Zentrale Verkehrsachse

Tempo 30 und mehr Parkplätze als zuvor gedacht – Stadt aktualisiert die Pläne für die Hildesheimer Dammstraße

Hildesheim - Die Stadt soll die Verkehrsführung in der Dammstraße ändern. Ein erster Vorschlag, hierfür die Parkplätze in Teilen der Straße zugunsten von Radfahrern und Fußgängern zu entfernen, stieß auf Kritik. Nun stellt die Verwaltung neue Pläne vor. (mit Kommentar)

Die Politik hat die Stadt Hildesheim damit beauftragt, den Verkehr in der Dammstraße zugunsten von Radfahrern und Fußgängern anders zu regeln. Dafür sollen unter anderem Parkplätze entfallen – wenn auch nicht mehr so viele, wie ursprünglich gedacht. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Die Dammstraße bleibt zwar noch auf absehbare Zeit für den Verkehr dicht. Die Debatte darüber, wie es nach der Sperrung weitergehen soll, ist aber in vollem Gange. Für großen Unmut sorgte dabei die Überlegung der Stadt, die Autoparkplätze auf der nördlichen Seite der Dammstraße zu entfernen – zugunsten von Radfahrern und Fußgängern. Die Stadt reagiert darauf und möchte nun deutlich weniger Stellplätze streichen.

Kritik an den Plänen äußerten besonders die Betreiberinnen und -betreiber ansässiger Geschäfte. Als eigens gegründete „Interessensgemeinschaft Dammstraße“ wandten sie sich an die Politik, um die Parkplätze zu erhalten. Sie könnten auf diese für ihre Arbeit schlicht nicht verzichten, argumentierten die Geschäftsleute. Auf diese Sorgen möchte die Stadt nun eingehen – die Verwaltung habe sich mit der Interessensgemeinschaft und der Lokalpolitik ausgetauscht und danach einen Kompromiss ausgearbeitet, sagt der Fahrradbeauftragte der Stadt Christoph Brandes. Dessen Kollegin Carola Rex, Bereichsleiterin für Straßenbau, und Stadtmitte-Ortsbürgermeister Tobias Eckardt (SPD) hatten die neuen Pläne jüngst den Anliegern erläutert.

Großteil der Parkplätze soll bleiben

So möchte die Verwaltung nun nur noch den Bereich zwischen der Einfahrt zur Ritterstraße und der Innerstebrücke angehen. Die Stellplätze zwischen der Ritterstraße und der Burgstraße blieben dagegen „alle erhalten“ – von den insgesamt 24 Parkflächen entfielen also deutlich weniger als von den Kritikerinnen und Kritikern befürchtet. „Wir reden von vielleicht sechs, sieben Stellflächen“, so Brandes. Zumal die Verwaltung sich vorstellen könne, im Abschnitt direkt vor der Brücke auch eine sogenannte „Bringzone“ einzurichten – Autos dürften dort zum Be- und Entladen halten.

Die Verwaltung befasst sich mit dem Thema, weil sie dazu von der Politik beauftragt wurde. Die Stadt hätte von sich aus nichts an der Verkehrsführung geändert, wie deren Sprecher Helge Miethe betont. Denn die Nachteile überwiegen aus Sicht der Verwaltung die Vorteile, allein schon wegen des Aufwands, den die Stadtplanerinnen und -planer neben den zahlreichen anderen Baustellen zusätzlich aufbringen müssten. Doch der Auftrag der Politik sei klar – von daher versuche die Stadt, ihm auch gerecht zu werden. Dafür prüfte sie auch die Einrichtung einer Tempo-30-Zone im Abschnitt zwischen Dammtor und der Schuhstraße.

Tempo 30 zwischen Brücke und Museum

Das Ergebnis: Tempo 30 kann in der Dammstraße tatsächlich kommen – allerdings nur im Bereich zwischen der Innerstebrücke bis zum Straßenabschnitt auf Höhe des Roemer- und Pelizaeus-Museums. Der Grund hierfür sei aber „ein trauriger“, wie Brandes sagt. Denn die Fahrbahnoberfläche des besagten Abschnitts sei in einem vergleichsweise schlechten Zustand. Daher könne die Stadt dort eine Tempoverringerung aus Sicherheitsgründen beantragen.

Der Pfaffenstieg und auch die Schuhstraße seien dagegen in einem guten Zustand, deshalb gelte dort weiterhin Tempo 50 – allen Forderungen und Beschlüssen der städtischen Politik zum Trotz. Denn das Bundesverkehrsministerium verweigere den Kommunen nach wie vor, selbstständig über Tempolimits zu entscheiden, so Brandes. Von daher könne die Stadt auch nur dort die Geschwindigkeit drosseln, wo die Straße „schlecht genug“ sei. Stadtplanerisch sei das „völlig daneben“, ärgert sich Radbeauftragter Brandes.

Arbeiten könnten im Herbst beginnen

Der Ortsrat Stadtmitte/Neustadt befasst sich mit den neuen Dammstraßen-Plänen in seiner kommenden Sitzung am Mittwoch, Stadtentwicklungsausschuss und Verwaltungsausschuss folgen nach der Sommerpause. Brandes schätzt, dass die Arbeiten im Herbst beginnen könnten – sofern die Politikerinnen und Politiker keine Einwände haben.


Kommentar: Anwohner sollten mit ihren Forderungen nicht überziehen

Der Aufschrei unter den Anliegern war groß, als die Verwaltung – wohlgemerkt auf Wunsch des Rates – ihre ersten Ideen vorstellte, wie sich die Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger verbessern ließen. Die Kritik kam an: Den Verantwortlichen im Rathaus ist es mit dem neuen Entwurf gelungen, sowohl die Vorgabe des Rates als auch die Belange der Anlieger zu berücksichtigen. Mehr geht nicht, weil es der Platz und die Rechtslage nicht hergeben. Doch statt die Fakten und das Bemühen der Verwaltung anzuerkennen, lassen einige Anlieger nicht locker. In einer Stadtgesellschaft geht es darum, die Interesse vieler unter einen Hut zu bekommen. Wer das auf Dauer ignoriert, der läuft Gefahr, als borniert zu gelten.

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