverwaltung bei ihrem Beschluss über die historische Brücke darum gebeten, Möglichkeiten für einen Pop-up-Radweg auf der Achse Dammstraße-Schuhstraße zu prüfen. Im größten Teil der 1100 Meter langen Strecke lässt sich nach den Erkenntnissen des Rathauses vor allem aus rechtlichen Gründen derzeit nichts oder wenig ändern. Anders sieht es zwischen der Burgstraße und der Innerste-Brücke aus.

Der erste Vorschlag der Hildesheimer Stadtverwaltung stieß bei den Händlern in der Dammstraße auf heftige Kritik

Mit ihren ersten Überlegungen dazu stieß die Verwaltung allerdings auf Kritik der Gewerbetreibenden in dem Bereich: Im Raum stand der Verzicht auf fast alle Parkplätze auf der Nordseite gegenüber dem RPM. Das Rathaus erarbeitete daraufhin mit Stadtmitte-Ortsbürgermeister Tobias Eckardt (SPD) und den Händlern einen Kompromiss, der Ortsrat segnete diesen bereits vor der Sommerpause ab. Am Mittwoch nun präsentierte der Fahrrad- und Fußgängerbeauftragte Christoph Brandes das Papier dem Stadtentwicklungsausschuss. Danach bleiben zwischen Burg- und Ritterstraße alle 16 Parkplätze erhalten; den Platz dafür gewinnt die Stadt, in dem sie auf eine eigene Spur für Linksabbieger zur Burgstraße verzichtet – wobei das Abbiegen weiter möglich ist, wie Brandes betonte. Zwischen Ritter- und Mühlenstraße dagegen fallen alle bisherigen fünf Parkplätze weg, zwischen Ritterstraße und Innerste-Brücke weitere drei. Dafür allerdings entstehen dort und an der Ecke Mühlenstraße jeweils Ladezonen. „Das ist ein Entgegenkommen für die Gewerbetreibenden“, erklärte Brandes.

Arzt lässt für Parkplatz vor Praxis für Gehbehinderte werben – doch die Politik will die Belastungen für den Verkehr nicht noch verstärken

Von denen verfolgten etwa zehn die einstündige Debatte; eine Sprecherin hatte sich zuvor dafür stark gemacht, auch auf der Südseite vor einer Arztpraxis einen Parkplatz einzurichten. Der Mediziner wirbt dafür seit Jahren; zur Unterstützung hatte er am Mittwoch einen schwerbehinderten Patienten mitgebracht, der seine Probleme schilderte – „eindrucksvoll“, wie SPD-Vertreter Eckardt versicherte. Doch die Politik müsse zwischen den Interessen verschiedener Bürger abwägen. Das Problem: Um die Fläche für den Parkplatz zu gewinnen, müsste die verengte Fahrbahn und damit die „Kolonnenführerschaft“ der Radfahrer weitere 30 Meter stadteinwärts fortgesetzt zu werden. Doch das würde alle übrigen Verkehrsteilnehmer einschließlich der Busse noch länger ausbremsen – und das wolle man nicht, sagte Eckardt. Zumal die ganze Lösung ohnehin nicht ideal sei für Radfahrer, betonte Stadt-Mitarbeiter Brandes: Es handele sich nur um einen Kompromiss, der der Raumnot geschuldet sei.

Ausschussvorsitzender Dennis Münter warb gleichwohl bei Baudezernentin Andrea Döring darum, eine Lösung für Patienten wie den schwerbehinderten Mann zu finden. Ansonsten ließ auch Münter Sympathie der CDU für den Verwaltungsvorschlag erkennen. Die Grünen unterstützen diesen ohnehin, wie Fraktionschef Ulrich Räbiger deutlich machte.

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