Interview

Neuer Kinofilm von Til Schweiger: Erneut eine Rolle für Hildesheimer Schauspielerin Franziska Machens

Hildesheim - Schauspielerin Franziska Machens aus Algermissen spielt eine Ex-Frau in „Das Beste kommt noch“ – der läuft zurzeit im Hildesheimer Kino Thega. Im Interview spricht sie über die Dreharbeiten mit Til Schweiger, Vorwürfe am Set, Medienschelte, ihren neuen TV-Zweiteiler sowie über eine selbstverordnete Pause.

„Ich möchte dir nur sagen, dass ich für dich da bin – egal was ist“, sagt Vivien (Franziska Machens) als Ex-Frau von Arthur in dem Film „Das Beste kommt noch“. Foto: Constantin Film

Hildesheim - Ist sie die neue Lieblingsschauspielerin von Til Schweiger? Franziska Machens spielt jedenfalls schon wieder eine Rolle in seinem neuesten Kinofilm „Das Beste kommt noch“ – zu sehen derzeit im Thega in Hildesheim. Im Gespräch mit der HAZ spricht die 38-Jährige aus Algermissen über ihre Filmrolle, die Zusammenarbeit mit dem Star, Ärger über Medien sowie über ihre Zukunftspläne.

In Ihrem ersten Film „Lieber Kurt“ ging es um den Tod eines Kindes, jetzt um einen todkranken Freund – das hört sich ziemlich düster an oder darf man auch lachen?

Natürlich! Man soll sogar! Lachen ist das Allerbeste. Wie soll man sonst alles ertragen? Mir gefällt da die Einstellung von dem erfolgreichsten deutschen Comedian Felix Lobrecht: „Ich bin der Überzeugung, dass Humor das beste Werkzeug ist, um mit schlimmen Sachen umzugehen. Gerade über schlimme Themen muss man Jokes machen, damit man irgendeinen Ansatzpunkt hat, die emotional zu verarbeiten.“ Man macht sich ja nicht darüber lustig, hat einfach eine Zeit lang die Mundwinkel oben. Was gibt es Besseres?

Was für eine Rolle spielen Sie diesmal?

Vivien, sie ist die Ex-Frau von Arthur, deren Verhältnis sich im Laufe des Films auf schöne Art und Weise verändert. Arthur und Felix (Til Schwieger, Anm.d.R.) sind zwei beste, aber sehr unterschiedliche Freunde. Felix hat Krebs im Endstadium, weiß es aber nicht. Arthur weiß es, schafft es aber nicht, diese schreckliche Nachricht seinem Freund zu sagen. Stattdessen möchte er ihm seine letzte Zeit so schön wie möglich gestalten. Doch Felix wiederum denkt, es sei umgekehrt, Arthur ist der Todkranke – durch verwechselte Krankenversichertenkarten. Ein Netz aus Lügen beginnt.

Til Schweiger lobt in dem Podcast „Alles nur im Kopf“ (des Neurowissenschaftlers Prof. Florian Holsboer) ausdrücklich ihr komödiantisches Talent. Hatten Sie bei den Dreharbeiten viel zu lachen? 

Über das Kompliment habe ich mich natürlich sehr gefreut. Aber Schauspielen ist Mannschaftssport, und es war eine herrliche Mannschaft. Til ist ein ein großartiger Schauspieler. In Sachen Timing kann man ihm nichts vormachen. Da muss auch nie im Nachhinein etwas im Schnitt gerettet werden. (lacht) Und Michael Maertens (in der Rolle des Arthur, Anm.d.R.) hat mich schon zum Lachen gebracht, als ich vor zehn Jahren mit ihm in Zürich auf der Bühne stand. Til zeigt allen immer sofort die gerade gedrehten Szenen auf seinem Monitor. Und wenn dann die Umstehenden lachen müssen, weiß er, herrlich, wir können weitermachen.

Viele verbinden mit dem Namen Til Schweiger Streifen wie „Manta, Manta“ – gerade mit neuer Fortsetzung. Aber er hat sich eigentlich schon länger schwereren Themen wie Depression (Die Rettung der uns bekannten Welt), bipolare Störung (Barfuß) oder Demenz (Honig im Kopf) gewidmet – letzterer gehört mit zu den erfolgreichsten deutschen Filmen. Was schätzen Sie besonders an dem Schauspieler, Regisseur und Produzenten?

Til freut sich nicht nur, wenn sein Team und auch die Zuschauer lachen, sondern auch, wenn sie weinen müssen oder gerührt sind oder stutzen oder sich ärgern. Er will nicht in den Kopf, er will ins Herz. Und das schafft er, indem er eine Geschichte gut erzählt. Das liebe ich sehr an seinen Filmen. Ich will etwas was fühlen, wenn ich ins Kino gehe.

Bei dem Film „Lieber Kurt“ mussten alle fühlen, ja schlucken, die selbst Kinder haben – besonders wenn sie eines verloren haben.

Mir haben zwei Frauen geschrieben, die in der gleichen Situation sind, in der sich die Figur befindet, die ich in dem Film spielte – eine Frau, deren Mann sein Kind verloren hat. Und sie haben sich bedankt. Sie meinten, es täte so gut, das widergespiegelt zu sehen. Der Film ist im Kino gefloppt, war dann auf Amazon sehr erfolgreich. Aber selbst wenn es nur eine Zuschrift gewesen wäre, hätte ich schon gedacht: Das ist doch sehr gut, dass es diesen Film gibt. Und Til kriegt immer unzählige Zuschriften. Das ist doch so schön, dass seine Filme etwas mit den Menschen machen. Darum muss es doch gehen! Und die, die sich über seine Filme ärgern, sollten doch zumindest anerkennen, dass es anderen ganz anders damit geht.

