Transformation beim Automobil-Zulieferer

Neuer Tarifvertrag für Bosch in Hildesheim: Kündigungen länger ausgeschlossen

Hildesheim - Die bundesweite Vereinbarung betrifft mehr als 3000 Beschäftigte im Hildesheimer Werk. Der hiesige Betriebsrats-Vorsitzende hat im Konzern an Einfluss gewonnen – und erwartet weiter viel Arbeit.

Das Hildesheimer Bosch-Werk steht besser da als noch vor einigen Jahren. Foto: Chris Gossmann (Archiv)

Hildesheim - Im Hildesheimer Bosch-Werk sind betriebsbedingte Kündigungen in den nächsten viereinhalb Jahren ausgeschlossen. Dies betrifft alle Beschäftigten im Unternehmensbereich Mobility Solutions und damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im klassischen Werk, die an Motoren für Elektroautos arbeiten, aber auch diejenigen im Bereich Cross Domain Computing Solutions (ehemals Bosch Car Multimedia) und im Entwicklungszentrum. Die Zusage des Unternehmens, zumindest bis Ende 2027 keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen, ist ein zentraler Punkt des neuen „Zukunftstarifvertrages“ für die Mobility-Standorte von Bosch in Deutschland, auf den sich der Automobil-Zulieferer und die Gewerkschaft IG Metall in monatelangen Verhandlungen verständigt haben.

Störmer ist Vize-Betriebsrat

Zugleich sind Entlassungen in Hildesheim damit für einen längeren Zeitraum nicht möglich, als es die bisherige Standortvereinbarung vorsah. Zuletzt hat Bosch in seinem Werk im Hildesheimer Wald aufgrund großer Auslastung allerdings ohnehin versucht, Personal hinzuzugewinnen und nicht etwa abzubauen.

Sehr zufrieden mit dem Verhandlungsergebnis zeigte sich der Vorsitzende des Hildesheimer Bosch-Betriebsrates, Stefan Störmer, der inzwischen auch einer der beiden stellvertretenden Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats von Bosch in Deutschland ist. Störmer war auch Teil der Verhandlungsgruppe, die die Vereinbarungen mit dem Unternehmen erarbeitet hat. „Wir haben insgesamt rund 250 Stunden lang verhandelt“, schätzt er.

„Hildesheim muss sich beweisen“

Der neue Zukunftstarifvertrag sieht aber nicht nur den Ausschluss von Kündigungen für einen längeren Zeitraum als bislang vor. Vereinbart ist außerdem, die Betriebsräte stärker als bislang an der Entwicklung des Unternehmensbereichs zu beteiligen. „Wir werden frühzeitig in strategische und wirtschaftliche Planungen eingebunden, zum Beispiel hinsichtlich der Ansiedlung von Zukunftsprodukten“, betonte der Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende Frank Sell. Welches Produkt an welchem Standort gefertigt wird, ist in Unternehmen wie Bosch immer wieder Gegenstand harten internen Ringens.

Mehr Einfluss für die Betriebsräte bedeutet aber auch viel Arbeit – daran besteht für den Hildesheimer Stefan Störmer kein Zweifel: „Nach diesem Abschluss ist natürlich keine Zeit zum Zurücklehnen, sondern jetzt müssen wir an den Standorten Zukunftsbilder entwickeln und Produkte lokalisieren“, sagt er. „Das bedeutet auch in Hildesheim viel, viel Arbeit.“ Das Werk im Hildesheimer Wald müsse nun „einmal mehr beweisen, dass es mit seinen Kompetenzen den weltweiten Fertigungsverbund voranbringt und selbst immer die modernste Fertigungstechnologie – quasi als Keimzelle, betreibt“.

Viele Millionen investiert

Zuletzt war Hildesheim Bosch-intern in diesem Bereich sehr erfolgreich. Das Werk hat die Transformation hin zur Herstellung von Antrieben für Elektro-Autos, aber auch elektrisch betriebene Transporter und Lieferfahrzeuge geschafft und in die Neuaufstellung seiner Produktion in Hildesheim in den vergangenen Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag investiert. Inzwischen arbeiten wieder gut 1500 Beschäftigte in dem Bereich.

Mit dem neuen Zukunftstarifvertrag sind offenbar beide Seiten sehr zufrieden. Jedenfalls veröffentlichten Bosch und die IG Metall eine gemeinsame Erklärung dazu, was nicht der Regelfall ist. „Wir haben gemeinsam ein richtungsweisendes Ergebnis und einen wichtigen Meilenstein erreicht“, betonte Bosch-Mobility-Personalchefin Erika Rasch. Die IG Metall lobte die Vereinbarung als „Vorlage für andere Unternehmen“.

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.