Sarstedt - Würde bei der geplanten neuen Stromtrasse OstWestLink die Nordvariante durch Sarstedter Gebiet zum Tragen kommen, würde das für die Stadt erhebliche Probleme mit sich bringen. Das hat Bürgermeisterin Heike Brennecke (SPD) in einem Gespräch mit Vertretern des Netzbetreibers Tennet und danach auf Anfrage auch gegenüber der HAZ erklärt.
Das Problem sei, dass eine Erweiterung des Gewerbeparks Nord praktisch ausgeschlossen werden würde, sollte das Erdkabel wirklich durch die Feldmark zwischen Sarstedt und Heisede und von dort aus weiter in Richtung Hotteln verlegt werden. Die südliche Variante von OstWestLink sei aus Sicht der Stadt „eindeutig zu favorisieren“. Sie würde allerdings anders als die Nordvariante die Interessen mehrerer benachbarter Kreis-Kommunen berühren.
Unter Leine und Innerste hindurch
Die Stromtrasse OstWestLink soll aus der Region Leer bis in den Raum Leipzig verlegt werden und – wie andere neue Höchstspannungsleitungen auch – Strom von Offshore-Windparks in der Nordsee ins deutsche Binnenland transportieren. Während die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW für zwei weitere Erdkabel-Trassen durch den Landkreis jeweils einen Vorschlag bei der Bundesnetzagentur eingereicht haben, bieten sie für OstWestLink zwei Varianten an – eine nördlich und eine südlich an Sarstedt vorbei.
Die Nordvariante erreicht das Stadtgebiet bei Schliekum, soll unterhalb des Hopfenbergs die Leine unterqueren und dann zwischen Ruthe und Sarstedt die Innerste. Entlang der Straße von Ruthe nach Heisede ginge es weiter – unter anderem unter der Bahn durch – und dann mit einem Schwenk nach Osten in Richtung Bundesstraße 6.
Giesen, Harsum und Nordstemmen im Fokus
Danach kommt die Stelle, die aus Sicht von Bürgermeisterin Heike Brennecke hochproblematisch wäre. Denn die Stromtrasse würde direkt am Nordrand des Gewerbeparks Nord entlang in Richtung Osten führen. „Das würde uns stark einschränken, insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Erweiterung des Gewerbegebietes“, sagt Brennecke. Auf der Trasse Gebäude zu errichten, bliebe schließlich „für immer“ ausgeschlossen. „Wir haben in dem Gespräch mit Tennet deutlich gemacht, dass hier unsere einzige Chance liegt, weitere Gewerbeflächen zu entwickeln“, berichtet Brennecke. Deshalb sei die südliche Variante von OstWestLink vorzuziehen.
Die freilich würde drei Sarstedter Nachbargemeinden betreffen, die im Fall einer Entscheidung für die Nordvariante gar nicht von OstWestLink berührt wären: Giesen, Nordstemmen und Harsum. Denn die Südvariante berührt Sarstedter Stadtgebiet fast gar nicht. Sie erreicht den Landkreis Hildesheim bei Barnten und würde unmittelbar am Nordende des Dorfes vorbeiführen.
Info-Veranstaltung geplant
Im weiteren Verlauf in Richtung Osten ginge es zwischen Ahrbergen und dem Giesener Kaliberg hindurch in Richtung der Bundesstraße 6, die zwischen dem Ahrberger Gewerbegebiet und Groß Förste unterquert werden würde. Danach würde das Erdkabel jeweils nicht allzu weit von den nördlichen Ortsrändern von Groß Förste, Klein Förste und Harsum verlaufen – möglicherweise mit Auswirkungen auf Überlegungen für weitere Wohngebiete in diesen Orten.
Netzbetreiber Tennet lädt in Sarstedt zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung am Mittwoch, 21. Februar, ab 17 Uhr im Hotel Sarstedter Hof ein. Bürgermeisterin Brennecke strebt aber eine weitere solche Veranstaltung in einem größeren Raum zusammen mit Tennet an. Zudem soll das Thema in der nächsten öffentlichen Sitzung des Stadtentwicklungs-Ausschusses am Donnerstag, 29. Februar, um 17.30 Uhr (Sitzungszimmer im Rathaus) behandelt werden. Wie Bürgermeisterin Brennecke am Samstag berichtete, hat Netzbetreiber Tennet seine Teilnahme mittlerweile zugesagt.
Kommen doch Freileitungen?
Unabhängig davon betont Brennecke, die Trassenverläufe seien „noch nicht in Stein gemeißelt“. Es könne noch zu Veränderungen kommen. Das würde natürlich erst recht dann gelten, wenn der Bund doch wieder auf Freileitungen statt Erdkabel setzen sollte und die Trassen komplett neu geplant werden müssten.