Stichwort Emotion: Wie haben Sie bei Ihren beiden Schweiger-Produktionen die Situation am Set empfunden – da gab es in den vergangenen Wochen so einige Vorwürfe?

Es waren mit die schönsten Tage meines Lebens. Ich kann es nicht anders sagen. Wenn es anders wäre, hätte ich kein Problem damit, auch das zu sagen. Ich fand alles so toll und spannend, und war sogar vor Ort, einfach nur um zuzugucken, auch wenn ich nichts zu drehen hatte. Ich durfte viel lernen. Und das lag am Regisseur. Und an dem tollen Team, dass er sich zusammengestellt hat. Ich habe nie mitbekommen, dass Til jemanden runtergemacht hat. Im Gegenteil. Ich habe in meinem Berufsleben niemanden getroffen, der so viel lobt wie er.

... es gab keine Ausraster oder Ähnliches?

Wir arbeiten in einer Branche, in der wir höchst menschliche Themen behandeln dürfen. Das ist ein Geschenk. Und ich frage mich, warum bleiben wir dabei nicht menschlich? Warum erlauben wir es nicht, dass jemand Fehler machen darf, wenn er sich danach dafür entschuldigt? Warum ziehen wir es vor, die Öffentlichkeit lediglich darüber zu informieren, dass diese Fehler passiert sind? Was bringt einem das?

Was für eine Rolle spielt Alkohol bei den Dreharbeiten – wie reagieren Sie auf die öffentlich gemachten Spekulationen?

Die erste Frage hat Til mittlerweile in mehreren Interviews ausführlich beantwortet. Auf die Frage zu den öffentlichen Spekulationen gehe ich gerne ein. Ich reagiere auf die Spekulationen mit Wut, da mich die Vorgehensweise mancher Journalistinnen und Journalisten abstößt. Ein persönliches Erlebnis: Ein Journalist einer Berliner Zeitung hat aus einem Interview, dass ich ihm zu „Lieber Kurt“ gegeben habe, alle lobenden Passagen über Til Schweiger herausgestrichen.

Warum?

Seine Antwort hierzu war lediglich: „Ich will nicht so gut über Til Schweiger schreiben.“ Ich kenne weitere solcher Beispiele. Campino hat es in einem Interview sehr gut zusammengefasst: „Da stürzt sich ein Mob auf diesen Typen. Das kann jedem passieren, der nicht anonym ist. Wenn jemand anonym ist, dann gibt es keine Klickzahlen. Der ist keine Meldung wert.“

Til Schweiger bringt durch seine große Bekanntheit zweifellos viel Aufmerksamkeit. Was drehen Sie als nächstes mit ihm?  

Es ist gar nichts in Aussicht gerade. Das ist ok. So ist es in unserem Beruf. Es zählt nicht nur Qualität, es gibt eine Menge toller Schauspielerinnen und Schauspieler, deswegen braucht man auch Glück. Eine positivere Antwort darauf habe ich leider nicht. (lacht)

Sie haben in diesem Jahr auch eine TV-Produktion abgedreht mit einer tragenden Rolle. Wann soll die ausgestrahlt werden?

Ich spiele eine Frau, die unter Vorwänden von ihrem Arbeitgeber gefeuert und parallel von ihrem Mann leicht selbstverschuldet aus der gemeinsamen Wohnung geschmissen wird. Mangels Schlafplatz kehrt sie in ihr Heimatdorf zurück und landet wieder in ihrem Kinderzimmer. Es klingt deprimierend, aber es ist sehr amüsant und schön! (lacht) Der Zweiteiler wird am 23. Februar und 1. März in der ARD ausgestrahlt.

Bei so vielen Dreharbeiten: Haben Sie noch Zeit, im Deutschen Theater in Berlin auf der Bühne zu stehen?

Ja. Ich nehme mir zwar gerade ein Jahr Proben-Auszeit, aber mein Stücke spiele ich weiter. Und das macht mir sehr große Freude. Nach insgesamt 13 Jahren im Festengagement, vier Jahre am Schauspielhaus Zürich, neun am Deutschen Theater Berlin brauche ich eine Atempause. Ich hatte großes Glück und weiß das zu schätzen, aber es wurde mir zu viel. Nach den Lockdowns und dem daraus entstandenen Premieren-Stau hatte ich in einem halben Jahr fünf Premieren, das hat man sonst allerhöchstens in einem ganzen Jahr. Ich freue mich gerade sehr, mal durchatmen zu können – und sehr auf Weihnachten in Algermissen.


Zur Person

Franziska Machens, Jahrgang 1984, aus Algermissen hat am Josephinum in Hildesheim Abitur gemacht. Schon während der Schulzeit spielte sie Theater, war Regieassistentin und drehte sogar einen Film. Als Schauspiel-Studentin (2005 bis 2009) in München gastierte sie am Schauspielhaus Zürich, wo sie anschließend bis 2013 fest engagiert war. Seit der Spielzeit 2013/14 gehört sie zum Ensemble am Deutschen Theater Berlin. Derzeit ist sie auf der Bühne unter anderem in „Maria Stuart“, „Birthday Candles“, im „Zerbrochenen Krug“ oder demnächst in „Minna von Barnheln“ zu sehen. 2019 ist sie mit dem „Friedrich-Luft-Preis“ für die Beste Berliner und Potsdamer Aufführung von Molières Komödie „Der Menschenfeind“ ausgezeichnet worden. „Lieber Kurt“ (2022) ist die erste Zusammenarbeit mit Til Schweiger gewesen.


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