Energiewende

Neuer Windkraft-Boom: Hildesheimer Unternehmer steigt ganz groß ein

Hildesheim/Emden - Vor kurzem noch marode Firmen zum Bau von Betontürmen sind plötzlich wieder extrem gefragt – und Knut Bettels schielt nach der bundesweiten Marktführerschaft.

Der Hildesheimer Großunternehmer Knut Bettels hat zwei kriselnde Hersteller von Windrad-Türmen gekauft - und profitiert jetzt von der Trendwende in dieser Branche. Foto: Werner Kaiser (Archiv)

Hildesheim/Emden - Die Windkraft-Branche kommt nach schwachen Jahren offenbar langsam aus dem Tief – und ein Hildesheimer Großunternehmer ist ganz vorn mit dabei, die Produktionskapazitäten für Windräder in Deutschland wieder hochzufahren: Knut Bettels hat vor einem Jahr die WEC Turmbau in Emden und in diesem Jahr die SAM Stahlturm- und Apparatebau aus Magdeburg in seine Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Hildesheim integriert. Und die beiden Unternehmen bekommen nun immer mehr Großaufträge für den Bau von Betontürmen für die Anlagen.

100 Türme pro Jahr – mindestens

Einen großen Erfolg meldete Bettels am Freitag für seine Emder Firma, die inzwischen Bettels Betonfertigteile GmbH heißt. Das Unternehmen soll künftig für den deutschen Marktführer Max Bögl Windrad-Türme herstellen. „Das Auftragsvolumen bewegt sich im hohen zweistelligen Millionenbereich“, sagt Bettels. Bögl produziert aktuell an seinen beiden eigenen Standorten rund 400 solcher Türme im Jahr. Doch die Nachfrage steigt seit einiger Zeit deutlich an – vor allem, weil die Bundesregierung neue, höhere Ausbauziele vor allem für Offshore-Windparks verkündet hat.

Um den Bedarf der Kunden zu decken, will Bögl seine Kapazitäten ausweiten. Für 100 Türme zusätzlich pro Jahr soll die Bettels-Firma in Emden sorgen – „in einer ersten Ausbaustufe“, wie es in einer gemeinsamen Pressemitteilung beider Unternehmen heißt. Mittelfristig könnte es also noch mehr Erweiterungen geben.

Fertigteile für LNG-Terminal

Schon zum Start investieren Bögl und Bettels in Emden zusammen mehrere Millionen Euro in neue und zusätzliche Produktionsanlagen, wie der Hildesheimer auf HAZ-Nachfrage erklärte. Die Arbeiten für eine neue Fertigungsstraße sollen noch im Oktober beginnen, die Serienproduktion voraussichtlich Mitte nächsten Jahres starten.

Bettels hatte die Emder Firma im Juni vergangenen Jahres gekauft, als sie in große Probleme geraten war. Denn das Unternehmen baute fast ausschließlich Windrad-Türme für den Branchenriesen Enercon – doch angesichts des stockenden Windkraft-Ausbaus war sie überhaupt nicht mehr ausgelastet. Bettels formulierte damals den Plan, die Firm unabhängiger von der Windkraft-Branche zu machen. Tatsächlich lieferte sie noch in diesem Sommer große Fertigteile für das neue Flüssiggas-Terminal in Wilhelmshaven.

Prognose tritt früher ein

Doch nun ist sie wieder stark im Bereich Windkraft-Türme gefragt – deutlich früher, als es Bettels selbst noch vor einigen Monaten vermutet hätte: „Die Nachfrage nach Windtürmen ist aktuell noch eher leicht rückläufig – es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass der Windmarkt ab 2024 deutlich anziehen könnte“, sagte der Hildesheimer noch im Juni.

Die Prognose hatte er getroffen, als er den Erwerb der SAM Stahlturm- und Apparatebau aus Magdeburg bekanntgab. Auch dieses Unternehmen hatte in der Vergangenheit vor allem Windrad-Türme für Enercon geliefert und war aus ähnlichen Gründen in schweres Fahrwasser geraten wie die Emder Firma.

Auftrag von Siemens

Doch die aktuellen Entwicklungen im Bereich erneuerbare Energien sorgen auch dort für einen Aufschwung, wie Bettels berichtet. „Dort konnten wir zwischenzeitlich Großaufträge im Bereich des Stahlturmbaus für Siemens Gamesa, Vensys und auch Max Bögl generieren.“ Angesichts dieser Entwicklungen in relativ kurzer Zeit lehnt sich Knut Bettels für seine Verhältnisse weit aus dem Fenster: „Das eröffnet uns langfristig die einzigartige Möglichkeit, im Windmarkt – neben Max Bögl – eine marktführende Position einzunehmen.“

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